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Falsches Foto von Andreas L.
Eine Verwechslung und ihre Entstehung

Andreas L.: Eine Verwechslung und ihre Enstehung
FOTO: Twitter
Berlin. Co-Pilot Andreas L. aus Montabaur hat im Pass auch noch einen zweiten Vornamen: Günter. Und das wurde einem Andreas Günter zum Verhängnis. In Medien in aller Welt wurden Fotos gezeigt, die ihn zeigen, und seine Freundin wurde im Restaurant von 20 Journalisten förmlich überfallen. Von Lars Wienand (Rhein-Zeitung)

Die Pressekonferenz von Staatsanwalt Brice Robin war noch nicht lange in Gang, er hatte den Namen des Co-Piloten eben erst gesagt (und buchstabiert), da tauchten die ersten Fotos des Mannes aus Montabaur in den Medien auf. Allerdings zeigten nicht alle Bilder auch wirklich ihn. Andreas Günter aus Bern wurde zu Andreas L., und das nicht nur auf wenigen kleinen Seiten, sondern bei der altehrwürdigen "Times", im "heute journal", in der Tagesschau und in den Tagesthemen. Am Freitag landete das Bild dann - unverpixelt - auf dem Titel österreichischer Zeitungen.

Auch RP ONLINE zeigte das falsche Bild in einer gepixelten Variante am Donnerstag für einige Stunden.

Nicht gezeigt wurden dagegen Bilder Schweizer Journalisten, die seine Freundin in einem Restaurant förmlich überfielen. "Sie saß bei einem Geschäftsessen", berichtet Andreas Günter unserer Zeitung. "Plötzlich kommen 20 Journalisten rein und sie wird vor laufender Kamera mit der Frage bombardiert, wie sie sich fühlt, mit einem Mörder zusammen gelebt zu haben." Die Freundin ist offenbar so leicht nicht zu erschüttern: "Sie konnte dann schnell aufklären, dass ich gar nicht Pilot bin", so der im Stromhandel tätige Deutsche. "Die Journalisten sind dann wieder weg."

Neben seinem Bild mit Schirmmütze in den Bergen waren zwischenzeitlich in italienischen und Schweizer Medien auch Berichte aufgetaucht, der Montabaurer Andreas L. habe in der Schweiz gelebt. Es gab ein Foto, das Andreas Günter mit seiner Freundin zeigte. Die Frau notdürftig verpixelt, er nicht. "Es wurden Bilder aus meinem und aus ihrem Facebookprofil genutzt." Nachdem das erste Bild aus den Bergen aus seinem Profil in den Medien auftauchte, war es zur Quelle für weitere Berichte geworden.

Günter nahm es am Donnerstag gegenüber einem Schweizer Portal noch vergleichsweise leicht: "Es erstaunt mich, dass Journalisten aus aller Welt es basierend auf einem Tweet nehmen." Er habe "nichts unternommen, weil ich dachte, es klärt sich schnell auf. Ich habe ja einen anderen Nachnamen." Auch am Freitag zeigt er sich unaufgeregt. "Zu rekonstruieren, wer den Fehler gemacht hat und wer dann ohne genaue Prüfung übernommen hat, bringt doch nichts. Das Thema wird sich auch wieder erledigen." Rechtliche Schritte plant er bisher nicht.

Das erste Medium, das das Bild verbreitet hatte, war möglicherweise die in Teneriffa beheimatete Zeitung La Opinion. Sie schrieb L.s vollen Namen in den Tweet. Auf eine Anfrage hat die Redaktion bisher nicht geantwortet.

Am Donnerstagnachmittag hatte die Schweizer Seite tio.ch über die Verwechslung erstmals berichtet, am Freitagmorgen tauchte das Bild aber immer noch etwa in einem Tweet der "Times" und im Morgenmagazin auf - und in sozialen Netzwerken wuchs der Druck, den Fehler zu korrigieren.

ARD und ZDF waren dabei in Gesellschaft des größten französischen Senders. Und ein Tweet zeigt auch, wie es mancherorts gelaufen sein könnte: "Ich denke, ihr könnt es nehmen", antwortete ein Twitterer, der das Bild verbreitet hatte, auf eine Nutzungsanfrage der "Volksstimme". Die "Volksstimme" verzichtete. ZDF und ARD nutzten das Bild.

Am Freitag reagierte auch die ARD.

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