Alle Panorama-Artikel vom 23. Mai 2015

Wien

Nein. Aus einer durchaus passablen europäischen Musikveranstaltung mit gelegentlich erträglichen Gesangseinlagen ist eine musikalisch unterirdische Trullala-Show geworden, die krampfhaft versucht, die Vereinten Nationen in den Kategorien Friedensbotschafter und "Political Correctness" zu übertrumpfen. Krieg ist schlimm. Toleranz ist gut. Das wussten wir auch schon vor den ESC-Halbfinalshows. Man fragt sich, warum nicht auch ein syrisches Mädchen in zerrissener Kleidung und mit nassem Haar gegen die EU-Flüchtlingspolitik ansingt? "Pray for Peace" aus Russland? Geht's noch? Dazu knubbelige Comicmännchen auf der Leinwand, halbnackte Tänzer in Latex und Gesangs-Laien, nach deren Auftritt man sich auf die Eurovisions-Melodie vom Band freut. Am Ende wundert man sich noch über die abstruse Abstimmungskungelei politisch befreundeter Staaten und die Voting-Exzesse der Exilanten. Die Kürzel ESC sind schon richtig gesetzt. ESC wie Escape. Flucht. Wenn meine Frau heute zur Live-Party einlädt, gehe ich in die Kneipe gegenüber. Dort läuft immer Fußball. Notfalls gucke ich auch ein Testspiel aus der niederländischen Liga. mehr