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Dortmund
Auf Kunstpfaden entlang der Emscher

Dortmund. Rund 50 Kilometer von Herne bis Holzwickede erstreckt sich die Route der Emscherkunst. Auf der Strecke lässt sich sowohl Natur als auch zeitgenössische Kunst erleben. Besucher können an mehreren Stellen Fahrräder ausleihen. Von Jörg Isringhaus

Zelten an der Emscher? Da stinkt's doch, lautete noch vor einigen Jahren die Antwort. "Kloake des Ruhrgebiets" hieß die Emscher im Volksmund, war mehr Abwasser als Fluss. Seit einigen Jahren wird der Nebenfluss des Rheins aufwendig renaturiert. Um ein wenig Aufmerksamkeit auf diesen Prozess zu lenken, wird er von Kunst flankiert - zum dritten Mal seit 2010 zeigen mehr als 25 zeitgenössische Künstler ihre Werke entlang des Gewässers. Wie der Chinese Ai Weiwei, in dessen Zelten am Besucherzentrum Emscherquellhof in Holzwickede man tatsächlich übernachten kann. Ganz ohne störende Gerüche sogar.

Am besten lässt sich die mehr als 50 Kilometer lange Strecke zwischen Holzwickede, Dortmund, Castrop-Rauxel, Recklinghausen und Herne aber mit dem Rad erkunden. Ein Einstieg ist entlang der Route jederzeit möglich. Sie wurde in Abstimmung mit dem ADFC Dortmund entwickelt und folgt dem örtlichen Radwegesystem, ist aber sicherheitshalber mit orangefarbenen Richtungspfeilen und dem Logo der Emscherkunst gekennzeichnet. Zwei Tage veranschlagen die Veranstalter für die Tour. Tatsächlich sollte man ein wenig Zeit einplanen, um die Kunst nicht achtlos links liegen zu lassen.

Denn es gibt viel zu entdecken. Etwa den original venezianischen Kiosk von Benjamin Bergmann am Phoenix-See in Dortmund, entsprechende Billig-Souvenirs inklusive. Oder die Cloud Machine von Reiner Maria Matysik am selben Ort, die aus dem Wasser des Sees wolkenbildenden Dampf erzeugt. Und die Gesellschaft der Amateur-Ornithologen von Mark Dion in Dortmund-Mengede, eine begehbare Forschungsstation, die von außen wirkt wie ein gestrandetes Raumlabor und innen so plüschig-retro eingerichtet ist wie die "Nautilus" von Kapitän Nemo. Einige Werke wie die Zelte von Ai Weiwei oder die Skulptur "Warten auf den Fluss" der Künstlergruppe Observatorium stammen noch aus dem Jahr 2013, 15 sind neu hinzugekommen. Immer geht es darum, wie die Landschaft sich wandelt - erst zerstört von der Industrie, dann wieder in den alten Zustand zurückgeführt.

Das macht auch den speziellen Reiz der Emscherkunst-Route aus. Die Kunst ist in die Natur eingebettet und bezieht sich auf sie, so dass eine spannende Wechselwirkung entsteht - und die Fahrradtour fast zum Gesamtkunstwerk wird.

Info Die Emscherkunst geht noch bis 18. September, Di-So 10 bis 18 Uhr, Eintritt frei; es besteht die Möglichkeit, Fahrräder an einem der vier Besucherzentren auszuleihen (Reservierung 0208 / 8 48 57 20; www.revierrad.de); Touren und Führungen: 0231 39 56 29 70; Internet: www.emscherkunst.de

Quelle: RP
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