Haftbefehl gegen Mutter: 13-Jähriger auf der Flucht vor Chemotherapie
zuletzt aktualisiert: 21.05.2009 - 13:00Washington (RPO). Wohl aus religiösen Gründen ist im US-Bundesstaat Minnesota ein krebskranker 13-jähriger Junge zusammen mit seiner Mutter auf der Flucht vor einer Chemotherapie. Am Mittwoch wurde ein Haftbefehl gegen die Mutter erlassen, nachdem die beiden nicht wie angeordnet zu einem Gerichtstermin erschienen. Zugleich verfügte Richter Rodenberg, dass der Junge von einem Krebsspezialisten untersucht und in einer Pflegefamilie untergebracht wird, sobald er gefunden wird.
Der Vater des Jungen hatte zu Protokoll gegeben, dass er zuletzt am Montagnachmittag mit seiner Frau gesprochen hatte. Sie habe ihm mitgeteilt, dass sie fortgehe und dass dies "alles ist, was du wissen musst", berichtete der Farmer.
Bei dem kranken Jungen war im Januar das Hodgkin-Syndrom diagnostiziert worden. Der 13-Jährige hatte nur eine erste Chemo- und Strahlentherapie-Serie erhalten, bevor seine Eltern die Behandlung abbrachen und auf alternative Heilmethoden mit Kräutern und Vitaminen umschwenkten. Der behandelnde Arzt hatte die Behörden alarmiert, nachdem der Teenager nicht zur Folgebehandlung erschien. Die Mutter fürchtet nach eigenen Angaben eine tödliche Vergiftung ihres Sohns durch die Chemotherapie, diese verstoße zudem gegen die religiösen Überzeugungen der Familie.
Nach Angaben der Ärzte des Jungen wird dieser ohne weitere Behandlung wahrscheinlich binnen der kommenden fünf Jahre sterben - Chemo- und Strahlentherapie könnten seine Überlebenschancen dagegen auf 80 bis 95 Prozent erhöhen. Eine gerichtlich angeordnete Röntgen-Untersuchung zeigte am Montag, dass erste Therapie-Erfolge wegen der fehlenden Folgebehandlung zwischenzeitlich wieder zunichte gemacht wurden. Ein medizinischer Bericht konstatiert zudem, dass sich das Befinden des Jungen in der vergangenen Woche deutlich verschlechtert hat.
Ende der 90er Jahre hatte in Europa das dramatische Tauziehen um die Behandlung der krebskranken Olivia für Schlagzeilen gesorgt: Die Eltern der kleinen Österreicherin hatten auf Anraten eines selbsternannten deutschen Wunderheilers die Krebsbehandlung ihrer Tochter verweigert und reisten zwischenzeitlich nach Spanien, um eine Operation und anschließende Chemotherapie zu verhindern. Nach Vermittlung des damaligen österreichischen Bundespräsidenten Thomas Klestil kehrte die Familie nach Österreich zurück, wo Olivia erfolgreich mit einer Chemotherapie behandelt wurde.
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