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Flüchtlingsdrama
13 Flüchtlingskinder ertrinken in der Ägäis

So werben Schleuser für eine Überfahrt nach Europa
So werben Schleuser für eine Überfahrt nach Europa FOTO: RP
Athen . Die Zahl der tödlichen Bootsunglücke im Mittelmeer reißt nicht ab. In der Ägäis sind in der Nacht zum Freitag 22 Flüchtlinge ums Leben gekommen - darunter 13 Kinder.

Dies teilten die griechischen Behörden am Morgen mit. Es sind die jüngsten einer Serie von Unglücken auf zunehmend stürmischer See bei der Überfahrt von der Türkei ins EU-Land Griechenland. Nach griechischen Regierungsangaben fanden 19 Menschen in der Nähe der Insel Kalymnos den Tod, als ihr Holzboot am Donnerstag kurz vor Mitternacht bei mäßigem Wind sank. 138 Menschen wurden gerettet. Es handelt sich nach Darstellung der Behörden um einen der schlimmsten Unfälle in griechischen Gewässern seit Beginn der Flüchtlingswelle. Vier Patrouillenschiffe der Küstenwache, ein Helikopter und drei Fischerboote halfen bei der Rettungsaktion.

Bei einem weiteren Unglück in der Nähe von Rhodos starben mindestens drei Flüchtlinge, sechs Schiffbrüchige wurden dort gerettet. Drei weitere Menschen galten am Freitagmorgen als vermisst. Unter den Opfern der Unglücke vor den griechischen Inseln seien 13 Kinder gewesen, teilte die griechische Hafenpolizei mit.

Tsipras schämt sich

Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras hat sich bestürzt über die Flüchtlingstragödien in der Ägäis geäußert.
Zugleich appellierte er an andere europäische Spitzenpolitiker, die Streitigkeiten über den Umgang mit Migranten zu beenden. "Als Mitglied der Führung Europas schäme ich mich", sagte Tsipras am Freitag. Das eine Land schiebt das Problem dem anderen zu. "Die Wellen spülen nicht nur (tote) Migranten, sondern auch die europäische Kultur an Land", sagte Tsipras.

Der Regierungschef versicherte, Griechenland werde 50.000 Migranten in Aufnahmelager und in Wohnungen aufnehmen. Er schlug aber vor, dass die sogenannten Hotspots (Registrierzentren) der EU in der Türkei und Ländern wie dem Libanon, wo es Flüchtlingslager gibt, in Betrieb genommen werden. Damit würden die Flüchtlinge nicht gezwungen, die gefährliche Überfahrt aus der Türkei zu den griechischen Inseln zu unternehmen. 

Erst am Mittwoch war ein Holzboot mit fast 300 Menschen vor Lesbos untergegangen. Die Zahl der Toten stieg bis Freitag auf 16, eine Person galt noch als vermisst. 274 Menschen wurden gerettet. Lesbos liegt nur wenige Kilometer von der türkischen Küste entfernt und hat dieses Jahr bereits mehr als 300.000 Flüchtlinge in Empfang genommen.
Allein im Oktober kamen mehr als 100.000.

Viele Flüchtlinge stammen aus Krisenländern wie Syrien und dem Irak. Sie nehmen trotz der immer schwierigeren Bedingungen die riskante Überfahrt auf sich, um in die Europäische Union zu gelangen.

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(felt/AFP/ap)
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