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Haiti Erdbeben Panorama
  Foto: AP, AP
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Obwohl Haiti die Suche einstellt: 23-Jähriger unter den Trümmern gefunden

zuletzt aktualisiert: 23.01.2010 - 21:54

Port-au-Prince (RPO). Elf Tage nach dem Erdbeben auf Haiti ist noch ein Überlebender in den Trümmern gefunden worden. Der 23-Jährige sei in stabilem Zustand, man versorge ihn durch einen Tunnel mit Wasser, sagte ein Sprecher der französischen Zivilschutzes, der bei der laufenden Bergungsaktion im Einsatz war.

Gerettet: Elf Tage nach dem Erdbeben wurde ein 23-Jähriger aus den Trümmern gerettet.  Foto: AP, AP
Gerettet: Elf Tage nach dem Erdbeben wurde ein 23-Jähriger aus den Trümmern gerettet. Foto: AP, AP

Der junge Mann liege unter einem zusammengestürzten Lebensmittelgeschäft in der Hauptstadt Port-au-Prince. Zuvor am Samstag hatte die Regierung die Suche nach Überlebenden offiziell für beendet erklärt. Mehrere Rettungsteams setzten ihre Arbeit dennoch fort.

Erst am Freitag waren noch zwei Menschen lebend aus den Trümmern geborgen worden. Seit Samstag steht nun aber nicht mehr die Rettung verschütteter Erdbebenopfer, sondern die Versorgung der notleidenden Überlebenden im Vordergrund des internationalen Hilfseinsatzes. Die Suche nach Überlebenden unter den Trümmern wurde eingestellt.

Elf Tage nach der Naturkatastrophe erklärte die Regierung in Port-au-Prince die Suche nach Überlebenden offiziell für beendet, wie die Vereinten Nationen am Samstag mitteilten. Leider gebe es mittlerweile praktisch keine Hoffnung mehr, Verschüttete zu retten, "abgesehen von Wundern", sagte Uno-Sprecherin Elisabeth Byrs. Selbstverständlich könnten die Einsatzkräfte aber weiter das tun, was sie für notwendig hielten. "Falls es das geringste Lebenszeichen gibt, werden sie handeln."

Info

111.481 Tote

Anderthalb Wochen nach dem Erdbeben auf Haiti sind nach Regierungsangaben 111.481 Tote identifiziert. Diese Zahl wird aber noch steigen, da viele Bebenopfer von ihren Angehörigen beigesetzt wurden und noch nicht offiziell registriert sind, teilten die Vereinten Nationen am Samstag mit. Die Suche nach Überlebenden wurde unterdessen für beendet erklärt.

Seit dem Beben am 12. Januar wurden 132 Menschen von internationalen Bergungs- und Rettungsteams lebend aus den Trümmern geborgen, die letzten beiden am Freitag. 67 Bergungsteams waren in und um die Hauptstadt im Einsatz.

Noch am Freitag waren in der Hauptstadt Port-au-Prince zwei Verletzte aus den Trümmern geborgen worden: eine 84-jährige Frau und ein 21-jähriger Student. Der junge Mann erzählte, dass er zehn Tage lang weder Wasser noch Essen hatte. Als er den Durst nicht mehr aushalten konnte, trank er seinen Urin. Insgesamt 132 Menschen wurden nach dem verheerenden Beben vom 12. Januar von internationalen Rettungsteams lebend geborgen, wie das UN-Büro für die Nothilfekoordination (OCHA) am Samstag mitteilte.

Deutschland stock Hilfe auf

Die Bundesregierung stockt ihre Hilfe für Haiti weiter auf. Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) sagte der "Welt am Sonntag", sein Haus stelle weitere fünf Millionen Euro bereit, um den Obdachlosen jetzt schnell eine Unterkunft zu verschaffen. Insgesamt erhöht die Bundesregierung damit ihre bilaterale Unterstützung für Haiti auf 15 Millionen Euro.

Wirtschaftlicher Schaden bei einer Milliarde Dollar

Die haitianische Handelskammer schätzt, dass sich der wirtschaftliche Schaden infolge des Bebens auf bis zu eine Milliarde Dollar belaufen könnte. Bis das bitterarme Land wiederaufgebaut ist, werden nach Ansicht von Experten Jahre oder sogar Jahrzehnte vergehen - eine Aufgabe, die nicht ohne immense internationale Unterstützung bewältigt werden kann. Der Präsident der benachbarten Dominikanischen Republik, Leonel Fernandez, schätzt, dass Haiti in den kommenden fünf Jahren zehn Milliarden Dollar benötigt.

Am Wochenende sollten die ersten Bankfilialen in der Hauptstadt wieder öffnen. Etwa ein Drittel der Tankstellen in Port-au-Prince hat inzwischen den Betrieb wieder aufgenommen. Die Wiederherstellung der Stromversorgung dürfte allerdings noch drei bis vier Monate dauern, sagte der Präsident der Handelskammer, Reginal Boulos.

Nur rund 30 Prozent der Unternehmen hätten eine Versicherung, die ihnen die Schäden ersetzt, sagte Boulos. "Viele dieser Leute haben Kredite. Einige werden sie nicht zurückzahlen können. Es könnte zu einem wirtschaftlichen Kollaps kommen."

Für zahlreiche Menschen geht es derweil immer noch ums blanke Überleben - auch für diejenigen, die keine äußeren Verletzungen davongetragen haben. Weil das Warenangebot knapp ist, schießen die Preise in die Höhe. Für einige Grundnahrungsmittel wie Reis oder Brot haben sie sich bereits verdoppelt oder gar verdreifacht - und das in einem Land, in dem schon vor dem Beben vier Fünftel der Menschen mit weniger als zwei Dollar pro Tag auskommen mussten. "Die Inflation frisst sie bei lebendigem Leibe auf", warnte Eliane Nicolini vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP).

USA und Uno legen Zusammenarbeit schriftlich fest

Die USA und die Vereinten Nationen haben inzwischen schriftlich die Form ihrer Zusammenarbeit in Haiti vereinbart. Die Übereinkunft wurde am Freitag unterzeichnet, wie die amerikanische UN-Botschafterin Susan Rice am Uno-Sitz in New York mitteilte. Demnach werden die US-Truppen die internationalen Hilfsmaßnahmen unterstützen, bleiben aber unter ihrem eigenen Kommando. Die amerikanischen Streitkräfte behalten außerdem die Zuständigkeit für den haitianischen Luftraum, die Häfen und die Straßen.

Zahlreiche internationale Topstars warben in der Nacht zum Samstag in einer Benefizgala um Spenden für die Opfer der Katastrophe. Die zweistündige Show, die von New York, London, Los Angeles und Haiti aus in alle Welt übertragen wurde, stand unter dem Motto "Hope for Haiti Now".

Über 110.000 Tote geborgen

Wie das Innenministerium in der Hauptstadt Port-au-Prince mitteilte, wurden bisher 111.481 Leichen gezählt, mehr als 193.000 Menschen wurden verletzt und über 609.000 lebten nach der Zerstörung ihrer Wohnungen und Häuser in rund 500 Feldlagern, so die Regierung weiter. Bislang waren die Behörden von 75.000 Toten und 250.000 verletzten Menschen ausgegangen.

Am Montag treffen sich Vertreter mehrerer Geberländer zu Beratungen in Montréal, um die Hilfen für den zerstörten Karibikstaat besser zu koordinieren. Zugleich wollen sie eine Geberkonferenz im März vorbereiten.

An dem Krisentreffen der "Freunde Haitis" in der kanadischen Metropole nimmt allen voran US-Außenministerin Hillary Clinton teil, die die führende Rolle der Vereinigten Staaten bei den Hilfseinsätzen weiter verfestigen dürfte. Angekündigt hat sich Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner. Zu den weiteren Teilnehmern zählen Brasilien, Argentinien, Mexiko und Spanien. Boykottiert wird die Konferenz dagegen von Venezuela, Bolivien und Nicaragua, die den USA "neokolonialistisches" Verhalten vorwerfen.

Quelle: apd/sdr

 
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