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Genitalbeschneidung: 8.000 Mädchen werden täglich verstümmelt

zuletzt aktualisiert: 06.02.2006 - 07:55

Köln (rpo). Mehr als 8.000 Mädchen werden täglich beschnitten. Eine erschreckende Zahl, die das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) am Internationalen Tag der Mädchenbeschneidung vermeldet. Obwohl seit Jahren auf die Gefahren dieses in vielen Ländern praktizierten Brauchs hingewiesen wird, hat sich die Tradition nur in einer Hinsicht gewandelt: Die Genitalverstümmelung wird immer seltener zu Hause mit der Rasierklinge durchgeführt, immer häufiger dagegen in Arztpraxen und Krankenhäusern. Die Opfer werden immer jünger.

Immer noch werden zahlreiche Mädchen verstümmelt. Sie leiden ein Leben lang an den Folgen.  Foto: RPO
Immer noch werden zahlreiche Mädchen verstümmelt. Sie leiden ein Leben lang an den Folgen. Foto: RPO

"Auch wenn ein steriles Skalpell an die Stelle von Glasscherben oder Rasierklingen tritt - die Mädchenbeschneidung bleibt eine Menschenrechtsverletzung", sagte UNICEF-Kinderschutzexpertin Kirsten Leyendecker. Statt abgeschafft werde der Brauch modernisiert "und das Recht eines jeden Kindes auf körperliche Unversehrtheit weiter verletzt".

In Ägypten würden Mediziner mittlerweile drei Viertel der weiblichen Genitalverstümmelungen vornehmen, erklärte das Kinderhilfswerk. Obwohl es verboten sei, seien dort 96 Prozent aller Mädchen und Frauen beschnitten. Der Brauch wird laut UNICEF in 28 Ländern in Afrika und im Mittleren Osten praktiziert. Einer aktuellen Studie zufolge würden Mädchen heute in manchen Ländern in jüngerem Alter beschnitten als noch vor einigen Jahren. Offenbar gingen Eltern davon aus, dass sie die verbotene Tradition so einfacher geheimhalten können und mit weniger Widerstand von den Mädchen rechnen müssen.

Die Mädchenbeschneidung hat tiefe kulturelle Wurzeln, auch wenn keine Religion sie vorschreibt. Der Eingriff reicht von der Abtrennung der Vorhaut der Klitoris bis zu deren Entfernung gemeinsam mit den Schamlippen. Die schlimmsten Folgen hat die so genannte Infibulation oder pharaonische Beschneidung: Dabei werden die großen Schamlippen beschnitten und die Vagina anschließend zugenäht.

In der Regel wird die Prozedur unter primitiven Bedingungen vorgenommen. Der Eingriff verursacht starke Schmerzen, Schockzustände und starke Blutungen. Immer wieder sterben Mädchen an den Folgen. Häufig kommt es zu Infektionen und chronischen Entzündungen. Viele beschnittene Frauen leiden ihr Leben lang an Depressionen und Angstzuständen.

Quelle: afp

 
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