Bagdad: 95 Tote bei Anschlagsserie
zuletzt aktualisiert: 19.08.2009 - 14:52Bagdad (RPO). Bei einer verheerenden Anschlagsserie in der irakischen Hauptstadt Bagdad sind am Mittwoch mindestens 95 Menschen getötet und 407 weitere verletzt worden. Laut Innen- und Verteidigungsministerium gab es zwei besonders schwere Autobombenanschläge nahe dem Finanz- und dem Außenministerium.
Die Behörden machten islamische Extremisten und Anhänger der Baath-Partei des früheren irakischen Machthabers Saddam Hussein verantwortlich.
Der schwerste Anschlag ereignete sich gegenüber dem Außenministerium im Stadtzentrum. Die Explosion eines mit Sprengstoff präparierten Lastwagens riss dort mindestens 47 Menschen in den Tod, 195 weitere wurden verletzt. Ein AFP-Reporter sah am Anschlagsort einen Krater von rund drei Metern Tiefe und rund zehn Metern Durchmesser, der durch die Wucht der Explosion entstanden war.
Verkohlte Leichen
Die gesamte Fassade des Außenamts wurde beschädigt, eine Mauer zerstört. Verkohlte Leichen lagen verstreut am Boden oder waren in ausgebrannten Autowracks zu sehen. Im Umkreis von 300 Metern wurden Autos zerstört und gingen Fensterscheiben zu Bruch. Rettungskräfte bargen Verletzte aus dem Außenamtsgebäude, das nahe der streng bewachten "grünen Zone" in Bagdad liegt, in der sich mehrere Ministerien und ausländische Botschaften befinden.
"Die Regierung hat uns gesagt, es herrscht wieder Sicherheit, aber wo?", sagte ein Augenzeuge. "Der Anschlag wurde vor dem Außenministerium, mitten in Bagdad, verübt." Ein 46-jähriger Bewohner des benachbarten Hauses erzählte schockiert, er sei mit seiner Familie zuhause gewesen, als durch die Detonation die Wohnungsdecke eingestürzt sei.
Mitarbeiter des Finanzministeriums betroffen
Ein zweiter Sprengsatz explodierte laut Polizei in einem Lastwagen unter einer Brücke nahe dem Finanzministerium im Stadtviertel Wasirija. Demnach wurden die Brücke auf einer Länge von etwa 30 Metern und Teile des Ministeriums zerstört. Mindestens 28 Menschen seien dabei getötet und etwa 95 weitere verletzt worden. Unter den Opfern seien zahlreiche Mitarbeiter des Ministeriums.
Es waren die folgenschwersten Anschläge in Bagdad seit dem 24. Juni, als 62 Menschen bei einem Anschlag im schiitischen Armenviertel Sadr City starben. Auch im westlichen Stadtteil Baja explodierte am Mittwoch eine Autobombe. Dabei gab es zwei Tote und fünf Verletzte. Außerdem schlugen nach Angaben aus Sicherheitskreisen zwei Granaten in der "grünen Zone" und eine weitere außerhalb dieses Sektors ein. Der französische Außenminister Bernard Kouchner verurteilte in Paris die "mörderischen Angriffe" auf das Schärfste.
Auf den Tag genau vor sechs Jahren, am 19. August 2003, wurde das UN-Hauptquartier in Bagdad durch eine Autobombe zerstört. Damals starben bei dem Angriff auf das Canal Hotel in Bagdad 22 Menschen, unter ihnen der UN-Sondergesandte Sergio Vieira de Mello. Am Mittwoch begingen die UN den ersten Welttag der humanitären Hilfe, um an die oft lebensbedrohlichen Risiken für Helfer in Krisen- und Katastrophengebieten zu erinnern.
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