Kinderhilfswerk warnt: Adoption von Waisen rettet Kinder nicht
zuletzt aktualisiert: 06.01.2005 - 20:40Frankfurt/Main (rpo). Europäer können Flut-Waise durch Adoption nicht in Sicherheit bringen. Das Kinderhilfswerk terre des hommes rät eindringlich von Adoptionen ab, weil die Jungen und Mädchen so ihre kleinen Freunde, andere Verwandte und ihre kulturellen Wurzeln verlören. Groß schätzt es die Gefahr ein, dass Kriminelle die Lage in den Katastrophengebieten ausnutzen.
"Es mag gut gemeint sein, Kinder durch eine Adoption in Sicherheit zu bringen", sagte terre-des-hommes-Referentin Maria Holz am Donnerstag in Osnabrück. Es müsse aber sichergestellt werden, dass es zur Adoption ins Ausland keine sinnvolle Alternative gebe.
So sei zu prüfen, ob Vollwaisen etwa bei Verwandten leben könnten. Diese intensive Untersuchung des persönlichen Hintergrundes sei aber im Krisengebiet derzeit kaum möglich. Ohne sorgfältige Einzelfallprüfung solle keine Adoption aus der betroffenen Region ins Ausland vermittelt werden, fügte Holz hinzu.
Kriminelle nutzen Lage aus
Terre des hommes rechnet auch mit einer Zunahme des Kinderhandels. "Es ist zu befürchten, dass Kriminelle die unübersichtliche Situation nutzen, um ihre Aktivitäten zu verstärken", sagte der Geschäftsführer der Organisation, Peter Mucke, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Es gebe bereits erste Anzeichen hierfür. Das Hilfswerk bringe die Kinder auch deshalb möglichst schnell in Schutzzentren unter und kümmere sich um ihre Versorgung.
Ähnlich äußerte sich die Kindernothilfe. So könnten sich Personen als Angehörige der Kinder ausgeben und diese dann mitnehmen. "Es ist zu befürchten, dass diese Kinder nicht in ihren Familien landen, sondern gegen Geld an Adoptiveltern im Ausland verkauft oder sogar sexuell missbraucht werden", teilte die Organisation in Duisburg mit.
Die Union rief die Bundesregierung dazu auf, einen Teil ihrer Soforthilfe für den Schutz von Kindern zu verwenden. Rot-Grün sei in der Pflicht, die 500 Millionen Euro Fluthilfe effizient einzusetzen, erklärte der entwicklungspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Christian Ruck.
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