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Ägäis
Wieder stirbt ein Flüchtlingskind auf dem Mittelmeer

Flüchtlings-Hotspots auf griechischen Inseln fertig
Athen . Schon wieder ist bei der Flucht über das Mittelmeer ein kleines Kind ums Leben gekommen. Der Leichnam des Vierjährigen sei in einem Flüchtlingsboot entdeckt worden, teilte die griechische Hafenpolizei auf der Ägäisinsel Chios am Mittwoch mit.

Die Todesursache werde mit Hilfe einer Autopsie untersucht. Nach Angaben von Nichtregierungsorganisationen handelt es sich bei dem toten Jungen auf Chios um einen Afghanen. Er sei während der Überfahrt mit seiner Familie gestorben. Das Boot war von der türkischen Küste aus in See gestochen. Binnen 24 Stunden seien rund 600 Flüchtlinge auf Chios angekommen, teilten die Nichtregierungsorganisationen mit.

Erst am Dienstag hatten die griechischen Behörden auf Chios einen sogenannten Hotspot zur Registrierung von Flüchtlingen eingeweiht. Auch auf den Inseln Lesbos, Leros und Samos wurden solche Registrierungzentren eröffnet, in denen geprüft wird, ob Flüchtlinge als Asylbewerber aufgenommen werden.

In Lesbos gingen nach Angaben der Küstenwache seit Dienstag fast 1100 Menschen an Land. Zuvor hatten griechische Behörden mitgeteilt, der Zuzug sei von etwa 2500 Ankömmlingen im Tagesdurchschnitt auf 200 zurückgegangen.

Angesichts der vielen ertrunkenen Flüchtlinge erhält der einzige Gerichtsmediziner auf Lesbos Verstärkung. Das Justizministerium gab die Gründung eines gerichtsmedizinischen Diensts auf der Insel bekannt. Dieser soll vor allem genetisches Material bei nicht identifizierten Leichen isolieren. Seit dem vergangenen Sommer kümmert sich auf Lesbos und anderen Inseln der Arzt Theodoros Noussias darum.

Im Herbst erhielt Lesbos einen neuen Friedhof für Flüchtlinge, deren Identität nicht geklärt werden konnte, oder die von ihren Angehörigen mangels finanzieller Mittel zurückgelassen wurden. Die Verwaltung des Hauptfriedhofs in der Inselhauptstadt Mytilini war zuletzt angesichts der vielen Leichen überfordert.

Noch immer begeben sich jede Woche tausende Menschen auf die gefährliche Überfahrt in Richtung Europäische Union. Laut dem UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) gelangten seit Jahresbeginn 68.000 Menschen über die Türkei nach Griechenland. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) registrierte auf diesem Abschnitt im selben Zeitraum 320 tote Flüchtlinge. Das ist etwa die Hälfte der im gesamten Jahr 2015 in der Ägäis ums Leben gekommenen Flüchtlinge.

(felt/AFP)
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