Wegen Krebsgefahr nach Atomkatastrophe: Ärzte: Arbeiter sollen Stammzellen aufbewahren
zuletzt aktualisiert: 15.04.2011 - 11:45Tokio (RPO). Japanische Ärzte haben dazu aufgerufen, an die Gesundheit der Arbeiter im Atomkraftwerk Fukushima zu denken und ihnen Stammzellen für eine mögliche Krebsbehandlung zu entnehmen. Unterdessen wurde bekannt, dass der AKW-Betreiber Tepco den evakuierten Einwohnern von Fukushima eine Entschädigung zahlen muss.
Es werde Jahre dauern, die bei dem verheerenden Erdbeben vor einem Monat beschädigten Atomreaktoren stillzulegen, erklärten fünf Ärzte von verschiedenen japanischen Kliniken in einem am Freitag veröffentlichten Beitrag im britischen Medizinerblatt "The Lancet".
"Die Gefahr, dass sie versehentlich radioaktiver Strahlung ausgesetzt sind, wird sich für die Atomarbeiter folglich erhöhen." Deshalb sollten sogenannte periphere Stammzellen (PBSC) aus ihrem Blut entnommen und aufbewahrt werden, mahnten die Krebsspezialisten.
Sollten die Arbeiter an Krebs erkranken, könnten ihnen nach der Behandlung ihre eigenen Stammzellen eingesetzt werden, damit wieder neue Zellen entstehen, erklärten die Mediziner um Tetsuya Tanimoto von der Japanischen Stiftung für Krebsforschung in Tokio. Bislang lasse die japanische Atombranche diese Möglichkeit ungenutzt, weil sie fürchte, dass es ihrem Ansehen schaden könne, kritisierten die Ärzte. "Der wichtigste Auftrag besteht darin, das Leben der Atomarbeiter zu retten und die örtlichen Gemeinschaften zu schützen."
Rund 9000 Euro pro Familie
Der japanische Betreiber des havarierten Atomkraftwerks Fukushima-Daiichi muss den evakuierten Bewohnern Entschädigung zahlen. Das teilte das japanische Handelsministerium am Freitag mit. Die Summe beträgt für Familien je eine Million Yen (rund 9000 Euro), Alleinstehenden je 750.000 Yen.
Seit dem Erdbeben und Tsunami Mitte März tritt Radioaktivität aus dem Atomkraftwerk aus. Wegen der Strahlung mussten tausende Menschen ihre Häuser verlassen. Wann oder ob sie jemals wieder nach Hause zurückkehren dürfen, ist unklar. Viele Landwirte und Fischer in der Region fürchten um ihre Existenz. Die Regierung richtete wegen der Strahlung eine Evakuierungszone von 30 Kilometern um das Atomkraftwerk ein.
Ministeriumssprecher Hiroaki Wada sagte, Tepco werde die Entschädigungszahlungen sobald wie möglich leisten, wies aber darauf hin, dass es allein 150 Evakuierungszentren gebe. "Es wird einige Zeit dauern, bis jeder sein Geld bekommt", erklärte auch Handelsminister Banri Kaieda bei einer Pressekonferenz. Die Regierung wolle aber, dass Tepco seinen Verpflichtungen möglichst rasch nachkomme, um die Betroffenen zu unterstützen.
Weitere Entschädigungszahlungen möglich
Es handele sich um eine vorläufige Maßnahme, betonte Wada. Mit weiteren Entschädigungszahlungen sei zu rechnen. Rund 48.000 Haushalte in der Evakuierungszone um das Atomkraftwerk haben Anspruch auf Entschädigung.
Die japanische Regierung hatte den Atomunfall von Fukushima Anfang der Woche offiziell in dieselbe Kategorie eingestuft wie das Reaktorunglück in Tschernobyl 1986. Allerdings ist in Fukushima bislang nur ein Zehntel der in Tschernobyl ausgetretenen Strahlung freigesetzt worden. Derzeit ringen die Arbeiter in Fukushima damit, die Reaktoren zu stabilisieren, deren Kühlsysteme durch den Tsunami am 11. März beschädigt wurden.
Die japanische Atomsicherheitsbehörde räumte am Donnerstag eine weitere Panne bei der Kühlung der Brennstäbe im AKW 1 ein. Versehentlich sei Wasser in ein Überlaufbecken eines Abklingbeckens geflossen, weswegen die Instrumente angezeigt hätten, dass das Hauptbecken voll sei.
Fast 140.000 Menschen in Notunterkünften
Daraufhin sei die Zufuhr frischen Wassers für mehrere Tage eingestellt worden. Erst am Mittwoch sei sie wieder aufgenommen worden. Die Temperatur und die Strahlungswerte in dem Becken seien während der Pause gestiegen, man gehe aber davon aus, dass die Brennstäbe die gesamte Zeit über mit Wasser bedeckt gewesen seien.
Bislang wurden die Leichen von 13.000 Menschen entdeckt, die bei der schweren Naturkatastrophe im Nordosten des Landes ums Leben kamen. Tatsächlich dürfte die Zahl der Todesopfer jedoch doppelt so hoch sein. Viele Opfer wurden vermutlich ins März hinaus gespült. Fast 140.000 Menschen leben in Notunterkünften, nachdem sie ihre Häuser verloren haben oder zum Verlassen der Evakuierungszone aufgefordert wurden.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum