Papst Benedikt XVI.: Afrikanische Nöte
VON LOTHAR SCHRÖDER - zuletzt aktualisiert: 17.03.2009 - 20:44Aunde/Düsseldorf (RP). Benedikt XVI. ist in Kamerun eingetroffen. Die Reise des Pontifex ist von politischen Fragen bestimmt - es geht nicht nur um Aids, sondern auch um die grassierende Korruption auf dem Kontinent.
Benedikt XVI. in Afrika: Das sind farbenfrohe Bilder unter blauem Himmel, Bilder von fröhlichen Menschen und einem immer leicht erstaunt wirkenden Papst. Solche Abbildungen sind Folklore, weil sie die wahren Probleme des Schwarzen Kontinents und das Dilemma der katholischen Kirche übertünchen.
Konkret: Wie lässt sich die Sexualmoral der Kirche in Einklang bringen mit der seelsorgerischen Hilfe für jene Menschen, die von Aids bedroht sind? Papst Benedikt XVI. hat zu Beginn seiner Reise die Deutungshoheit in dieser Frage übernommen: "Man kann das Aids-Problem nicht durch die Verteilung von Kondomen regeln. Ihre Benutzung verschlimmert vielmehr das Problem", sagte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche und stellte sich so in den theologischen Kontext der 40 Jahre alten Enzyklika "Humanae vitae".
In ihr wird den Gläubigen der Gebrauch "künstlicher, empfängnisverhütender Mittel" untersagt. Das Rundschreiben von Papst Paul VI., das vom Volksmund alsbald den Namen "Pillen-Enzyklika" bekam, war schon damals viel diskutiert. Selbst die Deutsche Bischofskonferenz unter Vorsitz von Julius Kardinal Döpfner äußerte Vorbehalte und stellte in der "Königsteiner Erklärung" von 1968 in Frage, ob die Aussagen der Enzyklika theologisch zwingend seien. Zumal eine Enzyklika keinen Anspruch auf Unfehlbarkeit hat.
Die Aussage Benedikts zur Empfängnisverhütung leitet den Besuch eines Kontinents ein, auf dem 22 Millionen Menschen mit HIV infiziert sind. Mancherorts sterben ganze Generationen an Aids. Gerade vor diesem Hintergrund hat das UN-Kinderhilfswerk Unicef mit reichlich Unverständnis auf die päpstlichen Worte reagiert. "Erwachsene und Jugendliche müssen über die Ansteckungswege Bescheid wissen und darüber, wie man sich vor Aids schützen kann", sagte die Unicef-Geschäftsführerin Regine Stachelhaus dem "Kölner Stadt-Anzeiger".
So ist das Kondom Teil der weltweiten Aufklärungskampagne, die nach dem so genannten ABC-Prinzip funktioniere: A für Abstinenz, B für "Bleib treu" und C für die Benutzung von Kondomen. Der Pontifex hingegen sieht eine Lösung eher in einem "spirituellen und menschlichen Erwachen".
Wie schwer sich die Kirche mit einer halbwegs offenen Debatte in dieser für Afrika zukunftsentscheidenden Frage tut, wurde 2007 deutlich. Damals verbot die Abteilung Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz dem Priester Stefan Hippler eine Lesereise bei uns. Hippler, der in Kapstadt die Hilfsorganisation "Hope Cape Town" gegründet hat, ist Autor des Buches "Gott, Aids, Afrika".
Aber nicht allein das Aids-Thema wird die Reise des 81-jährigen Papstes zu einer Visite auch politischer Fragen machen. Sowohl in Kamerun als auch in Angola warten neben Bischöfen auch Frauenrechtsorganisationen auf ihn - und Politiker, die einer korrupten, große Teile der Bevölkerung ausbeutenden Elite angehören.
Und dann ist da der schwierige Dialog mit Muslimen. Kamerun und Angola seien keine einfachen Länder, ließ der Benediktiner Notker Wolf verlauten. Aber: Afrika ist auch die Zukunft der katholischen Kirche. In nur 15 Jahren wird jeder sechste Katholik dieser Welt dort leben - das sind dann etwa 230 Millionen Gläubige. Von Afrika werden darum auch stärker Impulse für die Weltkirche zu erwarten sein.
Von einem Kontinent, der mit Korruption, Menschenrechtsverletzungen und Aids zu kämpfen hat. Dies ist ein Reservoir, aus dem kirchliches Engagement und Verantwortung erwachsen. Auch wenn manche es lieber folkloristisch haben wollen: Kameruns Präsident Paul Biya ließ jetzt Hunderte Verkaufsstände armer Händler beseitigen. Die Hauptstadt soll für den Papst "sauber" sein.
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