Streit um Uran-Anreicherung: Ahmadinedschad macht Zugeständnisse
zuletzt aktualisiert: 03.02.2010 - 07:59Teheran (RPO). Ist es ein Ablenkungsmanöver? Oder tatsächlich ein Schritt auf den Westen zu? Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärte, seine Regierung sei bereit, das iranische Uran wie von den Vereinten Nationen gefordert im Ausland anreichern zu lassen.
Sein Land habe keine Probleme damit, das schwach angereicherte Uran in den Westen zu schicken und es einige Monate später auf 20 Prozent angereichert wieder zurückzubekommen, sagte Ahmadinedschad am Dienstag in einem Interview mit dem staatlichen iranischen Fernsehen. Wie weit die Konzessionen des Irans tatsächlich gehen, ist vorerst noch unklar. Die USA reagierten zurückhaltend.
Die Ankündigung aus Teheran wäre eine wichtige Änderung in der Haltung des Irans im Atomstreit. Vor allem der Westen fordert, dass der Iran auf eine eigene Urananreicherung verzichtet. Das eigentliche Ziel des iranischen Atomprogramms könne der Besitz einer Atomwaffe sein, heißt es. Der Iran hat diese Vorwürfe stets zurückgewiesen und die friedliche Natur seines Atomprogramms betont.
Unklarheit über Zugeständnisse
Über die genaue Art und den Umfang der iranischen Zugeständnisse herrschte zunächst Unklarheit. So ist der von Ahmadinedschad genannte Zeitraum von vier bis fünf Monaten relativ kurz bemessen. Der westliche Vorschlag sah vor, das angereicherte Uran nach etwa einem Jahr in Form von Brennstäben zurückzuschicken, die zwar in Kraftwerken, aber nicht für Atombomben genutzt werden könnten. Auch sagte Ahmadinedschad nichts dazu, ob der Iran sein gesamtes angereichertes Uran auf einmal außer Landes bringen will, so wie dies international gefordert wurde.
Das Weiße Haus reagierte zurückhaltend. Die USA hätten dem Iran in der Atomfrage ein faires und ausgewogenes Angebot gemacht, erklärte Sprecher Mike Hammer. "Wenn die Äußerungen von Herrn Ahmadinedschad eine aktualisierte iranische Position zum Ausdruck bringen, erwarten wir, dass der Iran die (internationale Atomenergiebehörde) IAEA informiert", sagte der Sprecher weiter. Die Außenministerien von Deutschland, Frankreich und Großbritannien wollten zunächst keine Stellung zu der Entwicklung in Teheran nehmen.
Gefangenenaustausch vorgeschlagen
Ahmadinedschad schlug den USA außerdem einen Häftlingsaustausch vor. Im Austausch gegen drei im Iran inhaftierte US-Wanderer sollten in den USA Iraner freigelassen werden, die dort im Gefängnis säßen, sagte Ahmadinedschad am Dienstag im iranischen Fernsehen. Dazu liefen schon entsprechende Gespräche. Die drei US-Amerikaner Shane Bauer, Sarah Shourd und Josh Fattal waren nach Angaben ihrer Familien im Juli im Norden des Iraks in den kurdischen Bergen unterwegs, als sie versehentlich auf iranisches Gebiet gerieten und dort festgenommen wurden. Die iranischen Behörden hatten erklärt, sie wollten die drei wegen Spionage vor Gericht stellen.
Die US-Regierung reagierte verhalten positiv. Sollten Ahmadinedschads Äußerungen signalisieren, dass der Iran zur Lösung dieser Fälle bereit seien, "würden wir diesen Schritt begrüßen", sagte Hammer. "Wir sind bislang aber noch in keine Diskussion mit dem Iran über einen Austausch getreten."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum