Gesunkene Bohrinsel im Golf von Mexiko: Alarm war offenbar seit Monaten deaktiviert
zuletzt aktualisiert: 23.07.2010 - 21:22New Orleans (RPO). Auf der im Golf von Mexiko nach einer Explosion versunkenen Bohrinsel "Deepwater Horizon" wurde offenbar schon Monate vor dem Unglück ein wichtiger Alarm deaktiviert. Derzeit werden die Arbeiten unterbrochen, weil sich ein Tropensturm dem Gebiet nähert.
Bei einer Anhörung in New Orleans zur Klärung der Unglücksursache am Freitag sagte der leitende Elektrotechniker der Bohrinsel, Mike Williams, Manager auf der Plattform hätten die Alarmsignale ausschalten lassen, damit die Arbeiter nicht "um drei Uhr morgens" durch einen Fehlalarm geweckt würden.
Die vom britischen Erdölkonzern BP betriebene Bohrinsel war im April nach einer Explosion gesunken und hatte die größte Ölkatastrophe in der Geschichte der USA ausgelöst. Bei der Explosion kamen elf Arbeiter ums Leben. Die Sensoren des Alarms, der vor Feuer oder einer hohen Konzentration giftiger oder explosiver Gase warnt, hätten zwar funktioniert, die Alarmsignale seien aber blockiert worden, sagte der Techniker. Er habe dies vor einem Jahr zum ersten Mal bemerkt.
"Ungünstige Wetterbedingungen"
Tropensturm "Bonnie" hat die Arbeiten im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko erneut zurückgeworfen. Der britische Ölkonzern BP bestätigte am Freitag, dass wegen "ungünstiger Wetterbedingungen" die Arbeiten am lecken Bohrloch im Golf von Mexiko vorübergehend unterbrochen werden mussten. Durch die Evakuierung von Schiffen und Gerät könnte sich die endgültige Verschließung des Bohrlochs nun weiter verzögern.
Die US-Behörden ordneten am Donnerstag (Ortszeit) an, einen großen Teil der Schiffe und des Geräts sowie die Plattform für die Entlastungsbohrung zur endgültigen Verschließung des Lecks in Sicherheit zu bringen. "Wegen des Risikos durch den Tropensturm 'Bonnie' für die Sicherheit der fast 2000 Menschen, die an der Bohrstelle gegen die BP-Ölpest kämpfen, werden sich viele der Schiffe von heute Nacht an darauf vorbereiten, dem Unheil aus dem Weg zu gehen", sagte der für die Bekämpfung der Katastrophe zuständige US-Admiral Thad Allen.
BP bestätigte am Freitag den Stopp der Arbeiten: In Absprache mit den US-Behörden würden die Arbeiten am Bohrloch "aufgrund der ungünstigen Wetterbedingungen" vorrübergehend unterbrochen, teilte der Ölkonzern in London mit. Das US-Hurrikan-Warnzentrum hatte zuvor eine zunächst als Tief bezeichnete Wetterlage zu einem "tropischen Sturm" heraufgestuft. Am Samstagmorgen dürfte "Bonnie" demnach die Region vor der US-Südküste erreichen.
Die auf das lecke Bohrloch aufgesetzte Abdeckhaube, die in den vergangenen Tagen einen weiteren Ölaustritt verhinderte, soll hingegen auch nach dem Abzug von Schiffen und Gerät nicht entfernt werden. Einige Experten hatten dazu Bedenken geäußert, weil während des Sturms der Druck in dem Zylinder nicht überwacht werden kann und nicht bemerkt werden würde, wenn Öl an anderen Stellen am Meeresgrund austräte.
Urlaub in Florida
Krisenkoordinator Allen sagte, er habe BP angewiesen, die Schiffe, von denen aus die Untersee-Roboter zur Überwachung des Zylinders ferngesteuert werden, als letztes vor dem Sturm in Sicherheit zu bringen. BP teilte mit, dass die Abdeckhaube trotz des Sturms weiterhin dicht sei. Die Konstruktion solle so lange weiter überwacht werden, wie es das Wetter zulasse.
Die geplante endgültige Verschließung des Bohrlochs wird sich durch "Bonnie" weiter verzögern. Der Abzug der Plattform für die Entlastungsbohrung, nach deren Fertigstellung das Bohrloch mit schwerem Bohrschlamm und Zement versiegelt werden soll, könnte die Verschließungsarbeiten früheren Behördenangaben zufolge "um bis zu zwölf Tage" verzögern. Allen sprach nun von "mehreren Tagen". Die abgezogenen Schiffe und Gerätschaften würden so positioniert, dass sie "sofort, nachdem der Sturm vorbeigezogen ist," wieder mit der Arbeit beginnen könnten.
Die Bohrinsel "Deepwater Horizon" war im April nach einer Explosion gesunken und hatte die größte Ölkatastrophe in der Geschichte der USA ausgelöst. Einer aktuellen Studie zufolge fürchten die fünf betroffenen US-Bundesstaaten, dass sie wegen der Umweltkatastrophe in den kommenden drei Jahren 22,7 Milliarden Dollar (17,7 Milliarden Euro) an Einnahmen aus dem Tourismus verlieren könnten.
US-Präsident Barack Obama kündigte an, gemeinsam mit seiner Frau Michelle und seinen beiden Töchtern im August Urlaub in Florida zu machen. Wie das Weiße Haus am Donnerstag (Ortszeit) mitteilte, wolle der Präsident damit seine Solidarität mit der von der Ölkatastrophe betroffenen Region demonstrieren. US-Medien hatten Obama zuvor dafür kritisiert, das vergangene Wochenende an der Atlantikküste im nordöstlichen Bundesstaat Maine verbracht zu haben.
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