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Jahresbericht von Amnesty International
Weniger Hinrichtungen, aber mehr Todesurteile

Amnesty International 2016: Weniger Hinrichtungen, aber mehr Todesurteile
In 141 Ländern ist die Todesstrafe mittlerweile abgeschafft worden, zuletzt in Nauru und in Benin. FOTO: Paul Buck/epa/dpa
Berlin. Amnesty International hat den Jahresbericht zur Todesstrafe vorgelegt. Weltweit wurden deutlich weniger Todesurteile vollstreckt als noch im Jahr zuvor. 90 Prozent der Hinrichtungen verteilen sich auf nur vier Nationen. 

Die Zahl der weltweit vollstreckten Todesstrafen ist im vergangenen Jahr deutlich gesunken. Jedoch gab es einen starken Anstieg bei den Todesurteilen. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 3.117 Todesurteile verhängt, im Vergleich zu 1.998 im Jahr 2015.

Beides geht aus der jährlichen Statistik der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) hervor, die am Dienstag weltweit veröffentlicht wurde. Demnach sank die Zahl der Hinrichtungen im Vorjahresvergleich um rund ein Drittel von 1.634 im Jahr 2015 auf 1.031 im vergangenen Jahr.

Die meisten Hinrichtungen gab es im Iran 

Vier Länder waren dem Bericht zufolge für nahezu 90 Prozent der Hinrichtungen verantwortlich. Die Mehrzahl der vollstreckten Todesurteil gab es demnach im Iran (567), gefolgt von Saudi Arabien (154), dem Irak (88) und Pakistan (87). Der starke Anstieg an Todesurteilen ist vor allem auf Prozesse in Nigeria, Kamerun, Sambia und Somalia zurückzuführen.

In 141 Ländern ist die Todesstrafe mittlerweile abgeschafft worden, zuletzt auch in Nauru und Benin. Auch die Zahl der Staaten, in denen Todesurteile verhängt wurden, sank laut Amnesty im Vorjahresvergleich von 61 auf 55.

Dunkelziffer in China am größten

Die weiterhin größte Dunkelziffer an vollstreckten Todesurteilen vermutet Amnesty in China. "Informationen zur Todesstrafe in China stehen per Gesetz als Staatsgeheimnis unter Verschluss. Die öffentliche staatliche Datenbank lässt entgegen den Behauptungen der Regierung keine Rückschlüsse darauf zu, ob die Todesstrafe in China weniger angewendet wird", sagte der Experte der Organisation, Alexander Bojcevic. Eine ebenfalls hohe Dunkelziffer gibt es demnach in Vietnam.

(th/KNA)
 
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