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Syrien
Amnesty International wirft Kurden Vertreibungen vor

Flüchtlinge – erschütternde Bilder aus aller Welt
Flüchtlinge – erschütternde Bilder aus aller Welt FOTO: afp, MM
Kobane. Die Horror-Berichte aus Syrien nehmen kein Ende. Jetzt werfen Menschenrechtler auch Kurden schwere Verbrechen vor. Rache soll das Motiv sein.

 Amnesty International hat den Kurden im Norden Syriens Vertreibungen und Häuserzerstörungen vorgeworfen. Ganze Dörfer in dem von der Kurden-Partei PYD kontrollierten Gebiet seien niedergerissen worden, hieß es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht der Menschenrechtsorganisation. Tausende seien vertrieben worden. Amnesty beruft sich unter anderem auf Augenzeugenberichte und Satellitenbilder.

Auch arabische Syrer hatten den Kurden in der Vergangenheit "ethnische Säuberungen" in überwiegend von Arabern bewohnten Orten vorgeworfen. Die Kurden wiesen die Vorwürfe am Dienstag zurück. Es handele es sich um "falsche Anschuldigungen", die auf unzuverlässigen Informationen basierten, sagte Kurden-Sprecher Idriss Nassan.

Weiter erklärte er: "Wir haben allen Menschen die Rückkehr in ihre Gebiete gestattet, nachdem diese befreit worden waren." Es seien nur einige festgenommen worden, die mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zusammengearbeitet und gegen das Gesetz verstoßen hätten, erklärte er weiter.

Das Vorgehen der von der PYD geführten Verwaltung erfolgt Amnesty zufolge häufig aus Vergeltung für vermeintliche Sympathien oder Verbindungen der Menschen zu Mitgliedern des IS oder anderer bewaffneter Gruppen. Die Verwaltung missbrauche ihre Macht und missachte Völkerrecht in einer Weise, die Kriegsverbrechen gleichkomme, hieß es weiter. Die PYD steht der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK sehr nahe.

Die nordsyrischen Kurden sind im Kampf gegen die Extremisten ein wichtiger Partner des Westens. Mit Luftunterstützung der von den USA geführten Koalition vertrieben sie den IS aus der Grenzstadt Kobane und größeren Gebieten im Norden Syriens. Dort haben sie eine selbstverwaltetes Gebiet errichtet. Die USA beliefern die Kurden für den weiteren Kampf gegen den IS auch mit Waffen.

 

(dpa)
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