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Erster Schultag nach Amoklauf
Mit Tränen in den Augen zurück zum Unterricht

Schüler kehren nach dem Amoklauf zurück zum Unterricht
Schüler kehren nach dem Amoklauf zurück zum Unterricht FOTO: dpa, wal pat
Parkland. Zwei Wochen nach dem Amoklauf in Florida hat die betroffene High School die Wiederaufnahme des Schulalltags eingeleitet. Am ersten Unterrichtstag nach dem Blutbad wurde die Ankunft der Überlebenden am Mittwoch von massiver Polizeipräsenz begleitet.

An der Marjory Douglas Stoneman High School hatte ein 19-jähriger ehemaliger Mitschüler am Valentinstag mit einem Sturmgewehr 17 Menschen erschossen, darunter 14 Schüler. Für die Überlebenden war es nun eine hochemotionale Rückkehr.

Manchen Schülern standen Tränen in den Augen, pensionierte Polizeibeamte überreichten ihnen Blumen. "Ich habe Angst. Aber ich bin gleichzeitig auch froh, dass wieder ein Gefühl von Normalität entsteht", sagte der 16-jährige Tanzil Philip der Nachrichtenagentur AFP. "Ich bin ein wenig nervös. Aber wir müssen stark sein in solchen Situationen, denn wir sind eine Familie", sagte seine Mitschülerin Jenna Korsten.

Schuldirektor Ty Thompson sprach vom "Beginn des Heilungsprozesses". An diesem ersten Unterrichtstag gehe es nicht ums Lernen, sondern darum, sich wieder wohl zu fühlen in der Schule. Die Rückkehr zum Schulalltag soll stufenweise erfolgen. In dieser Woche dauert der Unterricht nur täglich vier Stunden.

Bereits am Sonntag hatte es an der Schule einen freiwilligen Orientierungstag für die Schüler gegeben. Die Lehrer bereiteten sich bereits seit einigen Tagen an der Schule auf den Neubeginn des Unterrichts vor.

Kein normaler Unterricht möglich

Samantha Fuentes will jedoch nicht an die Marjory Douglas Stoneman High School zurückkehren. Die 18-Jährige ist durch den Anschlag schwer gezeichnet, sie hat eine Schusswunde am Bein und geht am Stock. In Kopf und Gesicht haben sich Kugelsplitter eingebohrt, wie sie CNN erzählte.

Fuentes sagte, sie glaube nicht, dass an der High School bis Ende des Schuljahres ein normaler Unterricht möglich sei: "So etwas wie Normalität gibt es nicht mehr." Sie wolle ihren Abschluss per Online-Unterricht machen und sich auf ihr Engagement für schärfere Waffengesetze und mehr Schulsicherheit konzentrieren. Die 18-Jährige fordert unter anderem ein Verbot von Sturmgewehren und die Heraufsetzung des Mindestalters für den Waffenkauf auf 21 Jahre.

Seit dem Blutbad setzen sich zahlreiche überlebende Schüler vehement für eine Verschärfung des laxen US-Waffenrechts ein. Sie veranstalten Demonstrationen, treten im Fernsehen auf und reisten nach Tallahassee, die Hauptstadt des Bundesstaates Florida, sowie nach Washington, um Druck auf Politiker auszuüben. Einige wurden von Präsident Donald Trump empfangen und sprachen mit Mitgliedern des US-Kongresses.

Ob es zu einschneidenden Veränderungen im Waffenrecht kommen wird, ist aber höchst ungewiss. Trump machte verschiedene Vorschläge zum Waffenrecht, darunter ebenfalls die Heraufsetzung der Altersgrenze auf 21. In den vergangenen Tagen legte er den Schwerpunkt aber auf die Absicherung der Schulen - nach seiner Vorstellung soll ein Teil der Lehrerschaft mit Schusswaffen ausgerüstet werden.

Republikanerführung reagiert unterkühlt

Die Republikanerführung im US-Repräsentantenhaus wiederum reagierte unterkühlt auf die Forderungen der Schüler. Gesetzestreuen Bürgern solle der Waffenbesitz nicht verboten werden, sagte Fraktionschef Paul Ryan nach einem Treffen mit den Überlebenden.

Allerdings zeigt die intensive Waffendebatte inzwischen Auswirkungen auf zahlreiche US-Unternehmen. Die Einzelhandelskette Dick's Sporting Goods nimmt Sturmgewehre aus ihrem Sortiment und verkauft generell Waffen nur noch an Kunden ab 21 Jahren, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Der Todesschütze von Parkland hatte ein Gewehr bei Dick's gekauft. Es war aber nicht die Waffe, die er bei dem Schulangriff verwendete.

Bereits zuvor hatten mehrere Unternehmen, darunter Autovermieter und Versicherer, angekündigt, nicht mehr mit der Waffenlobby NRA zusammenarbeiten zu wollen. NRA-Mitglieder erhielten bislang Vergünstigungen bei diesen Unternehmen.

(gaa/AFP)
 
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