| 18.00 Uhr
Sedisvakanz hat begonnen
Amtszeit von Papst Benedikt XVI. zu Ende
Papst Benedikt XVI.: Der Abschied in Bildern
Papst Benedikt XVI.: Der Abschied in Bildern FOTO: afp, ALBERTO PIZZOLI
Vatikanstadt. Nach knapp acht Jahren ist das Pontifikat von Papst Benedikt XVI. beendet. Am Donnerstag um 20.00 Uhr begann die Übergangsphase bis zur Wahl eines neuen Kirchenoberhaupts, wie es Benedikt bei seiner Rücktrittsankündigung am 11. Februar selbst verfügt hatte.

Noch nie hat ein Papst den Vatikan verlassen, um einfach nicht mehr Papst zu sein. BenediktXVI. tat es an diesem Donnerstag. Am Nachmittag bestieg er oben auf dem kleinen Landeplatz des vatikanischen Hügels den Präsidentenhubschrauber der italienischen Flugbereitschaft, ein letztes Mal als Staatsoberhaupt. Die Reise von kaum einer Viertelstunde ging nach Castel Gandolfo.

Colonnello Girolamo Iadicicco (45), Kommandant des 31. Geschwaders "Carmelo Raiti" von Ciampino und Chef der Flugbereitschaft, ließ es sich nicht nehmen, den Benedikt XVI. auf seinem letzten Flug als Papst zu begleiten. Für ihn war der scheue Deutsche immer "ein wunderbarer Passagier": anspruchslos, stets mit einem freundlichen Wort für die Besatzung.

Noch vor dem Flug hat sich der Papst in seinem letzten Tweet als Oberhaupt der katholischen Kirche für die Unterstützung bedankt. "Danke für eure Liebe und Unterstützung. Ich wünsche, dass ihr immer Freude dabei erfahrt, Christus in die Mitte eures Lebens zu stellen", schrieb der 85-Jährige um 17 Uhr im Kurznachrichtendienst Twitter.

"Herr, wohin gehst du?"

Die Route ging südwärts zur Via Appia Antica, hinweg über die kleine Kirche "Domine quo vadis". Der Legende nach war Petrus dort auf seiner Flucht aus Rom Christus begegnet. Auf die erschrockene Frage "Herr, wohin gehst du?", antwortete Jesus:"Ich gehe nach Rom, um mich nochmals kreuzigen zu lassen." Benedikt XVI. kannte die Angst des Apostelfürsten. "Betet für mich, dass ich nicht furchtsam vor den Wölfen fliehe", hatte er bei seiner ersten großen Messe gesagt. Das war im April 2005. Inzwischen fragen manche, ob die Wölfe gewonnen haben.

Noch im Rückzug findet Benedikt XVI. große Aufmerksamkeit, größer als sonst oft in seinen acht Jahren. 3.641 zusätzliche Medienmitarbeiter haben sich für diesen Anlass beim vatikanischen Presseamt akkreditiert. Journalisten aus 61 Ländern berichten in 24 Sprachen über den Pontifikatswechsel. Um den Flug nach Castel Gandolfo für die Nachwelt festzuhalten, schickt der vatikanische Fernsehdienst CTV einen zweiten Helikopter mit.

Am Ziel empfangen Benedikt XVI. erneut Gläubige und Glockengeläut. Der zuständige Bischof von Albano, Marcello Semeraro, hat zu einer Fußwallfahrt aufgerufen, um den Papst zu verabschieden. Anwohner aus den umliegenden Orten stiegen am Nachmittag zum päpstlichen Residenzdorf am Albaner See hinauf, hielten eine Andacht, beteten Rosenkranz auf dem Platz vor dem Sommerpalais. Es ist die Piazza della Liberta: Platz der Freiheit.

Sein definitiv letzter Auftritt

Dort hat sich Papst Benedikt XVI. zum letzten Mal als Kirchenoberhaupt an die Gläubigen gewandt. "Ich werde nicht länger Papst, sondern ein Pilger sein", sagte der Papst am Donnerstagabend auf dem Balkon der Residenz, die rund 30 Kilometer von Rom entfernt liegt. Tausende von Gläubigen hatten sich in den Straßen der kleinen Stadt versammelt, um den Papst zu verabschieden.

Zur gleichen Stunde versiegelte der Camerlengo der römischen Kirche, Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone (78), in der dritten Etage des Apostolischen Palastes die Wohnung Benedikts XVI. und den Aufzug, der dort hin führt. Es ist das gleiche Zeremoniell wie beim Tod eines Papstes. Bis zur Wahl eines Nachfolgers bleiben die Räume verschlossen; das vertraute Bild der erleuchteten Fenster am Abend wird fehlen. Auch der Fischerring Benedikts XVI. hat keine Funktion mehr. Nach Auskunft von Vatikansprecher Federico Lombardi wird er nicht zerstört, aber als Siegelring ungültig gemacht.

Die laufenden Geschäfte der Kirchenleitung liegen dann beim Kardinalskollegium. Am Freitag bringt Kardinaldekan Angelo Sodano das Einberufungsschreiben zu den sogenannten Generalkongregationen auf den Weg. Bei diesen Treffen werden sich die Purpurträger (auch die nicht zum Konklave zugelassenen Über-80-Jährigen) beraten - und zuerst einmal eine Tagesordnung geben.

Dabei gilt es auch einen Beginn der Papstwahl festzulegen. An sich muss sie zwischen dem 15. und 20. Tag nach Eintritt der Sedisvakanz starten. Benedikt XVI. hatte aber in einer seiner letzten Verfügungen festgelegt, dass sie auch einige Tage vorgezogen werden kann, wenn alle Teilnehmer da sind. 117 sind stimmberechtigt, zwei - der Schotte Keith O'Brien und der Indonesier Julius Riyadi Darmaatmadja - haben bereits abgesagt.

Von Freitag an Privatmann

Benedikt XVI. ist von Freitag an Privatmann. Wie er seinen ersten Tag nach der achtjährigen Last des höchsten katholischen Kirchenamtes begeht, wissen allein er und sein engstes Umfeld. Papstschneider Gammarelli in Rom hat angekündigt, dass aus Respekt vor dem alten Papst das Schaufenster an diesem Freitag leer bleiben soll. Viele in Rom werden diese Leere fühlen.

Quelle: KNA/dpa/sgo/sap
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