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Suche nach Attentäter
Polizei ließ Terrorverdächtigen nach Belgien flüchten

Anschläge in Paris: Polizei ließ Salah Abdeslam nach Belgien ausreisen
Salah Abdeslam, der meistgesuchte Mann nach den Terroranschlägen in Paris. FOTO: Police Nationale
Paris/Düsseldorf. Es ist der Samstagmorgen nach den schweren Attentaten in Paris, als drei französische Polizeibeamte einen Wagen nahe der Grenze zu Belgien anhalten. Wenige Stunden nach den Angriffen haben sie die drei männlichen Fahrzeuginsassen kontrolliert – einer war der gesuchte Salah Abdeslam. Von Jessica Balleer

Das teilten vier französische Sicherheitsbeamte der Nachrichtenagentur AP mit. Die Beamten hätten die Personalien des 26-Jährigen geprüft. Und ihn dann weiterfahren lassen. Zum Zeitpunkt der Fahrzeugkontrolle sei er in keiner Kartei registriert gewesen, berichtet die französische Zeitung "Le Monde". Die französische Polizei hat diese schwere Ermittlungspanne bereits eingeräumt.

Bislang äußerten sich die französischen Polizisten selbst aber nur unter der Bedingung der Anonymität, weil sie nach eigenen Angaben nicht befugt seien, Details preiszugeben. Laut "Le Monde" hätte die Überprüfung im Zuge der verschärften Grenzkontrollen im nordfranzösischen Cambrai stattgefunden.

Großfahndung in Belgien eingeleitet

Der 26-Jährige ist weiter auf der Flucht. Bis vor wenigen Minuten wurde der Terrorverdächtige Salah Abdeslam in Brüssel-Molenbeek gesucht. Die Polizeioperation hatte die Festnahme von Salah Abdeslam zum Ziel, berichtet die Nachrichtenagentur AFP in Brüssel unter Berufung auf die belgische Staatsanwaltschaft. Der Agentur zufolge wurde derweil ein Bruder von Abdeslam zusammen mit vier weiteren am vergangenen Wochenende in Brüssel festgenommenen Verdächtigen wieder freigelassen. Der dritte der drei Abdeslam-Brüder, Brahim Abdeslam, hatte sich bei den Anschlägen in Paris am vergangenen Freitag vor dem Bistro "Comptoir Voltaire" am Boulevard Voltaire in Paris in die Luft gesprengt.

Salah wurde am 15. September 1989 in Belgien geboren. Französische Medien berichten, dass der 26-Jährige möglicherweise auch mit einem spanischen Dschihadisten in Kontakt stand, der derzeit in Haft ist. Meldungen, nach denen Salah bereits festgenommen wurde, erwiesen sich bislang als falsch. Das macht Salah zu einem der meistgesuchten Männer der Welt.

Vier der sieben Attentäter identifiziert

Laut der Pariser Staatsanwaltschaft konnten bis Sonntagmorgen die Leichen von vier der sieben Selbstmordattentäter identifiziert werden. Bei zwei Männern handle es sich um Franzosen, die zuletzt in Belgien gelebt hätten, sagte Staatsanwalt François Molins. Anhand ihrer Fingerabdrücke konnten sie identifiziert werden. Gegen einen weiteren Attentäter sei 2012 in Frankreich ein Ermittlungsverfahren wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung eingeleitet worden. Der 29-jährige Franzose Ismail Omar Mostefaï konnte bereits am Samstagmittag identifiziert werden, weil sein abgetrennter Finger im Konzertsaal des "Bataclan" in Paris gefunden wurde, wo er sich nach dem Anschlag in die Luft gesprengt hatte.

Aktuelle Entwicklungen nach dem Terror in Paris können Sie in unserem Liveblog verfolgen. 

(ball)
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