| 17.45 Uhr

Autobomben-Anschlag in Ankara
Zahl der Toten steigt auf 37

Anschlag in Ankara 2016: Zahl der Toten nach Explosion steigt auf 37
34 Menschen kamen bei dem schweren Anschlag in der türkischen Hauptstadt ums Leben, 125 wurden verletzt. FOTO: afp, ADM
Istanbul. Nach dem verheerenden Autobomben-Anschlag in der türkischen Hauptstadt Ankara ist die Zahl der Toten auf mindestens 37 gestiegen. Die Polizei hat elf Menschen festgenommen.

Drei Schwerverletzte seien in der Nacht in Krankenhäusern gestorben, sagte Gesundheitsminister Mehmet Müezzinoglu am Montag. 17 der mehr als 120 Verletzten seien noch auf der Intensivstation. Unter den Toten sei mindestens ein Selbstmordattentäter.

Die Regierung will inzwischen erste Hinweise auf die Hintermänner haben. Einen ähnlichen Anschlag in der türkischen Hauptstadt hat erst vor kurzem eine kurdische Gruppe verübt, die aus der PKK hervorgegangen ist. Innenminister Efkan Ala sagte am späten Sonntagabend, es gebe dazu erste Erkenntnisse, die aber erst nach Abschluss der Ermittlungen mitgeteilt würden.

Elf Verdächtige seien bereits festgenommen worden, gab Ministerpräsident Ahmet Davutoglu am Montag bekannt. Die regierungsnahe Zeitung "Sabah" berichtete, vermutet werde, dass eine Selbstmordattentäterin der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK den Anschlag mit mindestens 37 Toten verübt habe. Anadolu meldete weiter, bei Anti-Terror-Operationen gegen die PKK in Istanbul und weiteren türkischen Städten seien am Montag mindestens 79 Verdächtige festgenommen worden. Darunter seien neun Minderjährige.

Explosion am Knotenpunkt des Nahverkehrs

Erst vor knapp einem Monat hatte in Ankara ein Selbstmordattentäter ebenfalls eine Autobombe gezündet und 29 Menschen mit in den Tod gerissen. Zu dieser Tat bekannte sich die aus der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK hervorgegangene Splittergruppe Freiheitsfalken Kurdistans (TAK). Die TAK hatte damals zugleich weitere Anschläge angekündigt. Für die Tat vom Sonntag übernahm zunächst keine Gruppe die Verantwortung.

Die Explosion ereignete sich am zentralen Kizilay-Platz, der ein Knotenpunkt des Nahverkehrs ist. Ala sagte, der Anschlag habe auf Zivilisten abgezielt. Die US-Botschaft hatte erst am Freitag vor einem drohenden Anschlag in einem Viertel in der Nähe des Anschlagsorts gewarnt und dazu aufgerufen, die Gegend zu meiden.

Social Media Sperre

Die türkische Regierung verhängte am Sonntagabend eine Nachrichtensperre über den Anschlag, die aber nicht offizielle Verlautbarungen betrifft. Türkische Medien berichteten, ein Gericht in Ankara habe eine Sperre für soziale Medien verfügt, nachdem dort Fotos zu dem Anschlag geteilt worden seien. Internetnutzer berichteten von Problemen, Twitter und Facebook aufzurufen.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan teilte mit, die Terroranschläge der jüngsten Zeit zielten auf die "Integrität unseres Landes" ab. Er kündigte an, den Kampf gegen den Terrorismus fortzuführen und den Terrorismus "in die Knie zu zwingen". Die EU, die USA und die Nato sicherten der Türkei ihre Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus zu. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Anschlag scharf wie auch Russlands Präsident Wladimir Putin – ein Gegner Erdogans.

Terror in der Türkei weitet sich aus

Die Gewalt in der Türkei eskaliert im kurdischen Südosten des Landes, sie erfasst aber zunehmend auch die Metropolen. Am 12. Januar hatte sich in Istanbul ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt, zwölf deutsche Touristen kamen dabei ums Leben. Diese Tat wurde der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zugeschrieben.

Das gilt ebenso für einen Selbstmordanschlag im Oktober vergangenen Jahres in Ankara, der auf eine pro-kurdischen Demonstration abzielte. Bei dem schwersten Anschlag in der Geschichte der türkischen Republik waren mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen.

(gol/dpa)
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