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Explosion am Erawan-Schrein
Anschlag in Bangkok – Angeklagte beteuern Unschuld

Anschlag in Bangkok – Angeklagte beteuern Unschuld
Barfuß und in Ketten wurden die Angeklagten vorgeführt. FOTO: afp, na/FL
Bangkok. Nach dem Anschlag vom vergangenen Sommer war die thailändische Militärregierung bemüht, schnell Schuldige zu präsentieren. Jetzt stehen zwei Uiguren vor Gericht. Der Verteidiger eines Angeklagten spricht von Folter.

Im Prozess um den Anschlag auf den Erawan-Schrein in Bangkok haben zwei uigurische Angeklagte auf unschuldig plädiert. Der Anwalt eines der beiden sagte am Dienstag zudem, sein Mandant sei gefoltert worden. Den beiden 27 und 31 Jahre alten Männern werden unter anderem Mord, Verschwörung und Herbeiführung einer Explosion vorgeworfen. Bei dem Anschlag waren im vergangenen August 20 Menschen getötet und mehr als 120 verletzt worden.

Für die Beschuldigten war es der erste Prozesstermin seit der Verlesung der Anklage im November. Damals hatten sie eine Stellungnahme verweigert, weil ihnen das Gericht keinen Dolmetscher zur Verfügung gestellt hatte. Diesmal war ein Übersetzer anwesend und beide sagten aus, sie seien chinesische Bürger, Angehörige der uigurischen Minderheit und aus der Stadt Urumqi aus der westchinesischen Region Xinjiang. Das Militärgericht setzte den nächsten Prozesstermin auf den 20. April an.

Die Polizei hat nach eigenen Angaben zahlreiche Beweise für die Schuld der Angeklagten, darunter Kameraaufnahmen, DNA-Spuren und die Geständnisse der Beschuldigten. Sie geht davon aus, dass der 31-Jährige die Bombe in einem Rucksack am Tatort abstellte und der 27-Jährige diese Minuten später zündete. Die Ermittler fahnden nach 15 weiteren Verdächtigen, haben bisher jedoch keine Fortschritte bekanntgegeben.

Nach der Gerichtssitzung sagte Chuchart Kanpai, der Anwalt des 31-Jährigen, sein Mandant sei etwa drei Wochen nach seiner Festnahme gefoltert worden, um ihn zu der Aussage zu zwingen, er sei auf Bildern einer Überwachungskamera zu sehen, wie er die Bombe platziere. Nicht uniformierte Beamte hätten ihm kaltes Wasser in die Nase geschüttet, ihm mit der Deportation nach China gedroht und ihn mit einem bellenden Hund eingeschüchtert. "Damals hat er gestanden, damit er nicht erneut gefoltert wird", sagte Chuchart.

Der zweite Angeklagte bekam zunächst einen Anwalt vom Gericht zugeteilt, erklärte jedoch, er wolle einen eigenen Rechtsvertreter finden.

Die thailändischen Behörden werten den Anschlag auf den bei chinesischen Touristen beliebten Schrein als Racheakt für die Zerschlagung eines Menschenhändlerrings durch die Ermittler. Einige Analysten vermuten jedoch, hinter der Tat könnten uigurische Separatisten stehen, die erzürnt über die gewaltsame Ausweisung von mehr als 100 Landsleuten aus Thailand nach China gewesen seien.

(lukra/ap)
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