| 16.47 Uhr

Bombenanschlag in Istanbul
Elf Tote nach Explosion an Bushaltestelle

Istanbul: Bombenanschlag auf Polizeifahrzeug
Istanbul: Bombenanschlag auf Polizeifahrzeug FOTO: dpa, tb ms
Istanbul. Istanbul wird wieder von einem schweren Anschlag erschüttert: Eine Autobombe reist viele Menschen in den Tod. Präsident Erdogan kündigt einen Kampf gegen den Terror "bis in alle Ewigkeit" an.

Beim dritten schweren Anschlag im Zentrum Istanbuls seit Jahresbeginn sind mindestens elf Menschen getötet worden. 36 Menschen wurden bei der Explosion einer Autobombe in der Altstadt der türkischen Metropole während des Berufsverkehrs verletzt, wie der Istanbuler Gouverneur Vasip Sahin sagte. Bei den Toten handele es sich um sieben Polizisten und vier Zivilisten. Die Autobombe sei am Dienstag ferngezündet worden, als ein Bus mit Polizisten vorbeigefahren sei. Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sagte, er gehe von baldigen Erkenntnissen der Ermittler zu den Hintermännern aus. Nach einem Besuch bei Verletzten sagte er zur Terrorgefahr: "Wir müssen von Terroristen immer und überall Derartiges erwarten und dementsprechend vorbereitet sein." Der Staatschef kündigte einen langen Kampf gegen den Terrorismus an: "Dieser Kampf, der mit dem ersten Menschen begonnen hat, wird bis in alle Ewigkeit weitergehen." Dass der jüngste Anschlag am zweiten Tag des Fastenmonats Ramadan begangen wurde, zeige, dass den Tätern "nichts heilig ist".

Festnahmen von Verdächtigen

Wenige Stunden nach dem Anschlag nahm die Polizei vier Verdächtige fest. Die Nachrichtenagentur DHA berichtete, bei dem Anschlag sei ein Mietwagen für die Autobombe verwendet worden. Zu den vier Festnahmen sei es im Zusammenhang mit der Anmietung des Fahrzeugs gekommen.

Das Auswärtige Amt in Berlin riet nach dem Anschlag Reisenden zu erhöhter Vorsicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich entsetzt über die Tat. "Da wo es um den Kampf gegen den Terrorismus geht, ist Deutschland an der Seite der Türkei." Nichts könne diese Grausamkeiten entschuldigen.

Unklarheit über Hintergründe

Fernsehbilder zeigten am Dienstag den von der Explosion zerstörten Polizeibus. Auch die umliegenden Gebäude wurden schwer beschädigt. Der Ort liegt in der Altstadt der türkischen Metropole in der Nähe des Großen Basars und der weltberühmten Blauen Moschee. Dort hatte im Januar ein Selbstmordattentäter zwölf deutsche Urlauber mit in den Tod gerissen. Für diesen und einen weiteren Anschlag im März in Istanbul machte die Regierung die sunnitische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verantwortlich.

Sicherheitskräfte werden allerdings regelmäßig zum Ziel von Anschlägen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK oder einer ihrer Splittergruppen, der TAK. Auch die linksterroristische DHKP-C verübt immer wieder Anschläge.

Ein Gericht hat am frühen Mittag eine eingeschränkte Nachrichtensperre über den Autobombenanschlag erlassen. Grund sei unter anderem der Schutz der "nationalen Sicherheit" und der "öffentlichen Ordnung", teilte die Rundfunkbehörde RTÜK am Dienstag mit. Die Anordnung betrifft nicht offizielle  Verlautbarungen.Nachrichtensperren sind nach schweren Anschlägen in der Türkei nicht unüblich

Die Türkei wird seit Monaten immer wieder von Attentaten erschüttert. Die USA hatten ihre Bürger im April zu extremer Vorsicht aufgerufen. Es gebe "glaubwürdige Drohungen" gegen Touristenziele in der Türkei, vor allem an öffentlichen Plätzen in Istanbul und im Badeort Antalya. Die Türkei war seit Juli 2015 Ziel von mehreren verheerenden Bombenanschlägen mit insgesamt mehr als 200 Toten, die kurdischen Extremisten oder der Terrormiliz Islamischer Staat zugeschrieben wurden.

Eine Übersicht der letzten Anschläge in istanbul:

Mai 2016: Bei einem Autobombenanschlag auf das Militär werden fünf Soldaten und drei Zivilisten verletzt. Das Auto detoniert in der Nähe einer Kaserne, als ein Militärfahrzeug vorbeifuhr. Nach türkischen Medienberichten bekannte sich die kurdisch-nationalistische PKK zu dem Anschlag.

März 2016: Ein Attentäter sprengt sich auf der zentralen Einkaufsstraße Istiklal in die Luft und reißt vier Menschen mit in den Tod, 39 weitere werden verletzt. Drei der Todesopfer sind Israelis, eines ist aus dem Iran. Laut türkischer Regierung hatte der Attentäter Verbindungen zur sunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Januar 2016: Bei einem Anschlag im historischen Zentrum Istanbuls werden zwölf Deutsche getötet. Der Angreifer sprengt sich mitten in einer deutschen Reisegruppe in der Nähe der Hagia Sophia und der Blauen Moschee in die Luft. Der Attentäter gehörte nach Angaben der türkischen Regierung dem Islamischen Staat (IS) an.

August 2015: Bei einem Bombenanschlag und einem anschließenden Angriff auf eine Polizeiwache werden mindestens vier Menschen getötet. Eines der Todesopfer ist Polizist, die drei anderen sind die Attentäter. Laut türkischen Medien bekannte sich die PKK zu der Tat.

Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und AFP.

(felt)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Anschlag in Istanbul: Elf Tote nach Explosion an Bushaltestelle


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.