| 18.19 Uhr

Sieben Tote und 20 Verletzte
IS-Terroristen in Jakarta "folgten Beispiel der Pariser Anschläge"

Anschlag in Jakarta: Video zeigt Straßenkämpfe
Jakarta. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat in der indonesischen Hauptstadt Jakarta eine Attentatsserie verübt: Fünf Angreifer und zwei Zivilisten wurden nach Polizeiangaben getötet sowie mindestens 20 Menschen verletzt, als die Attentäter am Donnerstag mehrere Ziele angriffen und in der Millionenstadt Panik verbreiteten.

Die Angreifer seien "dem Beispiel der Pariser Anschläge gefolgt", sagte Polizeisprecher Anton Charliyan. Am 13. November hatte eine Islamistengruppe bei koordinierten Anschlägen in der französischen Hauptstadt 130 Menschen getötet. Vor den Anschlägen von Jakarta sei eine "rätselhafte" Warnung eingegangen, dass es in Indonesien bald ein "Konzert" geben werde, das in den "internationalen Nachrichten" seinen Widerhall finden werde, sagte der Polizeisprecher.

Die Anschläge von Jakarta richteten sich auf Ziele im Stadtviertel Thamrin, wo es zahlreiche Einkaufszentren, Botschaften und UN-Büros gibt. Drei Selbstmordattentäter griffen eine Starbucks-Filiale gegenüber dem Einkaufszentrum Sarinah an und nahmen dort Geiseln. Einer algerischen Geisel gelang nach Polizeiangaben die Flucht, eine kanadische Geisel wurde nach offiziellen indonesischen Angaben erschossen. Die US-Kaffeehauskette schloss daraufhin vorsichtshalber alle Filialen in Jakarta.

Nach dem Angriff bei Starbucks schossen die Attentäter laut Zeugenaussagen auf Passanten. Zwei Männer auf Motorrädern fuhren zu einer Polizeistation, in die sie eindrangen. Sie sprengten sich dort in die Luft. Dabei wurden vier Polizisten schwer verletzt. Laut Polizei wurden vier Sprengsätze gezündet, Augenzeugen sprachen von sechs Explosionen. "Fünf Terroristen sind tot", sagte der Minister für öffentliche Sicherheit, Luhut Panjaitan, als nach Stunden wieder Ruhe eingekehrt war.

Der IS verbreitete im Internet eine Erklärung in arabischer Sprache, in der er sich zu den Anschlägen bekannte. "Vier Soldaten" des muslimischen "Kalifats" hätten die Angriffe mit "leichten Waffen und Sprengstoffgürteln" verübt, zugleich seien Bomben gezündet worden, erklärte der IS. Die Angriffe hätten der "Koalition der Kreuzfahrer" gegolten, die den IS unter Führung der USA in Syrien und dem Irak bekämpft.

US-Außenminister Kerry erklärte nach einem Treffen mit seinem saudiarabischen Kollegen Adel al-Dschubeir in London, der IS lasse "keine Alternative als seine Zerstörung". Die Dschihadisten würden andere nicht davon abhalten können, den Bürgern "reale Chancen, Bildung, Arbeitsplätze und Möglichkeiten für die Zukunft anzubieten". Al-Dschubeir verurteilte die Anschläge und sagte, sie würden die Entschlossenheit stärken, "die Plage des Terrorismus zu bekämpfen".

Indonesien hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Monaten mehrere Anschläge verhindert, die ebenfalls Bezug zum IS gehabt haben sollen. Erst vor wenigen Wochen waren in Indonesien nach einer Drohung gegen den Flughafen von Jakarta die Sicherheitsvorkehrungen erhöht worden. Indonesiens Präsident Joko Widodo sprach von "Terrorakten". Er rief die Öffentlichkeit dazu auf, Ruhe zu bewahren. Bis zu 700 Indonesier sollen Schätzungen zufolge ausgereist sein, um sich dem IS anzuschließen. Dutzende ausgebildete Kämpfer sollen mittlerweile wieder zurückgekehrt sein.

Indonesien ist das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt. Dort wurden in den Jahren 2000 bis 2009 mehrere schwere Bombenanschläge verübt. Allein bei einem Attentat auf der Urlaubsinsel Bali wurden 2002 insgesamt 202 Menschen getötet. Seither gehen die Behörden hart gegen Extremisten vor.

Seit dem Jahr 2009, in dem bei Anschlägen auf Luxushotels in Jakarta neun Menschen getötet wurden, hatte es keine Anschläge mehr gegen Ausländer gegeben.

(lukra/dpa/AFP)
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