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Anschlag von Nizza
Der Rollerfahrer, der den Attentäter stoppen wollte

Als der Terror nach Nizza kam
Als der Terror nach Nizza kam FOTO: afp
Nizza. Als der Attentäter von Nizza mit seinem Lkw in die Menschenmenge fuhr, versuchte ein Rollerfahrer, ihn aufzuhalten. Der Mann hat den Anschlag an der Strandpromenade überlebt. Französischen Journalisten hat er nun seine Geschichte erzählt.

Die Bilder sind um die Welt gegangen: ein Video des weißen Lastwagens mit Attentäter Mohamed Lahouaiej Bouhlel darin, der die Promenade in Nizza entlang fährt und dann in die Menschenmenge rast – aufgenommen von Journalist und RP-Kolumnist Richard Gutjahr. Auf den Aufnahmen ist auch ein Rollerfahrer zu sehen, der versucht, den Lkw einzuholen und den Fahrer zu stoppen. Doch das Gefährt gerät scheinbar unter die Räder.

Menschen in Nizza gedenken der Opfer des Anschlags FOTO: dpa, isl ay

Der Mann, der den Roller fuhr, hat überlebt. Journalisten der Zeitung "Nice-Matin" haben ihn ausfindig gemacht und mit ihm gesprochen. Sie beschreiben den Franzosen mit dem Namen Franck als einen physisch und psychisch angeschlagenen Mann. Der Ende 40-Jährige arbeite am Flughafen von Nizza.

"Ich wollte ihn um jeden Preis stoppen"

Franck erzählte der Zeitung, er habe sich mit seiner Frau an der Promenade das Feuerwerk ansehen wollen – wie so viele andere Menschen in Nizza. Allerdings seien sie spät dran gewesen und hätten erst noch ein Eis essen wollen. Alles sei ganz ruhig gewesen. Doch als sie auf Höhe der Universität gewesen seien, hätten sie plötzlich Schreie gehört und Autos, die sich querstellten. Da habe seine Frau gesagt: "Halt, hier stimmt etwas nicht."

In diesem Moment hätten sie gesehen, wie die Menschen in alle Richtungen wegrannten. Und dann hätten sie gesehen, wie der Lkw sich ihnen näherte. Er und seine Frau seien auf der Mitte der Straße gefahren mit rund 60 km/h. "Ich hatte nicht einmal Zeit, in den Rückspiegel zu sehen, als mich der Lkw überholte", sagte Franck der Zeitung. Er sei mit dem Roller über den Bürgersteig gefahren. "Ich habe noch die Bilder vor Augen von den Körpern, die durch die Luft flogen."

Das war der Moment, in dem er entschlossen war zu handeln. Er setzte seine Frau noch ab und fuhr dem Lkw hinterher. "Ich wollte ihn um jeden Preis stoppen", erinnert er sich. Als er auf dessen Höhe gewesen sei, habe er sich noch gefragt, was er jetzt mit dem Roller mache. Dann habe er ihn gegen den Laster geworfen, sei gestürzt und sei zu Fuß weitergelaufen, bis er auf das Trittbrett der Fahrerkabine gelangt sei.

"Er sagte nichts, er verzog keine Miene"

"Ich war bereit zu sterben, um ihn zu stoppen", erzählt er. Und dass er in diesen Momenten wie betäubt, zugleich aber hellwach gewesen sei. Als er auf dem Trittbrett der Fahrerkabine gestanden habe, habe er mit seiner linken Hand dem Attentäter immer wieder ins Gesicht geschlagen. "Er sagte nichts, er verzog keine Miene", erinnert sich Franck.

Doch er habe eine Pistole in der Hand gehabt, auf ihn gezielt, aber sie habe nicht funktioniert. Da habe Bouhlel ihn mit dem Pistolengriff geschlagen und er sei gefallen. Franck verletzte sich laut "Nice-Matin" nur leicht: Schmerzen in der linken Hand, eine gebrochene Rippe, blaue Flecken am Körper.

Außer Franck versuchte in der Anschlagsnacht von Nizza auch ein Radfahrer namens Alexandre, sich an der Fahrertür des Lastwagens festzuklammern - doch ließ er wieder los, als er den Lauf der Pistole auf sich gerichtet sah.

84 Menschen kamen bei dem Anschlag ums Leben, bevor die Polizei den Attentäter schließlich erschoss. 15 Verletzte schwebten auch eine Woche nach der Attacke noch in Lebensgefahr.

Mehr zum Anschlag von Nizza lesen Sie in unserem Dossier.

(das)
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