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Das Schmeicheln lernen: Anti-Macho-Kurs für japanische Ehemänner

zuletzt aktualisiert: 26.11.2007 - 13:58

Tokio (RPO). Wenn es darum geht, Gefühle auszusprechen, tun sich japanische Männer schwer. Das Land der aufgehenden Sonne war bisher ein Paradies für Machos: Die meisten Frauen nahmen chauvinistisches Gehabe hin und beschwerten sich nicht. Das hat sich nun geändert: Die Scheidungsrate ist rapide angestiegen.

Der steigenen Scheidungsrate soll Abhilfe geschaffen werden: In einem Verein mit rund 4000 Mitgliedern lernen unterkühlte Typen, der Gattin auch mal ein "Ich liebe dich" zuzuflüstern und sie mit Komplimenten zu umgarnen.

"Es tut mir leid, dass ich immer vergesse, den Toilettensitz herunterzuklappen", ruft ein Geschäftsmann mittleren Alters im Anzug seiner imaginären Frau zu. Dabei balanciert der Tokioter auf einem Bierkasten, damit die anderen Teilnehmer der Schulung in beobachten können.

Ein anderer verspricht seiner Gattin, keine Striptease-Clubs mehr zu besuchen. "Ich liebe dich, auch wenn ich es nicht sage", gesteht ein Dritter. Dann skandieren 20 Männer: "Sag 'Danke', ohne zu zögern. Sag 'Entschuldigung', ohne Angst zu haben. Sag 'Ich liebe dich', ohne schüchtern zu sein."

Gegründet wurde der Nationalen Teishu-Kampaku-Verein - frei übersetzt "Vereinigung der chauvinistischen Ehemänner" - von Shuichi Amano. Die Idee kam dem Zeitschriften-Herausgeber 1999, als seine eigene Ehe nach 20 Jahren zu scheitern droht.

Auch Rentner überlassen Haushalt der Ehefrau

Dem Endvierziger fiel auf, dass auch bei vielen Freunden die Partnerschaft auf der Kippe stand. "Viele Ehemänner managen die Risiken im Berufsleben. Aber sie vernachlässigen die zu Hause", sagt der 55-Jährige. Viele sähen sich auch nach der Pensionierung als Ernährer der Familie und blieben untätige Paschas. Bei einer Umfrage gaben mehr als 80 Prozent der verheirateten Japanerinnen an, den Haushalt weitgehend alleine zu schmeißen.

Er selbst helfe seiner Frau inzwischen im Haus, sagt Amano. "Wir Ehemänner müssen uns von der Vorstellung verabschieden, unsere Frauen zu dominieren." Seine Schmeicheleien hätten sich zu Beginn leer angehört, räumt er ein. "Meine Frau war ziemlich misstrauisch. Aber nach ein paar Jahren hat sie ihr Lachen wiedergewonnen."

In vielen japanischen Ehen läuft es nicht rund. Die Zahl der Scheidungen ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, obwohl die Rate noch gut unter den meisten westlichen Ländern liegt.

Besonders Trennungen im mittleren Alter nehmen zu. So ließen sich nach Behördenangaben 2002 etwa 45.000 Paare scheiden, die mehr als 20 Jahre verheiratet waren - drei Mal so viele wie vor 30 Jahren. Experten rechnen damit, dass in Zukunft noch mehr Ehepaare getrennte Wege gehen - auch weil eine Gesetzesänderung den Frauen nach einer Scheidung einen Teil der Rente des Ehemannes zusicherte.

Schmeichelfähigkeiten verbessern

In Amanos Verein können sich Ehemänner austauschen und bei den öffentlichen Sitzungen Selbstvertrauen in ihre Schmeichelfähigkeiten gewinnen. So hat der 67-jährige Teruo Manabe gelernt, seiner Frau öffentlich Komplimente zu machen. "Wir als ältere Generation sollten mit gutem Vorbild vorangehen", sagt er.

Auch wenn viele die Liebesschwüre erst peinlich finden - der Verein zählt inzwischen rund 4000 Ehemänner aus dem ganzen Land. Kein Mitstreiter zwischen 20 und Ende 60 habe sich scheiden lassen, berichtet Amano stolz. Und sie alle feilen weiter am Traumbild des perfekten Ehemanns.

Die höchste Vollendung ist erreicht, wenn man ohne zu erröten "Ich liebe dich" sagen kann. Bis dahin sei er noch nicht einmal selbst vorgedrungen, sagt Vereinschef Amano. Aber er schaffe es immerhin, Hand in Hand mit seiner Frau spazieren zu gehen.

Quelle: afp

 
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