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Zum ersten Mal seit 2005
Arkansas richtet Häftling nach Gerichtsentscheid hin

Arkansas: Häftling per Giftspritze zum ersten Mal seit 2005 hingerichtet
So wie im texanischen Huntington-Gefängnis sehen viele Todeszellen in US-amerikanischen Gefängnissen aus. FOTO: dpa
Little Rock. Nach dramatischem gerichtlichem Tauziehen hat der US-Staat Arkansas zum ersten Mal seit zwölf Jahren wieder einen Häftling hingerichtet. Der  verurteilte Mörder starb im Gefängnis von Grady durch die Giftspritze. 

Der 51-jährige Ledell Lee hatte 1993 seine Nachbarin ermordet und war einer von insgesamt acht Häftlingen, die Arkansas ursprünglich vom Ostermontag an in einer Zeitspanne von nur elf Tagen hinrichten wollte. Verschiedene Gerichtsentscheidungen hatten jedoch zu einer zumindest vorläufigen Blockade von sieben der Exekutionen geführt.

Auch Lees Hinrichtung war wiederholt ausgesetzt worden. Der gerichtliche Streit zog sich bis in die Nacht seiner Hinrichtung hin, die mehrere Male in letzter Minute hinausgeschoben wurde. Dabei ging es zum großen Teil auch um die Hinrichtungsmethode.

So hatte eine Bezirksrichterin am Mittwochabend eine einstweilige Verfügung gegen den Gebrauch von Vecuronium erlassen, einem von drei Mitteln, die Gefangenen bei der Hinrichtung eingespritzt werden. Die Richterin war einer Klage des Pharmahändlers McKesson gefolgt: Er hatte dem Bundesstaat vorgeworfen, beim Kauf vorgetäuscht zu haben, das Mittel zu medizinischen Zwecken benutzen zu wollen.

Das höchste Gericht des Staates hob das Verbot der niedrigeren Instanz dann aber nur wenige Stunden vor dem geplanten Exekutionstermin auf. Schließlich lehnt der Oberste Gerichtshof der USA eine Aussetzung der Vollstreckung ab und Lee wurde kurz vor Mitternacht hingerichtet. Er starb den Angaben zufolge zwölf Minuten nach Beginn der Exekution.

Die Regierung von Arkansas zeigte sich zufrieden mit der Entwicklung. "Der Gouverneur weiß, dass heute Abend das Richtige getan worden ist", sagte ein Sprecher des republikanischen Gouverneurs Asa Hutchinson. 

Das Auswärtige Amt hat die erste Hinrichtung nach mehr als einem Jahrzehnt im US-Bundesstaat Arkansas verurteilt. Es sei schwer fassbar, dass wegen der begrenzten Haltbarkeit des tödlichen Mittels Midazolam nun kurzfristig mehrere Hinrichtungen geplant seien, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amts, Martin Schäfer. Gemeinsam mit EU-Partnern setze sich die Bundesregierung gegen die Vollstreckung der weiteren Todesurteile ein. Zudem habe der deutsche Botschafter sich zuvor an den Gouverneur von Arkansas, Asa Hutchinson, gewandt.

(kess/ap/dpa)
 
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