| 14.55 Uhr

Streuner schließt sich Abenteuer-Team an
Arthur – die rührendste Hunde-Geschichte des Jahres

Fotos: Streunender Hund begleitet Abenteuer-Team
Fotos: Streunender Hund begleitet Abenteuer-Team FOTO: Team Peak Performance
Stockholm. Ein streunender Hund hat sich in Ecuador einem Team von schwedischen Extremsportlern angeschlossen und es auf seiner Tour durch den Regendwald begleitet. Die Gruppe gewann den Hund so lieb, dass sie ihn auf den Namen Arthur taufte – und anschließend mit nach Hause nahm. Von Christian Spolders

Die Adventure Racing World Series ist einer der härtesten Wettbewerbe der Welt. Seit 2001 bemühen sich Extremsport-Teams aus der ganzen Welt, jedes Jahr verschiedene Touren durch unwegsames Gelände möglichst schnell hinter sich zu bringen, um möglichst viele Punkte für ihre Team zu sammeln – und um am Ende Weltmeister zu werden. Nach Etappen in Neuseeland, Sdüafrika, den USA, Großbritannien und Frankreich stand als letzter Halt Ecuador im Terminkalender.

Den WM-Titel hatte auch Mikael Lindnord im Visier. Mit seinem Team Peak Performance, einem Sportartikel-Hersteller aus Schweden, hatte er den Großteil der knapp 700 Kilometer langen Strecke in Ecuador schon hinter sich gebracht, als sein Team in einem Hotel entlang der Strecke eintraf, um sich vor der finalen Etappe zu erholen. Die Schweden war dreckig und fix und fertig von den Anstrengungen des bisherigen Tages. Zwischen der Mountainbike- und Wandertour wollten sie sich noch stärken. Es gab Fleischbällchen.

Lindnord hatte Mitleid

Und als Lindnord, Simon Niemi, Staffan Björklund und Karen Lundgren (in jedem Vierer-Team muss mindestens eine Frau dabei sein) so da saßen irgendwo im südamerikanischen Hinterland, entdeckte der Team-Kapitän einen Hund. Auch er war dreckig und fix und fertig und mindestens genauso hungrig wie die Schweden. Lindnord sah, dass das Tier blutete, und dass er sich dem Hund besser nicht nähern sollte, schließlich wisse er nicht, was für Krankheiten er sich einfangen könnte. Doch er hatte Mitleid und warf dem Hund ein Fleischbällchen hin. Es sollte der Beginn einer wunderbaren Freundschaft werden.

Denn der Hund entschloss sich, das Team zu begleiten. Als die Schweden aufbrachen, folgte der Hund dem Quartett. Zunächst unbemerkt, doch irgendwann sahen die Sportler, dass er sie begleitete. Erst über die aspahltierten Straßen, aber dann auch durch den matschigen Regenwald und sogar durch einen Fluss. "Die Organisatoren haben gesagt, dass wir den Hund besser zurücklassen sollten – sowohl zu unserer eigenen als auch zu seiner Sicherheit", sagt Lindnord. Doch Arthur, wie sie den Hund während ihrer Tour in Anlehnung an König Artus aus diversen europäischen Sagen nannten, dachte nicht daran, sein Team zu verlassen.

Wettbewerb verloren, Freund gewonnen

Auch dann nicht, als es sich mit einem Kajak durch einen Fluss kämpfte. "Er schwamm uns einfach hinterher", sagt der Kapitän. "Es war so herzzerreißend, dass wir ihn ins Boot geholt haben." Ihre Paddel-Technik passten sie auf der knapp 58 Kilometer langen Fahrt so an, dass sie den Hund nicht vom Kajak stießen. Manchmal sprang er zwar wieder raus, wollte dann aber doch zurück an Bord.

Am Ziel angekommen war an den WM-Titel nicht mehr zu denken. Das Team Peak Performance liegt nur noch auf dem 19. und damit letzten Rang, zusammen mit einem Team aus Dänemark. "Wir flogen nach Ecuador, um den WM-Titel zu gewinnen", sagte Lindnord. "Stattdessen haben wir einen neuen Freund gefunden." Und viele Fans. Schon während der Tour applaudierten Zuschauer dem Team mit dem streunenden Hund, Medien griffen die Geschichte auf, selbst in ihrer schwedischen Heimat wurde über die rührende Geschichte berichtet.

Eine Stiftung in Arthurs Namen

Da sie sich so angefreundet hatten, ließen sie Arthur nach ihrer gemeinsamen Reise nicht im Stich. Noch in Südamerika setzte sich Lindnord mit dem schwedischen Landwirtschafts-Ministerium in Verbindung. "Als ich erfahren habe, dass wir ihn mit nach Schweden nehmen dürfen, hatte ich Tränen in den Augen", sagt er.

Und so lebt Arthur nun in Schweden. Allerdings steht er in den kommenden Monaten noch unter Quarantäne, Tierärzte kümmern sich darum, dass er keine Krankheiten nach Europa einschleppt. "Das ist auch vollkommen in Ordnung so, schließlich haben meine Frau und ich eine eineinhalbjährige Tochter – und wir wollen sie keiner Gefahr aussetzen", sagte Lindnord dem schwedischen Portal Allehanda.

Ab dem 20. März 2015 darf der Hund dann bei den Lindnords leben. Zudem will die Familie ein Stiftung gründen, um obdachlosen Hunden in Ecuador zu helfen. "Arthur ist ein Freund geworden", sagen sie. "Und wenn sein Schicksal dazu beitragen kann, anderen Hunden zu helfen, wäre das fantastisch."

Hier geht es zu den Bildern der Reise.

Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Arthur – die rührendste Hunde-Geschichte des Jahres


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.