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Hut-Polizei an der Pferderennbahn
Ascot geht gegen Modesünder vor

Ascot jagt Modesünder
Ascot jagt Modesünder FOTO: afp, CARL COURT
London. Das Pferderennen "Royal Ascot" zählt zu den großen gesellschaftlichen Ereignissen in England. Erstmals setzen die Veranstalter so genannte "Dress-Code-Assistenten" ein, um die strenge Kleiderordnung zu überwachen. Wer einen zu kleinen Hut hat, muss sich für 50 Pfund einen größeren leihen. Von Alexei Makartsev

Bei den Londoner Hutmachern klingeln die Kassen. In der Grafschaft Berkshire hat das glanzvollste Pferderennen der Welt begonnen, und natürlich haben Tausende Britinnen wieder kleine Vermögen für all die ausgefallenen Blumen, bunten Schmetterlinge, zarten Fächer und Vogelnester aus Seide auf ihren Köpfen ausgegeben, mit denen sie als eine der Hauptattraktionen des "Royal Ascot" den galoppierenden Pferden Konkurrenz machen wollen.

301 Jahre nach dem ersten Rennen in der Heide unweit des Windsor-Palastes werden bis Samstag 300 000 Zuschauer beim gesellschaftlichen Höhepunkt der englischen Sommersaison erwartet.

"Dress-Code-Assistenten"

Wie immer werden die Gäste des legendären Hippodroms Tausende Kilogramm Lobster und Räucherlachs verzehren und ihre Sandwiches mit edlem Champagner hinunterspülen. Eines ist jedoch beim diesjährigen Ascot neu: Die Veranstalter setzen erstmals so genannte "Dress-Code-Assistenten" ein, die die verschärfte Kleiderordnung auf den teureren Plätzen überwachen und gegen die Modesünder vorgehen sollen.

Jedes Jahr ignorieren Besucher die Stilempfehlungen von Charles Barnett, der auf der königlichen Tribüne und im etwas weniger elitären "grandstand" weder nackte Schultern und Oberschenkel noch krawattenlose Hälse oder unbedeckte Köpfe sehen will. "Manche sehen aus, als würden sie an den Strand gehen wollen", stöhnte in der Vergangenheit der Direktor der Rennbahn.

Es gilt eine strenge Kleiderordnung

Damit ist jedoch seit Januar Schluss. Nachdem sich angeblich viele traditionsbewusste Ascot-Besucher über die Modemuffel in ihren Reihen beschwert haben, bestehen jetzt die Organisatoren auf der strikten Einhaltung der "formellen Kleiderordnung". Sie besagt: Stresemann, Zylinder und schwarze Schuhe sind Pflicht für die Herren in der "royal enclosure", wo man Mitglieder der Königsfamilie aus der Nähe erleben kann.

Bei den Damen müssen die Röcke und Kleider unbedingt "knielang oder länger" sein. Die größte Änderung betrifft die "fascinators", einen mit Federn und Blumen geschmückten Hutersatz, den auch Prinz Williams Ehefrau Catherine gerne trägt. Weil die Damenhüte auf der "königlichen Tribüne" ab sofort einen Mindestdurchmesser von zehn Zentimetern haben müssen, wurden alle "fascinators" in den Bereich für das gemeine Publikum verbannt.

Beim ersten Versuch gab es einen Skandal

Vor sechs Monaten unterrichtete Ascot sein Publikum von den strengeren Regeln. Ein erster Versuch, bei einem Rennen im Januar ihre Einhaltung einzufordern, endete jedoch mit einem Skandal. Die Angestellten der Rennbahn klebten kleine orangefarbene Aufkleber auf die Kleidung von etwa 100 Pferdefans, die ihnen unpassend erschien. Es gab eine Welle von wütenden Beschwerden, und Charles Barnett musste sich vor den bloßgestellten Gästen entschuldigen und ihre Eintrittsgebühren erstatten.

Die neue "Modepolizei" bei Ascot geht subtiler vor. 30 speziell trainierte Mitarbeiter der Rennbahn sprechen am Eingang die "falsch gekleideten" Damen und Herren an und fordern sie höflich dazu auf, ihr Outfit "zu verbessern". Wer keinen Hut hat, wird sich gegen eine Gebühr von 50 Pfund eine größere Kopfbedeckung leihen müssen.

(RP/pst/sap)
 
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