Verheerende Brände in Russland: Atom-Anlage: Notstand ausgerufen
zuletzt aktualisiert: 09.08.2010 - 15:35Moskau (RPO). In Russland ist bei den verheerenden Wald- und Moorbränden keine Entspannung in Sicht. Zunehmend machen sich die Behörden Sorgen um ihre atomaren Anlagen. Für eine Wiederaufbereitungsanlage im Ural wurde am Nachmittag der Notstand verhängt. Dies teilten die örtlichen Behörden auf ihrer Internetseite mit. Auch anderen Anlagen mit verstrahltem Material droht Gefahr. Russlands Meteorologen sprechen indes von einer "Jahrtausendhitze".
Angesichts der herannahenden Feuersbrunst haben die russischen Behörden am Montag in der Umgebung einer atomaren Wiederaufbereitungsanlage im Ural den Notstand verhängt. Bei dem betroffenen Gelände handelt sich um die Anlage von Majak, wo atomare Abfälle gelagert und wiederaufbereitet werden. Dies teilten die örtlichen Behörden auf ihrer Internetseite mit.
Brennende Fläche verdreifacht
Seit Freitag hat sich im Großraum Moskau die brennende Fläche auf 210 Hektar verdreifacht. Neben der Anlage on Majak, dem Atomforschungszentrum in Sarow bedrohen die Waldbrände in Russland auch das Nuklearzentrum Sneschinsk im Ural. Katastrophenschutzminister Sergej Schoigu wies die Feuerwehr am Sonntag an, die ganze Nacht über zu arbeiten, um die Brände rund um das 1500 Kilometer östlich von Moskau gelegene Forschungszentrum in den Griff zu bekommen. Es müssten nur noch sieben Hektar gelöscht werden, "das ist kein großes Gebiet", sagte Schoigu bei einem vom Fernsehen direkt übertragenen Treffen mit führenden Vertretern der Waldbrand-Regionen.
Vergangene Woche hatten die Brände bereits das wichtigste Atomwaffen-Forschungszentrum bei Sarow, etwa 500 Kilometer östlich der Hauptstadt, bedroht. Vorsorglich waren alle radioaktiven und explosiven Materialien fortgebracht worden. Die Lage dort war nach Angaben Schoigus wieder unter Kontrolle. Alle Brandherde seien gelöscht, die bei Sarow zur Brandbekämpfung eingesetzten Soldaten inzwischen an andere Orte verlegt worden.
Dichte Rauchdecke über Moskau
Moskaus Bürgermeister Juri Luschkow, der bislang zu den Feuern geschwiegen hatte, brach nach Angaben der Stadtverwaltung seinen Urlaub ab. Über der Hauptstadt Moskau liegt seit Tagen eine dichte Rauchdecke, die zusammen mit der extremen Hitze das Leben unerträglich macht. Die Schadstoffbelastung in der Metropole mit ihren 10,5 Millionen Einwohnern lag das Sechsfache über den zulässigen Werten.
Der von den Bränden herrührende beißende Qualm bahnte sich mittlerweile seinen Weg in U-Bahn-Schächte. Viele Moskowiter tragen Atemschutzmasken. Meteorologen zufolge wird die Stadt noch bis Mittwoch unter einer dicken Rauchwolke versinken. Die Bundesregierung liefert als Sofortmaßnahme 100.000 Atemschutzmasken. Die Behörden riefen die Bevölkerung auf, die Häuser möglichst nicht zu verlassen.
"Die Kühlboxen sind voll"
Ein Moskauer Krankenhausarzt berichtete im Internet, die Zahl der an Herzschlag und Atemwegserkrankungen gestorbenen Menschen sei rapide angestiegen. "Die Kühlboxen (für die Leichen) sind voll." Allerdings seien die Mediziner - wie zu Sowjetzeiten üblich - angewiesen worden, die Todesursachen zu verschweigen.
"Wir dürfen die Diagnose nicht nennen. Wir wollen nicht entlassen werden, weil wir Familien zu ernähren haben", schrieb der anonym gebliebene Arzt auf einer Internetseite. Ein anderer Arzt, der seinen Namen ebenfalls nicht genannt wissen will, berichtete von ähnlichen Vorgaben. Die Stadtverwaltung lehnte eine Stellungnahme zu den Vorwürfen ab.
Anhaltende Hitze und beißender Smog haben in Moskau die Sterberate in die Höhe schnellen lassen. Die Zahl der Sterbefälle verdoppelte sich auf täglich etwa 700. In den Leichenhallen der russischen Hauptstadt waren 1300 Tote aufgebahrt, nur 200 unter der Kapazitätsgrenze, wie Nachrichtenagenturen am Montag den Leiter der Gesundheitsbehörde, Andrej Selzkowki, zitierten.
"Jahrtausendhitze"
Angesichts der beispiellosen Sommertemperaturen in Russland sprechen Meteorologen mittlerweile von einer Jahrtausendhitze. "Seit der Gründung unseres Landes, also in den vergangenen tausend Jahren, ist eine vergleichbare Hitzewelle weder von uns noch von unseren Vorfahren beobachtet worden", sagte der Chef des staatlichen Wetterdienstes Rosgidromet, Alexander Frolow, am Montag im Fernsehen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum