Terroranschlag in den USA vereitelt: Attentäter handelte offenbar allein
zuletzt aktualisiert: 26.12.2009 - 17:54Romulus/USA (RPO). In den USA ist ein Bombenanschlag auf eine mit fast 300 Menschen besetzte Passagiermaschine vereitelt worden. Ein Nigerianer versuchte kurz vor der Landung in Detroit, den Airbus der Fluggesellschaft Northwest Airlines in die Luft zu sprengen. Der Mann ist offenbar ein Einzeltäter. In Deutschland denkt man jetzt über höhere Sicherheitsstandards nach.
In den USA ist ein Terroranschlag auf eine vollbesetzte Passagiermaschine vereitelt worden. Nach Angaben von US-Behörden versuchte ein 23-jähriger Nigerianer am Freitag kurz vor der Landung eines Airbus A330 auf dem Flughafen von Detroit einen Sprengsatz zu zünden, bevor er von Passagieren und Besatzung überwältigt wurde. Die US-Regierung forderte alle Fluglinien auf, ihre Sicherheitsvorkehrungen für Flüge in die USA zu erhöhen.
Explosive Mischung aus Pulver und Flüssigkeit
Nach Angaben des US-Geheimdienstes hatte der Nigerianer den Sprengsatz offenbar an seinen Beinen befestigt. Er habe eine Mischung aus Pulver und Flüssigkeit zur Explosion bringen wollen, die aber nicht richtig gezündet habe, sagte ein Gewährsmann. Die aus Nigeria über Amsterdam kommende Maschine konnte am Freitag sicher in Detroit landen.
Das Weiße Haus erklärte, man gehe von einem versuchten Terrorakt aus. Auch das Bundesinnenministerium prüft nach Angaben einer Sprecherin eine punktuelle Erhöhung der Luftsicherheitsstandards. "Wir gehen nach wie vor von einer hohen Gefährdung für Deutschland aus, aber wir sehen keine Veränderung der aktuellen Sicherheitslage", sagte die Sprecherin am Samstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur DAPD. In Deutschland gälten bereits die "höchsten Sicherheitsstandards in Bezug auf die Luftsicherheit der Welt".
Die Londoner Polizei erklärte, in der britischen Hauptstadt gebe es nach dem versuchten Anschlag Durchsuchungen. Einzelheiten wurden nicht bekannt. Die nigerianische Regierung sagte den US-Behörden ihre Zusammenarbeit zu und kündigte eigene Ermittlungen an. Auch die Schweizer Fluggesellschaft Swiss kündigte verstärkte Sicherheitsvorkehrungen an.
Verdächtiger stand in Geheimdienst-Datenbank
Der Name des Nigerianers wurde nach Angaben aus Behördenkreisen bereits in mindestens einer Datenbank des Geheimdienstes geführt. Der Mann habe aber nicht unter besonderer Beobachtung gestanden.
Er selbst erklärte laut Polizei, er sei von Al Kaida instruiert worden, die Maschine auf amerikanischem Boden in die Luft zu sprengen. Ob er tatsächlich Verbindungen zu dem Terrornetzwerk hat, war zunächst allerdings unklar. Es könne sich auch um einen Einzeltäter handeln, sagten Gewährsleute am Freitag. Der republikanische Abgeordnete Peter King sagte dem Sender CNN, der Mann habe die Maschine in Nigeria bestiegen.
Der Verdächtige wurde von Passagieren überwältigt, die Rauch bemerkt und einen Knall gehört hatten. "Es klang wie ein Feuerwerkskörper in einem Kopfkissen", sagte der Reisende Peter Smith aus den Niederlanden. Unter den Reisenden sei Panik ausgebrochen, sagte ein weiterer Passagier, Syed Jafri. Der Nigerianer erlitt Augenzeugen zufolge Brandverletzungen an den Beinen und wurde nach Geheimdienstangaben im Krankenhaus behandelt. Auch ein Passagier wurde in eine Klinik gebracht.
Alle Passagiere in Nigeria überprüft
Flug 253 von Northwest Airlines war mit Ziel Detroit in Nigeria gestartet und hatte einen Zwischenstopp in Amsterdam. An Bord waren 278 Passagiere und elf Besatzungsmitglieder. Eine Sprecherin des Amsterdamer Flughafens Schiphol wollte sich zu dem Zwischenfall und den Sicherheitsvorkehrungen vor dem Start nicht äußern. Die Flughafenbehörde in Nigeria erklärte, alle Reisenden und ihr Gepäck seien vor dem Start überprüft worden. Das Vorgehen entspreche den Sicherheitsstandards.
Nach Angaben der niederländischen Anti-Terror-Behörde NCTB hat der 23-Jährige über ein gültiges Visum für die USA verfügt. Der junge Nigerianer sei von Lagos nach Amsterdam geflogen und habe dort einen Anschlussflug nach Detroit genommen, teilte die Behörde am Samstag mit. Nach ersten Ermittlungen habe die Fluglinie Northwest Airlines vor dem Abflug in Amsterdam-Schiphol vorschriftsmäßig eine Liste mit den Angaben der Passagieren an die US-Behörden weitergeleitet und daraufhin von diesen die Erlaubnis zum Start erhalten.
Laut NCTB erfolgte am Flughafen Amsterdam-Schiphol zudem eine Sicherheitskontrolle, die "nach ersten Ermittlungen den Vorschriften entsprechend durchgeführt wurde". Allerdings könne nicht ausgeschlossen werden, dass "potenziell gefährlich Gegenstände, die mit den heutigen Sicherheitstechnologien schwer zu finden sind", mit an Bord gebracht worden seien.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum