Anschlag in den USA vereitelt: Attentäter ist offenbar Sohn eines Bankiers
zuletzt aktualisiert: 26.12.2009 - 19:22Lagos (RPO). Passagiere haben in den USA einen Terroranschlag auf einen Airbus verhindert. Ein 23-jähriger Nigerianer wollte die Maschine des Typs A330, die auf dem Weg von Amsterdam nach Detroit war, kurz vor der Landung sprengen. Der Mann, der bereits in mindestens einer Datenbank des US-Geheimdienstes geführt wird, ist offenbar der Sohn eines prominenten Bankiers.
Eine mit fast 300 Menschen besetzte Passagiermaschine ist am Weihnachtstag in den USA nur knapp einer Katastrophe entgangen. Ein Nigerianer versuchte nach Behördenangaben kurz vor der Landung in Detroit, den Airbus der Fluggesellschaft Northwest Airlines in die Luft zu sprengen. Jetzt hat sich ein prominenter nigerianischer Bankier als möglicher Vater des mutmaßlichen Luftverkehrsattentäters aus Nigeria zu erkennen gegeben.
Sicherheitsbehörden sollen Identität ermitteln
Er wolle sich darüber nun mit den Sicherheitsbehörden in der nigerianischen Hauptstadt Abuja austauschen, erklärte der Banker am Samstag. Demnach stimmt der Name des Mannes, der offenbar eine Passagiermaschine auf dem Weg von Amsterdam nach Detroit kurz vor der Landung zum Absturz bringen wollte, mit dem seines Sohnes überein. Dieser habe in London studiert und die britische Hauptstadt zu Reisezwecken verlassen. Das Ziel sei ihm jedoch nicht bekannt gewesen, erklärte der mutmaßliche Vater des an Bord der Northwest Airlines verhafteten Mannes.
Dieser gab an, im Auftrag des Terrornetzwerks Al Kaida zu handeln. Der 23-Jährige wurde von Mitreisenden überwältigt und festgenommen. Nach dem versuchten Anschlag erwägt auch das Bundesinnenministerium eine Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen für den Luftverkehr.
Sprengsatz am Bein befestigt
Nach Angaben des US-Geheimdienstes hatte der Nigerianer den Sprengsatz offenbar an seinen Beinen befestigt. Er habe eine Mischung aus Pulver und Flüssigkeit zur Explosion bringen wollen, die aber nicht richtig gezündet habe, sagte ein Gewährsmann. Die aus Nigeria über Amsterdam kommende Maschine konnte am Freitag sicher in Detroit landen.
Das Weiße Haus erklärte, man gehe von einem versuchten Terrorakt aus. Landesweit sollten die Sicherheitsvorkehrungen für Inlands- und internationale Flüge verschärft werden. Auf dem Amsterdamer Flughafen wurden Reisende mit Ziel USA am Samstag Leibesvisitationen unterzogen.
Bund prüft Erhöhung der Sicherheitsstandards
Auch das Bundesinnenministerium prüft eine punktuelle Erhöhung der Luftsicherheitsstandards. "Wir gehen nach wie vor von einer hohen Gefährdung für Deutschland aus, aber wir sehen keine Veränderung der aktuellen Sicherheitslage", sagte eine Sprecherin am Samstag. In Deutschland gälten bereits die "höchsten Sicherheitsstandards in Bezug auf die Luftsicherheit der Welt".
Der Londoner Polizei zufolge gab es in der britischen Hauptstadt Durchsuchungen. Einzelheiten wurden nicht bekannt. Die Universität London erklärte, ein Student gleichen Namens wie der mutmaßliche Attentäter habe dort bis Juni 2008 Maschinenbau studiert. Die nigerianische Regierung sagte den US-Behörden ihre Zusammenarbeit zu und kündigte eigene Ermittlungen an.
Verdächtiger stand in Geheimdienst-Datenbank
Der Name des Nigerianers wurde nach Angaben aus Behördenkreisen bereits in mindestens einer Datenbank des Geheimdienstes geführt. Der Mann habe aber nicht unter besonderer Beobachtung gestanden.
Er selbst erklärte laut Polizei, er sei von Al Kaida instruiert worden, die Maschine auf amerikanischem Boden in die Luft zu sprengen. Ob er tatsächlich Verbindungen zu dem Terrornetzwerk hat, war zunächst allerdings unklar. Es könne sich auch um einen Einzeltäter handeln, sagten Gewährsleute. Der republikanische US-Abgeordnete Peter King sagte dem Sender CNN, der Mann habe die Maschine in Nigeria bestiegen.
Der Verdächtige wurde von Passagieren überwältigt, die Rauch bemerkt und einen Knall gehört hatten. "Es klang wie ein Feuerwerkskörper in einem Kopfkissen", sagte der Reisende Peter Smith aus den Niederlanden. An Bord sei Panik ausgebrochen, sagte ein weiterer Passagier, Syed Jafri. Der Nigerianer erlitt Augenzeugen zufolge Brandverletzungen an den Beinen und wurde nach Geheimdienstangaben im Krankenhaus behandelt. Auch ein Passagier wurde in eine Klinik gebracht.
Alle Passagiere in Nigeria überprüft
Flug 253 von Northwest Airlines war mit Ziel Detroit in Nigeria gestartet und hatte einen Zwischenstopp in Amsterdam. Dort mussten die Passagiere nach Angaben der Gesellschaft KLM das Flugzeug wechseln. An Bord waren 278 Passagiere und elf Besatzungsmitglieder.
Eine Sprecherin des Amsterdamer Flughafens Schiphol wollte sich zu dem Zwischenfall und den Sicherheitsvorkehrungen vor dem Start nicht äußern. Die Flughafenbehörde in Nigeria erklärte, alle Reisenden und ihr Gepäck seien vor dem Start überprüft worden. Das Vorgehen entspreche den Sicherheitsstandards. Dies habe die US-Verkehrssicherheitsbehörde (TSA) erst im November bestätigt.
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