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Attentäter von Orlando war wohl in schwuler Szene aktiv

Große Trauer nach Orlando-Attentat
Große Trauer nach Orlando-Attentat FOTO: afp
Orlando. Der mutmaßliche Massenmörder von Orlando wurde offenbar durch extremistische Botschaften im Internet zum Massaker in dem Schwulenclub getrieben. Die Bar soll er laut Augenzeugen vorher mehrmals besucht und Kontakte zu Homosexuellen gesucht haben.

Omar Mateen handelte nach Einschätzung der US-Regierung allein. Es gebe keine Hinweise darauf, dass er Anweisungen von anderen erhalten habe oder dass er Teil eines größeren Netzwerks gewesen sei, sagte Präsident Barack Obama. Vermutlich hätten ihn extremistische Botschaften im Internet dazu gebracht, in einem Schwulenclub 49 Menschen zu erschießen.

Es scheine Parallelen zu den Angreifern von San Bernardino im vergangenen Jahr zu geben, die nach Ansicht der Ermittler ebenfalls alleine gehandelt hatten, aber zumindest teilweise von der Terrormiliz Islamischer Staat inspiriert waren, sagte Obama. Nach einem Briefing durch FBI-Direktor James Comey und Heimatschutzminister Jeh Johnson betonte der US-Präsident aber, dass die Ermittlungen noch im Anfangsstadium seien.

Sympathie für verschiedene Terrororganisationen

Mateen habe in der Mordnacht aus dem Club dreimal mit der Polizei telefoniert und im letzten Gespräch seine Gefolgschaft für IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi erklärt, sagte Comey. "Es sieht so aus, als hätte er sich im letzten Moment zum IS bekannt", erklärte Obama.

Überhaupt schien Mateens über ein bruchstückhaftes Verständnis verschiedener islamistische Gruppen zu verfügen: In seinen Telefonaten mit der Notrufzentrale berief er sich nicht nur auf den IS, sondern zeigte sich mit einem Selbstmordattentäter der syrischen Rebellengruppe Nusra-Front solidarisch, wie Comy mitteilte. Noch vor einigen Jahren habe Mateen auch mit Verbindungen zur Hisbollah geprahlt. Sowohl letztere Gruppe als die Nusra-Front sind mit dem IS verfeindet. Es gebe indes klare Hinweise auf eine Radikalisierung, inspiriert von einer ausländischen Terrororganisation, sagte Comey weiter.

Attentäter besuchte Schwulenclub mehrmals

Nach Aussagen von Stammgästen war Omar Mateen vor dem Massaker öfter in dem Schwulenclub zu Gast. "Er versuchte, Leute abzuschleppen. Männer", sagte der 71-jährige Jim Van Horn, der selbst oft im Pulse war. Auch andere Gäste bestätigten, dass sie Mateen dort mehrmals gesehen hätten, bevor er Samstagnacht mit einem Sturmgewehr um sich schoss und 49 Menschen tötete.

Schon in der Vergangenheit war der Attentäter wohl Gast in dem Club FOTO: afp, jr

Die Aussagen der Stammgäste deuteten darauf hin, dass Mateen selbst schwul gewesen sein und damit ein Problem gehabt haben könnte. Sein Vater sagte, der Sohn sei kürzlich wütend geworden, als er zwei Männer beim Küssen gesehen habe. Allerdings gab es auch Berichte, wonach Mateen Disneyworld in Orlando hatte angreifen wollen. FBI-Direktor Comey sagte, auch diese Möglichkeit werde untersucht.

"Manchmal ging er in die Ecke und saß und trank da alleine, andere Male war er so betrunken, dass er laut und aggressiv wurde", sagte der Kunde Ty Smith dem "Orlando Sentinel". Er habe Mateen mindestens ein dutzendmal im Club gesehen. Stammgast Van Horn sagte der Nachrichtenagentur AP, er habe sich einmal mit Mateen unterhalten und dieser habe ihm von seiner Exfrau erzählt. Freunde hätten ihn dann weggeführt, weil sie nicht wollten, dass er mit diesem "komischen Typen" spreche. Die Exfrau selbst beschrieb Mateen als gewalttätig und psychisch labil.

Andere Augenzeugen erklärten, Mateen habe auch eine bei Schwulen populäre Dating-App benutzt. Der "Pulse"-Stammgast Kevin West sagte der "Los Angeles Times", er habe etwa ein Jahr lang immer wieder über eine schwule Dating-App Kontakt mit Mateen gehabt. Auch andere Männer berichteten in US-Medien, sie hätten über diverse einschlägige Kontakt-Apps in Verbindung mit Mateen gestanden; dieser habe Bekanntschaften für Begegnungen gesucht.

Andacht für die Opfer im Zentrum von Orlando

Am Montagabend versammelten sich mehrere Tausend Menschen in Orlando und gedachten der Opfer der Terrorattacke. Etliche von ihnen trugen Regenbogenflaggen oder Blumen bei sich. Auf Plakaten waren Botschaften wie "Liebe siegt" und "Orlando ist stärker" zu lesen. Auch die Namen der Toten wurden verlesen.

Viele der Teilnehmer erklärten, sie seien gekommen, weil der Club Pulse eine große Rolle in ihren Leben als Schwule und Lesben gespielt habe. "Es war der Ort, an dem eine junge 20-Jährige, die nicht offen homosexuell war, sich zum ersten Mal sicher fühlte", sagte die heute 36 Jahre alte Cathleen Daus. "Pulse gab mir Selbstvertrauen, ließ mich realisieren, dass ich normal und so wie jeder andere war."

(crwo/dpa/ap)
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