Afghanische Frauen zu Sex verpflichtet: Aufgebrachte Menge will neues Eherecht
zuletzt aktualisiert: 15.04.2009 - 17:01Kabul (RPO). Menschenrechtsaktivisten wollten in Afghanistan gegen eine umstrittene Eherechtsreform protestieren. Eine aufgebrachte Menge hat der Kundgebung ein vorzeitiges Ende bereitet. Angesichts von etwa 500 Gegendemonstranten brachen die rund 50 Kritiker des neues Gesetzes ihre Proteste ab. Nach dem umstrittenen neuen Eherecht dürfen Frauen ihren Männern Sex nicht verweigern.
Zunächst demonstrierten vor der Universität von Kabul etwa 50 weibliche Abgeordnete und Menschenrechtsaktivisten gegen die geplante Ehe- und Familienrechtsreform. Die Neuregelung für die schiitische Minderheit beleidige die Würde der Frauen, kritisierten die Demonstranten. "Wir wollen kein Taliban-Gesetz, wir wollen ein demokratisches Gesetz und ein Gesetz, dass menschliche Würde garantiert", sagte ein schiitischer Geistlicher.
Kurz nach Beginn bedrängten etwa 500 Menschen den Protestzug. Unter den Gegendemonstranten, die für das neue Eherecht eintraten, waren etwa 200 schiitische Frauen. "Gegen dieses Gesetz zu sein bedeutet, sich gegen den Islam aufzulehnen", sagte einer von ihnen. Wegen der zahlenmäßigen Übermacht der Gegendemonstranten zogen sich die Menschenrechtsaktivisten zurück.
Lehrer und Polizei mit Steinen beworfen
Im Westen Kabuls wurden ein Lehrer und Polizisten mit Steinen beworfen, nachdem der Lehrer sich offenbar gegen die Eherechtsreform ausgesprochen hatte. "Dieser Lehrer ist ein Ungläubiger", rief ein Mann in der Menge. Die Polizei bildete einen Sicherheitsring und gab Warnschüsse in die Luft ab. Vier Menschen, die die Menge zu Gewalt angestachelt hätten, seien festgenommen worden, teilte ein Sprecher des Innenministeriums mit. Verletzt worden sei niemand. Ein Polizeisprecher sprach hingegen von einem Verletzten.
Staatschef will Gesetz überprüfen
Das neue Eherecht soll für die Schiiten im Land gelten, deren Anteil an der Bevölkerung rund 15 Prozent beträgt. Es sieht unter anderem vor, dass Frauen ihren Männern Sex nicht verweigern und nur in Notfällen ohne Erlaubnis des Ehemanns das Haus verlassen dürfen. Wegen internationaler Kritik, unter anderem aus den USA und Deutschland, hatte Staatschef Hamid Karsai eine Überprüfung des Gesetzes angeordnet, obwohl er es schon unterzeichnet hatte. Er versprach, dass alle Verstöße gegen Frauenrechte gestrichen würden.
Die Gründerin der Organisation "Frauen ohne Grenzen", die Österreicherin Edit Schlaffer, forderte angesichts der Missachtung von Frauenrechten in Afghanistan, Hilfsgelder stärker an Bedingungen zu knüpfen. Es sei "einfach unglaublich", wie in Afghanistan an den Frauen vorbei reformiert worden sei, sagte Schlaffer im Deutschlandradio Kultur. Die internationale Gemeinschaft dürfe "unter keinen Umständen wegschauen", wenn Politikerinnen oder Lehrerinnen von Extremisten ermordet würden.
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