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"Nebelduschen" an Gedenkstätte
Kontroverse um Sprinkler in Auschwitz

Auschwitz: Aufregung um Sprinkler
Diese Sprinkler sorgen mit ihren Wasserduschen in Auschwitz für Aufregung. FOTO: dpa, gj ase
Oswiecim . Darf man sich in Auschwitz mit einer Sprinkleranlage an heißen Tagen abkühlen? Im Internet sorgt die Einrichtung für Empörung. Dabei war sie nur gut gemeint.

Es sollte eine Möglichkeit der Erfrischung an heißen Sommertagen sein, doch in sozialen Netzwerken ist von einer makabren Pietätlosigkeit die Rede: Mit einer Sprinkleranlage vor dem Eingang zum Museum hat die Gedenkstätte Auschwitz für Aufregung gesorgt, die "Nebelduschen" sollen die Besucher abkühlen. Im Kurznachrichtendienst Twitter kritisierte etwa Rabbi Steven Burg am Montag die "Duschen" als "bizarr, verletzend und geschmacklos".

In israelischen Medien wurde über verstörte Reaktionen älterer Besucher berichtet, die beim Anblick von "Duschköpfen" als erstes an die als Duschen getarnten Gaskammern von Auschwitz-Birkenau dachten. Darin ermordeten die Nationalsozialisten mehr als eine Million Menschen.

Auschwitz: Bilder vom Ort des Verbrechens FOTO: RP/Sebastian Fuhrmann

Pawel Sawicki von der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau begründete die Sprinkleranlage vor dem Eingang zu der eigentlichen Gedenkstätte mit der anhaltenden Hitzeperiode mit Temperaturen um 35 Grad. "Die Menschen stehen in der prallen Sonne und ohne Möglichkeit, im Schatten Schutz zu suchen. Wir hatten schon Fälle von Ohnmachten unter den Wartenden", sagte er. Das Museum müsse daher "alles tun, um Gesundheitsrisiken zu minimieren".

"Ich kann daran nichts Missverständliches finden. Für mich ist das eine menschliche Geste an die Besucher, die auch bei dieser Hitze die Gedenkstätte besuchen", sagte Christoph Heubner, Exekutivpräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees, der am Montag selbst das Museum besuchte. "Wer sich abkühlen will, geht da mal rüber. Da gibt es keine respektlose Hampelei", sagte er über das Verhalten der Besucher.

In den Sommermonaten ist der Besucherandrang besonders groß. Nachdem zu Jahresbeginn verstärkte Sicherheitsmaßnahmen eingeführt worden waren, bilden sich vor dem Eingang oft lange Schlangen.
Auschwitz-Birkenau war das größte der deutschen Vernichtungslager und gilt als Symbol für den Holocaust.

(dpa)
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