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13 Tote in Johannesburg: Ausländerfeindlicher Mob zündet Menschen an

zuletzt aktualisiert: 19.05.2008 - 12:47

Johannesburg (RPO). Im südafrikanischen Johannesburg regieren seit dem Wochenende Anarchie und Gewalt. Junge Südafrikaner machen Jagd auf Ausländer. 13 Menschen sind tot. Die Menge wütete hemmungslos. Sie schlägt auf Unschuldige ein, zündet Menschen an, wirft sie aus dem Fenster. Die Regierung verurteilt die Vorfälle. Sie fürchtet um das Image des WM-Gastgebers.

In den armen Vororten der Stadt wütet der radikalisierte Mob. Er macht Jagd auf die zugewanderte Gastarbeiter, plündert Wohnhäuser und Geschäfte. 50 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt, Hunderte suchten vor dem wütenden Mob Schutz in Polizeirevieren, wie Polizeisprecher Govindsamy Mariemuthoo am Sonntag in der südafrikanischen Handelsmetropole erklärte. Zahlreiche Geschäfte und Wohnhäuser wurden geplündert und in Brand gesetzt.

Die Bilder aus Johannesburg zeigen einen wütenden Mob, der Knüppel und Messer über dem Kopf schwingt. In einer Aufnahme ist zu sehen, wie ein Polizist mit einem Feuerlöscher einen Mann rettet, den sie angezündet haben. Er kam gerade rechtzeitig. Andere Bilder zeigen brennende Menschen, für die die Hilfe offenbar zu spät kommt.

Die Unruhen begannen kurz nach Mitternacht in der Elendssiedlung Cleveland in der Nähe des Stadtzentrums. Zwei Menschen seien verbrannt, drei weitere erschlagen und zwei erschossen worden, erklärte die Polizei. Mehr als 50 weitere wurden mit Schuss- und Stichwunden in Krankenhäuser gebracht. Ziel der Angriffe waren Ausländer, mehrheitlich Simbabwer. Die aufgebrachte Menge warf ihnen vor, den Südafrikanern Arbeit und Wohnraum streitig zu machen. Die Polizei setzte Tränengas ein, hatte aber offenbar Schwierigkeiten, die Lage unter Kontrolle zu bringen.

Mitverursachend für die Wut der jungen Südafrikaner ist nach Einschätzung von Beobachtern ihre eigene Hoffnungslosigkeit. Sie glauben, die Einwanderer nähmen ihnen die Arbeitsplätze weg. Sie wohnen in Siedlungen mit 40 Prozent Arbeitslosigkeit und Kriminalitätsraten, die weltweit beispiellos hoch sind. Die ausländischen Flüchtlinge finden da nicht viel Verständnis. "Die sollen in ihre Länder zurückgehen, die kommen hierher, um uns die Jobs wegzunehmen", klagt der Taxifahrer Sipho Zulu. Südafrikanische Firmen bevorzugten Ausländer, mault er, "weil sie glauben, Ausländer arbeiten härter als Südafrikaner".

Gastarbeiter aus Simbabwe

Die meisten der Einwanderer kommen aus Simbabwe, das in den vergangenen Jahren vollständig heruntergewirtschaftet wurde. Inzwischen sind schätzungsweise drei Millionen Menschen aus Simbabwe nach Südafrika gezogen. Im Vergleich zu Simbabwe mit 80 Prozent Arbeitslosigkeit und der höchsten Inflationsrate der Welt wirkt das Nachbarland am Kap auf den ersten Blick wie ein sicherer Hort.

Doch das ist nun vorbei. Anna Moyo, Sprecherin einer simbabwischen Einwandererorganisation, ist über die Gewalt entsetzt. Sie erinnert an die Jahre des südafrikanischen Apartheidregimes, als verfolgte Südafrikaner ihrerseits in den Nachbarländern Zuflucht fanden. "Sie sollten das zu schätzen wissen und friedlich mit anderen zusammenleben", fordert Moyo. Die Regierung müsse sich dringend mit dem Problem befassen.

Immerhin hat die Führung in Pretoria die Lage zur Kenntnis genommen. Der Chef der Regierungspartei ANC, Jacob Zuma, sagte: "Wir dürfen kein fremdenfeindliches Land sein (...) Wir sollten das letzte aller Völker sein, das ein Problem mit der Haltung zu den Brüdern und Schwestern hat, die von außen kommen." Präsident Thabo Mbeki kündigte die Einsetzung einer Untersuchungskommission an. Sie soll die Ursachen der Gewalt ergründen und herausfinden, "wer dahinter steckt".

Mbeki und Zuma verurteilen Ausschreitungen

Mbeki ordnete eine Untersuchung der Vorfälle an. Der Vorsitzende der Regierungspartei ANC und wahrscheinliche Nachfolger Mbekis, Jacob Zuma, verurteilte die Ausschreitungen: "Wir können nicht erlauben, dass Südafrika für Fremdenfeindlichkeit berühmt wird." Die Regierung bemüht sich im Hinblick auf die Fußballweltmeisterschaft 2010, das Image des Landes zu verbessern. Derzeit gilt Südafrika mit täglich etwa 50 Morden als eines der am meisten von Gewaltkriminalität heimgesuchten Länder der Welt.

Die Serie der Gewalt gegen Ausländer begann bereits in der vergangenen Woche im Township Alexandra und hat sich seitdem ausgebreitet. In Johannesburg leben hunderttausende Zuwanderer, viele von ihnen illegal.

Vertreter des Roten Kreuzes und anderen Hilfsorganisationen berichteten, dass zeitweise bis zu 3.000 Menschen vor den Ausschreitungen geflüchtet seien. "Es ist eine Krise", sagte der Landesvorsitzende von Ärzte ohne Grenzen (MSF), Eric Goemaere. Zahlreiche Patienten mit Schussverletzungen würden von der Organisation behandelt.

Quelle: ap

 
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