Schweigeminuten "down under": Australier in Singapur hingerichtet
zuletzt aktualisiert: 02.12.2005 - 06:33Singapur (rpo). Ungeachtet zahlreicher Gnadengesuche ist ein wegen Drogenbesitzes verurteilter Australier am Freitag in Singapur hingerichtet worden. Der 25-jährige Nguyen Tuong Van wurde am Morgen um 6 Uhr Ortszeit erhängt. Der gebürtige Vietnamese hatte im Jahr 2002 versucht, insgesamt 400 Gramm Heroin über Singapur nach Australien zu schmuggeln.
Nguyen, der nicht vorbestraft war, hatte angegeben, er habe mit dem Geld seinem Zwillingsbruder bei der Abtragung von Schulden helfen wollen. Mehrere Begnadigungsersuche waren von Singapur abgelehnt worden.
In Australien sorgte der Fall für große Empörung. Zum Zeitpunkt von Nguyens Hinrichtung versammelten sich in seiner Heimatstadt Melbourne mehrere hundert Menschen zu einem Gottesdienst. Viele weinten, als die Kirchenglocken 25 Mal anschlugen - einmal für jedes Lebensjahr des Todeskandidaten. Auch in Sydney kamen hunderte Menschen vor der Kathedrale St. Mary zu einer Schweigeminute für den jungen Australier zusammen. Banker in Anzug und Krawatte standen neben Punks mit lila Haaren. Fast alle Zeitungen widmeten der geplanten Hinrichtung Nguyens große Artikel auf den Titelseiten.
Der Ministerpräsident von Singapur, Lee Hsien Loong, hatte Nguyens Begnadigung noch am Donnerstag ausgeschlossen. "Alle Faktoren wurden berücksichtigt, aber die Regierung hat entschieden, dass das Gesetz angewendet werden muss, und das Gesetz wird angewendet werden", sagte Loong nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin. Auf eine persönliche Bitte des australischen Premierministers John Howard erlaubte Loong lediglich, dass Nguyen vor seinem Tod noch einmal seine Mutter und seinen Zwillingsbruder berühren durfte. Normalerweise dürfen die Angehörigen den Verurteilten nur durch eine Glasscheibe sehen.
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