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Jemen: Auswärtiges Amt bestätigt Entführung eines Deutschen

zuletzt aktualisiert: 01.02.2012 - 15:56

Berlin/Sanaa (RPO). Das Auswärtige Amt (AA) in Berlin hat die Entführung eines deutschen Entwicklungshelfers im Jemen bestätigt. Der Krisenstab im Auswärtigen Amt tue gemeinsam mit der Deutschen Botschaft in Sanaa und anderen zuständigen Behörden im Jemen alles in seiner Macht Stehende, "um den Fall einer guten Lösung zuzuführen", sagt ein AA-Sprecher am Mittwoch in Berlin.

"Alle Beteiligten arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung", versicherte eine Sprecherin des Ministeriums am Mittwoch in Berlin. Das genaue Schicksal der am Vortag verschleppten Mitarbeiter der Vereinten Nationen sei aber weiter unklar. Gleiches gelte auch für drei Mitglieder einer fünfköpfigen deutschen Familie, die 2009 im Jemen gekidnappt wurden - und deren Verbleib rätselhaft ist.

Wegen des aktuellen Falls stünden das Krisenreaktionszentrum und die deutsche Botschaft in Jemens Hauptstadt Sanaa "mit allen relevanten Stellen" in engem Kontakt, sagte die Sprecherin. Ob dazu auch die Entführer gehören und wer diese sind, wollte sie ebenso wenig kommentieren wie Herkunft und Alter des Deutschen. Ein weiterer Außenamtssprecher entgegnete am Nachmittag auf die Frage, ob die Geiseln noch am Leben seien: "Wenn wir die Gewissheit hätten, dass dem nicht so ist, würden wir Sie es wissen lassen."

"Eine ungewöhnlich hohe Zahl an Entführungsfällen"

Die sechs Entwicklungshelfer waren am Dienstag verschleppt worden. Ihre Entführer aus der Provinz Al Mahwit fordern die Freilassung von Stammesmitgliedern aus dem Gefängnis. Neben dem Deutschen wurden eine Irakerin, eine Palästinenserin, ein Kolumbianer und zwei Jemeniten gekidnappt, wie der Vorsitzende des örtlichen Gemeinderats erklärte. Ein UN-Vertreter im Jemen bestätigte die Entführung.

Nach Angaben des Außenamtssprechers gibt es derzeit "eine ungewöhnlich hohe Zahl an Entführungsfällen" deutscher Staatsbürger.
Als Beispiel nannte er zwei Touristen, die am 17. Januar in Äthiopien verschleppt wurden, einen drei Tage darauf in Pakistan gekidnappten Entwicklungshelfer sowie einen Ingenieur, der am 26.
Januar von einer Baustelle im Norden Nigerias entführt wurde. Das Auswärtige Amt könne aber "in keiner Weise irgendwelche inneren Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Fällen erkennen", sagte der Sprecher.

Jemen festigt Ruf als gefährliches Pflaster

Unterdessen ist auch zweieinhalb Jahre nach der Entführung einer fünfköpfigen deutschen Familie im Jemen das Schicksal von drei der Geiseln weiter unklar. Das Auswärtige Amt bemühe sich um Aufklärung, kämpfe aber mit der "extrem gespannten Sicherheitslage" vor Ort, teilte eine Sprecherin auf dapd-Anfrage mit. Bereits vorigen Juli habe der Krisenbeauftragte des Außenamts die jemenitischen Behörden in Gesprächen auf die Dringlichkeit des Falls hingewiesen.

Die Familie aus dem ostsächsischen Meschwitz war am 14. Juni 2009 zusammen mit einem Briten sowie zwei Bibelschülerinnen aus Niedersachsen und einer Südkoreanerin im Nordjemen entführt worden.
Die drei Frauen wurden später tot aufgefunden, der Brite und die Familie aus Sachsen blieben weiter verschollen. Nach fast einjähriger Geiselhaft konnten schließlich zwei der Kinder von saudi-arabischen Sicherheitskräften befreit werden und am 19. Mai 2010 nach Deutschland zurückkehren. Der Verbleib der Eltern und eines kleinen Bruders der Mädchen ist dagegen immer noch ungeklärt.

Der von inneren Unruhen zerrüttete Jemen hat sich in der Vergangenheit wiederholt als gefährliches Pflaster für Ausländer erwiesen. Immer wieder kommt es dort zu Entführungen, um Zugeständnisse von der Regierung zu erpressen. Allein seit Ende 2005 wurden mindestens 15 deutsche Staatsbürger in dem Staat am südlichen Rand der arabischen Halbinsel verschleppt. Die meisten Geiselnahmen enden jedoch unblutig.

Quelle: dpa/dapd

 
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