432 erkrankte Kleinkinder und ein Todesfall: Babynahrung-Skandal in China
zuletzt aktualisiert: 13.09.2008 - 17:02Peking (RPO). Der größte chinesische Produzent für Babymilch hat wochenlang wissentlich verseuchte Ware verkauft und damit die Erkrankung und den Tod von Säuglingen in Kauf genommen. Nach Angaben des Pekinger Gesundheitsministeriums bekamen durch die Belastung mit Melanin bisher 432 Säuglinge Nierensteine, und ein Kind starb.
Das Ministerium habe die Schließung des Herstellers Sanlu angeordnet. 19 Personen seien festgenommen worden, 78 weitere würden vernommen, berichtete eine Nachrichtenagentur.
Gesundheitsminister Gao Qiang sagte, die Sanlu-Gruppe habe es eine relativ lange Zeit versäumt, den Zwischenfall der Regierung zu melden. Sie werde dafür verantwortlich gemacht. Die Chemikalie sei dem Pulver vermutlich beigemischt worden, um nach der Zugabe von Wasser betrügerisch den Proteingehalt höher erscheinen zu lassen. Der Staat werde die Behandlungskosten der erkrankten Kinder übernehmen. "Wir sind zuversichtlich, dass mit einer zeitigen Diagnose und Therapie diese Kinderpatienten bald gesund werden", sagte Gao.
Späte Rückrufaktion
Der Nachrichtenagentur Xinhua zufolge entschloss sich das Unternehmen erst nach der Erkrankung zahlreicher Babys zu einer Rückrufaktion. Demnach wurde der Baby-Milch Melanin beigefügt, eine nicht mit dem gleichnamigen Farbstoff zu verwechselnde Chemikalie zur Herstellung von Plastik. Am Freitag wurden schließlich 700 Tonnen Milchpulver, die vor dem 6. August hergestellt wurden, vom Markt genommen. Seit diesem Zeitpunkt soll das Unternehmen nach einem Bericht des Wirtschaftsmagazins "Caijing" von der Verunreinigung der Milch gewusst haben, ohne dies aber öffentlich zu machen.
Einem anderen Zeitungsbericht zufolge gingen schon im März Beschwerden aus der Bevölkerung ein. Von Mitte Juli an wurde laut Xinhua dann mehrfach über Nierenprobleme bei Babys berichtet, ohne dass die Behörden etwas unternommen hätten.
Viele Lebensmittelskandale
Lebensmittelskandale haben in China in letzter Zeit häufig für Schlagzeilen gesorgt. Die Opfer waren zumeist Einheimische. In Taiwan wurden am Samstag tausende Milchpulverpackungen aus den Regalen genommen. Sanlu habe im Juni 25.000 Kilogramm Milchpulver nach Taiwan geliefert, hieß es. Sichergestellt wurden davon zunächst 9.800 Kilogramm.
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