Österreich: Bär wieder aufgetaucht - Experten planen DNA-Test
zuletzt aktualisiert: 25.05.2006 - 15:36München (rpo). Der wilde Braunbär ist offenbar aus Deutschland wieder nach Tirol zurückgekehrt. Im Bezirk Kufstein wurde ein Bär gesichtet, bei dem es sich um das gesuchte Raubtier handeln könnte. Bevor das Tier abgeschossen wird, soll ein DNA-Test sicherstellen, dass die Jäger es tatsächlich mit dem angeblich verhaltensauffälligen Braunbär zu tun haben.
Das sagte die Sprecherin der Umweltorganisation WWF Österreich, Susanne Grof. Den WWF-Experten zufolge ist es durchaus möglich, dass der Bär von Oberbayern aus durch das Karwendel in den Raum Kufstein wanderte. Außerdem habe der Jagdpächter helles Fell um die Schulter des Bären gesehen. Ein solcher so genannter Kragen sei auch bei dem bayerischen Bären beobachtet worden.
Bärenexperten wollen nun in dem Wald bei Thiersee nach Spuren des Raubtiers suchen und eine DNA-Analyse veranlassen. Nur so könne man sicher sein, dass es sich bei dem Tier um den bayerischen Bären handle, sagte Grof.
Auf keinen Fall dürfe "ein falscher Bär" erschossen werden. Das Raubtier war in Bayern zuletzt in der Nacht zum Montag im Raum Garmisch-Partenkirchen aufgetaucht. Es hatte im Graswangtal mehrere Schafe getötet und war in einen Hühnerstall eingedrungen.
Noch in der Nacht zum Donnerstag hatte ein Fangteam vergeblich versucht, den Braunbären auf bayerischer Seite in eine so genannte Röhrenfalle, die aus einer etwa zwei Meter langen Aluminiumröhre besteht, zu locken. Einem Sprecher des bayerischen Umweltministeriums zufolge sollte die Röhrenfalle in der Nacht zum Freitag jetzt bei Thiersee aufgestellt werden.
WWF will Bär mit Spezialfalle fangen
Unterdessen intensivierte WWF die Bemühungen, den von Bayern und Tirol zum Abschuss freigegebenen Braunbären noch lebend zu fangen: Bei Grizzly-Experten im US-amerikanischen Montana wurde dafür eine weitere Bärenfalle bestellt. Den Angaben zufolge müssen diese Spezialfallen gesondert hergestellt werden. Die Sendung aus den USA wird in der nächsten Woche in Europa eintreffen.
Außerdem erwägen die WWF-Spezialisten den Einsatz von Fangschlingen. Für diese sehr schwierige Fangmethode sei allerdings sowohl in Bayern als auch in Österreich eine Ausnahmegenehmigung erforderlich. Diese liege bislang nicht vor. Zudem müsse sichergestellt sein, dass die Schlingen häufig abgesucht werden, damit sich gefangene Tiere nicht unnötig quälten, hieß es.
Der Bär gilt als äußerst gefährlich, da er menschliche Ansiedlungen nicht mehr zu scheuen scheint. Seit etwa zwei Wochen riss das Raubtier in den Grenzregionen zahlreiche Schafe, plünderte Bienenstöcke, tötete Hühner und Zuchttauben.
Am Montag erteilte Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) eine Abschuss-Erlaubnis. Allerdings solle das Tier nur im Notfall, wenn "Gefahr für Leib und Leben" bestünde, getötet werden. Die Behörden in Tirol gaben den Bären am Dienstag zum Abschuss frei. Seit Montag richtete das Tier keine weiteren Schäden an.
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