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Baltimore
Erneut Polizist im Fall Freddie Gray freigesprochen

Baltimore: Eine Stadt in Unruhe
Baltimore: Eine Stadt in Unruhe FOTO: Frank Herrmann
Baltimore. Im Fall Freddie Gray hat ein Gericht in Baltimore einen weiteren Polizeibeamten von allen Vorwürfen freigesprochen. Er war mit fünf anderen Polizisten angeklagt worden, Gray nach dessen Festnahme im April 2015 vor einer wilden Fahrt in einem Polizeitransporter nicht angegurtet und damit dessen tödliche Verletzungen in Kauf genommen zu haben.

Dem freigesprochenen weißen Polizisten, dem ranghöchsten unter den Angeklagten, war unter anderem fahrlässige Tötung vorgeworfen worden. Der Freispruch von Richter Barry Williams kam einer weiteren Niederlage der Staatsanwaltschaft gleich, die bereits in mehreren Prozessen um diesen Fall unterlegen war. Dem Angeklagten habe sie nicht nachweisen können, dass er sich neuer polizeilicher Vorschriften bewusst war, wonach ein Festgenommener angeschnallt werden müsse. Damit seien auch andere Vorwürfe hinfällig, sagte Williams.

Das Gericht hatte bereits zwei angeklagte Polizisten in dem Fall freigesprochen, ein weiterer Prozess wurde als fehlerhaft bezeichnet. Schon nach dem Freispruch des Hauptangeklagten, dem schwarzen Fahrer des Vans, im Juni waren Zweifel unter Beobachtern aufgekommen, ob es überhaupt zu Verurteilungen kommen würde. Dem Fahrer war als einzigem Totschlag vorgeworfen worden. Die Prozesse gegen zwei weitere Polizisten stehen noch aus.

Tod von Freddie Gray als Auslöser für schwere Unruhen

Grays Tod hatte in Baltimore die schwersten Unruhen seit Jahrzehnten ausgelöst und zusammen mit weiteren Fällen von Polizeigewalt gegen Schwarze die Bewegung "Black Lives Matter" (Schwarze Leben zählen)
entstehen lassen. Gray war am 19. April 2015 schweren Verletzungen erlegen, die er eine Woche zuvor am Rücken erlitten hatte, als er während der Fahrt in dem Polizeitransporter gegen die Innenwände prallte.

Anders als bei anderen Fällen handelte es sich bei Gray nicht um Gewalt eines oder mehrerer ausschließlich weißer Polizisten gegen einen Schwarzen: Der freigesprochene Fahrer ist schwarz. Auch der Richter, der Staatsanwalt und die Bürgermeisterin von Baltimore sind Afroamerikaner. Als Gray starb, war auch der Polizeichef von Baltimore ein Schwarzer.

Ein Aktivist von Black Lives Matter, DeRay Mckesson, sagte nach dem Freispruch des Fahrers im Juni, das Schicksal von Freddie Gray zeige, dass sich die Kritik gegen das gesamte System richten müsse. Von Politik über Gesetze bis hin zu Verträgen mit Polizeigewerkschaften gebe es ein ganzes Bündel von Maßnahmen in den gesamten USA, "die jede Form von Polizeiverhalten schützen werden", sagte er.

(isw/ap)
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