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Proteste nach Tod von Freddie Gray
Zusammenstöße trotz Ausgangssperre in Baltimore

Fotos: Proteste trotz verhängter Ausgangssperre in Baltimore
Fotos: Proteste trotz verhängter Ausgangssperre in Baltimore FOTO: ap
Baltimore. Die Nationalgarde sollte nach den Rassenunruhen in der US-Großstadt Baltimore eigentlich die Ordnung wiederherstellen. Doch trotz verhängter Ausgangssperre kam es in der Nacht wieder zu gewaltätigen Auseinandersetzungen. Demonstranten gingen mit Flaschen und Steinen bewaffnet auf die Sicherheitskräfte los.

Trotz einer Ausgangssperre und der Präsenz der Nationalgarde ist es in Baltimore die zweite Nacht in Folge zu Unruhen gekommen. Bereitschaftspolizisten setzten am Abend Rauchgranaten und Pfefferspray gegen rund 200 Demonstranten ein, die ein von Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake ausgesprochenes Ausgehverbot ignoriert hatten. Die Protestler schleuderten Flaschen auf die Beamten, hoben die Rauchgranaten auf und warfen sie zurück. Gegen 23.00 Uhr hatten die Einsatzkräfte große Teile der Menschen von den Straßen vertrieben.

Hintergrund der explosiven Stimmung ist der mysteriöse Tod des Afroamerikaners Freddie Graye, der am 19. April in Polizeigewahrsam an einer Wirbelsäulenverletzung starb. Ein Video von seiner Festnahme zeigt, wie er nach einer Polizeikontrolle von Beamten in einen Transporter gezerrt wird. Wie und wann sich Gray an der Wirbelsäule verletzte, ist unklar.

Fotos: Ausgangsperre nach Krawallen in Baltimore FOTO: ap

Die Trauer um den jungen Mann war nach der Beerdigung am Montag in Gewalt umgeschlagen. Bei Krawallen gab es mindestens 20 verletzte Polizisten und 234 Festnahmen. Fast 150 Autos brannten.

Der Gouverneur von Maryland, Larry Hogan, ließ in einer Reaktion die Nationalgarde aufbieten. 2000 Gardisten und 1000 Polizeibeamten seien in der Nacht zum Mittwoch im Einsatz gewesen, um einen weiteren Gewaltausbruch in der US-Stadt zu verhindern, berichtete er. Er versprach, dass es keine Wiederholung von Plünderungen, Brandstiftungen und Vandalismus geben werde.

Proteste in Baltimore: Tod von Freddie Gray FOTO: afp, aw

Rund 15 Minuten nach dem Beginn der Ausgangssperre schritt die Polizei gegen die Protestierenden in einer Gegend ein, in der tags zuvor eine Apotheke gebrannt hatte. In einer weiteren Nachbarschaft nahmen die Polizisten drei bis vier Jugendliche fest, nachdem Beamte mit Steinen und Ziegeln attackiert worden waren. Mindestens ein Polizeibeamter wurde verletzt.

Es war der erste Einsatz der Garde in Baltimore seit 1968. Damals mussten die Spezialkräfte nach dem Attentat auf den Bürgerrechtler Martin Luther King Unruhen unterdrücken.

Weißer US-Polizist schießt flüchtendem Schwarzen in den Rücken FOTO: ap

Die Ausgangssperre sollte ab Dienstag eine Woche lang gelten, hatte Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake bekanntgegeben. Alle öffentlichen Schulen wurden geschlossen. Zum wohl ersten Mal in der 145-jährigen Geschichte des US-Baseballs sollte ein Spiel am Mittwoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

US-Präsident Barack Obama bezeichnete die Fälle von mehreren von der Polizei getöteten Afroamerikaner als schwelende Krise. Das Phänomen trete schon länger auf, doch gebe es durch Kameras und soziale Medien ein neues Bewusstsein für solche Fälle, sagte Obama am Dienstag auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus. Es hätten zu viele beunruhigende Vorkommnisse zwischen Polizisten und Schwarzen stattgefunden.

Es gebe dennoch "keine Entschuldigung" für die Gewalt, befand Obama. Über die Plünderer sagte er: "Sie protestieren nicht. Sie machen keine Aussage. Sie stehlen." Sie sollten wie Kriminelle behandelt werden, forderte das Staatsoberhaupt.

Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton zeigte sich erschüttert über die jüngsten Ereignisse in Baltimore. Der Fokus müsse darauf liegen, das System zu reformieren, forderte sie auf einer Spendenveranstaltung für ihren Wahlkampf.

Die beherzte Mutter eines 16 Jahre alten Randalierers wird derweil in Sozialen Medien bejubelt. Die alleinerziehende Toya Graham hatte ihren Sohn vor laufenden Kameras geschlagen und zurechtgewiesen, als sie ihn unter den Krawallmachern entdeckte - was sogar der Polizeikommissar von Baltimore bejubelte.

(ap)
 
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