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Missbrauchsvorwürfe gegen Blauhelme
Ban Ki Moon feuert Leiter der UN-Mission in Zentralafrika

Ban Ki Moon feuert Leiter der UN-Mission in Zentralafrika
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat den Leiter der UN-Mission in Südafrika, Babacar Gaye, aufgrund von Missbrauchsvorwürfen gegen Blauhelme entlassen. Das Foto stammt von Februar 2014. FOTO: afp, IS/vel
New York. Nach neuen Missbrauchsvorwürfen gegen Blauhelmsoldaten in Zentralafrika muss der Leiter der dortigen UN-Friedensmission Minusca seinen Posten räumen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte am Mittwoch, der senegalesische Diplomat Babacar Gaye habe "seinen Rücktritt auf meinen Wunsch" eingereicht.

In den vergangenen Monaten waren eine Reihe von Missbrauchsvorwürfen gegen UN-Soldaten laut geworden waren. Der 64-jährige Gaye hatte Minusca seit vergangenem Sommer geführt.

"Ich werde kein Handeln von Leuten tolerieren, die Vertrauen durch Angst ersetzen", sagte Ban vor Journalisten am UN-Sitz in New York. "Genug ist genug." Nach Angaben von Bans Sprecher Stéphane Dujarric wurde den Blauhelmen in Zentralafrika bislang in 57 Fällen ein Fehlverhalten vorgeworfen. Elf dieser Fälle betreffen demnach Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs von Kindern. Im jüngsten Missbrauchsfall soll ein UN-Soldat Anfang August ein zwölfjähriges Mädchen vergewaltigt haben.

Ban will am Donnerstag bei einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats die 15 Mitgliedsstaaten über die Hintergründe des erzwungenen Rücktritts von Gaye informieren. Der UN-Generalsekretär werde außerdem eine Videokonferenz mit den Sondergesandten und Kommandeuren aller 16 UN-Friedensmissionen abhalten, um ihnen zu verdeutlichen, dass sie Missbrauchsvorwürfe ernst nehmen müssten.

Dujarric sagte, die Entlassung von Gaye sei "beispiellos" und ein Zeichen dafür, dass die UNO bei Missbrauchsvorwürfen hart durchgreife. "Leute werden zur Verantwortung gezogen", sagte der Sprecher. Ban hatte im Juni eine unabhängige Untersuchung zum Umgang der Vereinten Nationen mit den Missbrauchsvorwürfen in Zentralafrika angeordnet.

Das muslimische Rebellenbündnis Séléka hatte im März 2013 den zentralafrikanischen Staatschef François Bozizé gestürzt. Der Putsch zog das Land im Herzen Afrikas in eine Spirale der Gewalt zwischen muslimischen und christlichen Milizen. Nach der Intervention Frankreichs in seiner ehemaligen Kolonie folgte im September 2014 der UN-Blauhelmeinsatz in dem krisengeschüttelten Staat. Auch gegen mehrere französische Soldaten wird wegen Kindesmissbrauchs in Zentralafrika ermittelt.

(AFP)
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