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  Foto: AFP, AFP
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Haiti und die Folgen der Katastrophe: Banden machen Jagd auf Kinder

VON CHRISTIAN SCHWERDTFEGER UND PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 19.01.2010 - 12:48

Düsseldorf (RPO). Das Erdbeben in Haiti trifft vor allem die Kinder. Tausende haben ihre Eltern verloren. Schutzlos und verstört irren sie durch die Straßen. Neben Hunger, Durst, Seuchen und Kälte droht ihnen noch anderes Unheil. Hilfsorganisationen warnen vor Kinderhändlern. Sie durchstreifen die Straßen in der Hoffnung auf leichte Beute.

Wie so oft bei großen Katastrophen trifft es die Kinder am schwersten. Viele sind nicht älter als drei oder vier Jahre alt. Haiti hat eine der jüngsten Bevölkerungen der Erde. „Fast die Hälfte der haitianischen Bevölkerung sind Kinder", erklärten die Vereinten Nationen am Dienstag. Vor dem Beben waren Waisen- und Kinderheime überfüllt. Jetzt sind viele der Hilfseinrichtungen eingestürzt. 380.000 Waisen hat es CNN zufolge schon vor dem Beben gegeben. Die Zahl wird dramatisch gestiegen sein.

Das Beben hat vielen das Wenige, was sie hatten, genommen. Sie kämpfen auf der Straße um das nackte Überleben. Erfahrungsgemäß nutzen Kinderhändler und Schlepper solche Notsituationen aus. Sie kommen gezielt in das Land, um Kinder zu entführen und ins Ausland zu verkaufen. Wie schon bei der Tsunami-Katastrophe vor sechs Jahren. In Haiti sollen sie bereits gesichtet worden sein.

Info
Spenden

Caritas international, Freiburg, Spendenkonto 202 bei der Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe BLZ 660 205 00 oder online unter: www.caritas-international.de

Deutsches Rotes Kreuz, Spendenkonto: 41 41 41 Bank für Sozialwirtschaft BLZ: 370 205 00 Stichwort: Haiti Online-Spenden unter: www.DRK.de/spenden

Ein Kind für 150 Dollar

Die Hilfsorganisationen schlagen Alarm. „Für 150 Dollar kann man in Haiti jetzt ein Kind bekommen”, sagt Sascha Decker von der Kindernothilfe Duisburg. "Die Kinder brauchen eine Identität, Papiere. Sie  müssen namentlich registriert werden. Sonst sind sie leichte Beute für die Kinderhändler”, so Decker.
In Haiti hat der Handel mit Kindern schon seit Jahren traurige Tradition. Viele Kinder müssen als Sklaven arbeiten. "Von ihren eigenen Eltern werden sie gegen Geld in andere Familien vermittelt, um Schwerstarbeit zu verrichten", erklärt Haiti-Kenner Decker, dessen Organisation schon seit Jahren in dem armen Land vor Ort ist um zu helfen.

Die Organisation setzt sich seit 1981 für die Kinder im Karibikstaat ein, baute Schulen, betreut aktuell rund 5000 Kinder in Haiti. Die Einrichtungen sind durch das Beben zum größten Teil zerstört worden. Nun versucht die Kindernothilfe, sie vor Verbrechern zu schützen. Koordinator Ruben Wedel ist seit Freitag im Katastrophengebiet. Am Dienstag soll der Betrieb des ersten Kinderzentrums in Port-au-Prince aufgenommen werden. Das Hauptquartier der Heilsarmee dient als eine Art Auffanglager. Dort sind die Kinder vor den Verbrechern sicher. Hunderte werden dort betreut und versorgt.

"Wir brauchen Schutz"

Auch das entwicklungspolitische Kinderhilfswerk „terre des hommes” und die Vereinten Nationen warnen vor Schleppern. Das Kinderhilfswerk forderte die Bundesregierung auf, konkrete Schutzmaßnahmen für die verwaisten Kinder zu ergreifen. "Wir brauchen schnell Schutz, die verlassene Kinder aufnehmen und sie vor Verbrechen wie Kinderhandel und illegaler Adoption schützen”, fordert Geschäftsführerin Danuta Sacher.

Der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes mahnt zudem, die Kinder müssten "vor allen Formen der Gewalt und Ausbeutung" geschützt werden. Dazu gehörten auch sexueller Missbrauch und Entführungen, die unrechtmäßigen Adoptionen dienten, warnte das Komitee. Berichte über Gewalt und Plünderungen in Haiti machten deutlich, dass "unverzüglich wirksame Schutzmaßnahmen" für die Kinder anlaufen müssten.

Frankreich fliegt Waisenkinder aus

Eine besondere Rolle spielen die Waisenkinder. Tausende von ihnen werden Jahr für Jahr von ausländischen Eltern. Vor allem Franzosen stellen traditionell die meisten Adoptionsanträge für Haiti. Derzeit warten zwischen 1200 und 1500 Franzosen auf ein Kind aus der früheren Kolonie, wie die französische Adoptionsbehörde AFA schätzt. Frankreich und die Niederlande haben bereits begonnen, Adoptivkinder auszufliegen.

In den Niederlanden kamen am Wochenende schon die ersten sechs Kinder an. Am Montag machte sich ein Flugzeug auf den Weg nach Haiti, das rund hundert weitere Adoptivkinder zu ihren niederländischen Adoptivfamilien bringen soll. Normalerweise hätte die bürokratische Prozedur für sie noch Monate und Jahre gedauert, jetzt soll es ganz schnell gehen.

Auch die USA haben vorübergehend die Einreise-Vorschriften gelockert, wie Heimatschutzministerin Janet Napolitano am Montag bekannt gab. Damit solle eine Behandlung der Kinder in den USA erleichtert werden. Die Regelung gelte nur für Waisen, die offiziell für eine Adoption in den USA zugelassen seien. Napolitano betonte jedoch, die vordringlichste Aufgabe sei die Wiederzusammenführung von Familien. In Haiti sollen durch das Beben bis zu 200.000 Menschen ums Leben gekommen sein.


 
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