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Brasilien Rio Drogenkrieg Panorama 091022
  Foto: AP, AP
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Olympiastadt 2016: Bandenkriege erschüttern Rio de Janeiro

zuletzt aktualisiert: 22.10.2009 - 12:01

Rio de Janeiro (RPO). Rio de Janeiro – damit verbinden viele Menschen den Zuckerhut, die Copa Cabana und seit kurzem die Olympischen Sommerspiele 2016. Doch in den letzten Tagen zeigt die brasilianische Metropole ihre hässliche Seite: In den berüchtigten Armenvierteln liefern sich Drogenbanden untereinander und mit der Polizei einen regelrechten Krieg. Inzwischen sind 33 Menschen gestorben. 

Rio de Janeiro dürfte in den kommenden Jahren die Sporthauptstadt der Welt werden. 2014 ist die brasilianische Atlantik-Metropole ein Austragungsort der Fußball-WM. Zwei Jahre später folgt mit den Olympischen Sommerspielen ein weiteres Highlight. Bis dahin haben die Organisatoren noch ein hartes Stück Arbeit vor sich. Bereits jetzt werden angesichts der Gewalt Fragen laut, ob die brasilianische Regierung das offensichtliche Sicherheitsproblem in der Stadt in den Griff bekommt.

Vor den Augen der Weltöffentlichkeit spielt sich in der über sechs Millionen Einwohner zählenden Stadt ein offener Drogenkrieg ab. Noch am Mittwoch erschossen Polizisten in verschiedenen Armenvierteln sieben mutmaßliche Drogenhändler. Damit kamen bei den Kämpfen seit dem Wochenende 33 Menschen ums Leben.

Info

Rio de Janeiro

Rio ist die zweitgrößte Stadt Brasiliens. Die am Atlantik gelegene Metropole hat 6,1 Millionen Einwohner. Rio ist vor allem für den Zuckerhut, die Christus-Statue sowie die Strandbezirke Copa Cabana und Ipanema bekannt. Von 1763 bis 1960 war Rio die Hauptstadt Brasiliens.

Und während die Welt über die beängstigende Gewalteskalation informiert wird, geben sich die Politiker am Zuckerhut betont besonnen. Ein PR-Desaster soll vermieden werden. "Diese Episode hat nichts mit den Spielen zu tun", versicherte Sportminister Orlando Silva, der sich aktuell nicht um den "Widerhall außen", sondern mehr um den Schutz der Bevölkerung in der Stadt sorge.

Konflikt begann am Samstag

Der Konflikt entbrannte in der Nacht zum Samstag. Aus der Favela Sao Joao drang eine bewaffnete Bande in das benachbarte Armenviertel Morro de Macacos ein, um die Drogenumschlagsplätze der Rivalen in Beschlag zu nehmen. "Schüsse hören wir jeden Tag, aber gestern, das war wie im Nahen Osten", erzählte ein noch vom Schreck gezeichneter Anwohner.

Die Polizei wartete das Tageslicht ab, sorgte dann mit gut 2000 Beamten wieder für Ruhe. Vorerst. Der für Öffentliche Sicherheit zuständige Sekretär des Bundeslandes war sichtlich um Begrenzung des Imageschadens bemüht. "Das ist ein Problem der Region, es passierte an einem spezifischen Punkt in der Stadt. Das ist nicht Rio de Janeiro", mahnte Jose Beltrame. Der spezifische Punkt liegt aber ausgerechnet unweit des Maracana, 2016 Stätte der Eröffnungs- und Schlussfeier sowie Spielort für die Fußball-WM 2014. Auf der anderen Seite geht es zum Stadion Joao Havelange, wo die Leichtathletik-Wettbewerbe stattfinden.

Beltrame fürchtet seitens des Internationalen Olympischen Komitees keine Konsequenzen. "Wir haben dem IOC die Projekte, die Vorschläge und unsere Politik gezeigt, wie wir die Kriminalität bekämpfen und den Frieden in den Favelas herstellen. Und sie haben uns geglaubt", sagte der ausgebildete Polizist und beteuerte: "Die Informationen werden nicht zurückgehalten."

Investition in Sicherheit

Derzeit greift das Projekt "Friedensstiftende Polizei" schon in fünf Favelas. Bis 2016 sollen 100 der über 1000 ungesteuerten Besiedlungen der Armen mit festen Stationen ausgestattet werden. Die Zahl der Ordnungshüter wird bis zu den Spielen von derzeit 38. 000 auf 63.000 aufgestockt. Die brasilianische Regierung will zudem rund 40 Millionen Euro in Rios Sicherheit investieren.

Brasiliens Justizminister Tarso Genro sieht die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Drogenbanden dann auch als Beweis, dass der Kampf Früchte trage. "Die Kriminellen verlieren an Boden und streiten nun untereinander, um die Gebiete für ihre Aktivitäten auszuweiten", befand der hochrangige Politiker. Ob sich die Strategie langfristig auswirkt, muss noch bewiesen werden. Rio hat noch über vier Jahre Zeit, um zu gewinnen.

Quelle: SID/AFP/AP/ndi

 
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