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Geiseldrama in Bangladesch
Viele Italiener unter den Toten

Bangladesch: Polizei stürmt Restaurant in Dhaka
Angehörige der Geiseln warten auf Nachricht. FOTO: ap, SD CD
Dhaka. Bewaffnete Angreifer haben in einem westlich geprägten Café in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka 20 Ausländer getötet, unter ihnen viele Italiener. Der IS bekannte sich zu der Tat.

Die Angreifer drangen am Freitagabend in das Café ein und hielten stundenlang dutzende Menschen fest, bevor Sicherheitskräfte am Samstag das Lokal stürmten und sechs Angreifer erschossen. Auch zwei Polizisten kamen im Kugelhagel ums Leben.

Die Angreifer stürmten das wegen seines großen Gartens auch bei Ausländern sehr beliebte Café "Holey Artisan Bakery" im Diplomatenviertel Gulshan am Freitagabend, riefen "Allahu Akbar" (Gott ist groß) und zündeten Sprengsätze. Als die Polizei anrückte, wurden bei einem ersten Feuergefecht zwei Polizisten getötet und bis zu 20 weitere verletzt.

Während einige der Anwesenden im Chaos fliehen konnten, brachten die Angreifer bis zu 40 Menschen in ihre Gewalt. Die Polizei riegelte die Umgebung ab. Nach elf Stunden stürmten am Samstagmorgen Spezialkommandos das Café und beendeten die Geiselnahme. "Die Lage ist vollständig unter Kontrolle", sagte Armeesprecher Rashidul Hasan. Sechs Angreifer seien erschossen worden.

Zu der Tat bekannte sich der IS. Die der Dschihadistenmiliz nahestehende Nachrichtenagentur Amaq meldete, ein IS-Kommando habe das Café angegriffen. Es seien "mehr als 20 Menschen unterschiedlicher Nationalität getötet worden".

Soldaten der Armee vor dem Hotel. FOTO: dpa, aa pt

Die Armee zählte 20 getötete Zivilisten. Die meisten von ihnen seien "brutal mit Stichwaffen" getötet worden, sagte Armeesprecher Nayeem Ashfaq Chowdhury. Der Militärvertreter Shabab Uddin sagte, alle getöteten Geiseln seien Ausländer. "Die meisten waren Italiener oder Japaner." Nach Angaben der Armee wurden viele der Opfer mit Macheten getötet.

Hinweise auf Deutsche unter den Opfern lagen nach Angaben des Auswärtigen Amtes zunächst nicht vor. Nach Regierungsangaben aus Neu Delhi war eine 19-jährige Inderin unter den Toten. Die Jugendliche hatte die Amerikanische Schule in Dhaka besucht und studierte inzwischen im kalifornischen Berkeley.

Der Vater eines Überlebenden, Rezaul Karim, sagte der AFP, die Angreifer hätten die Geiseln in In- und Ausländer getrennt. Die Ausländer seien in den ersten Stock gebracht worden, die Bangladescher seien um einen Tisch herum festgehalten worden.

13 Geiseln wurden nach offiziellen Angaben während der Befreiungsaktion gerettet. Verletzte wurden in Krankenwagen abtransportiert. Der argentinische Koch Diego Rossini, der in ein Nachbargebäude fliehen konnte, berichtete von einer "schrecklichen Nacht". Die Angreifer hätten "automatische Waffen und Bomben" gehabt, sagte er im argentinischen Fernsehen. Während seiner Flucht habe er "Kugeln an sich vorbeifliegen" spüren. Er habe so viel Angst gehabt wie nie zuvor in seinem Leben.

Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi verurteilte die Geiselnahme als eine weitere "Tragödie des radikalen Extremismus islamischer Prägung", durch den so viele Unschuldige in aller Welt schon gestorben seien. Italien habe einen weiteren "schmerzhaften Verlust" erlitten, sagte er, ohne die genaue Zahl der italienischen Opfer zu nennen. Aus dem Außenministerium in Rom verlautete laut Medienberichten, dass elf Italiener in dem Lokal waren und nur einer von ihnen entkommen konnte.

Bangladeschs Regierungschefin Sheikh Hasina verurteilte die "abscheuliche Tat". Ihre Regierung sei "entschlossen, den Terrorismus und die Militanz in Bangladesch auszurotten", sagte sie in einer Fernsehansprache.

Das mehrheitlich muslimische Bangladesch wird seit Wochen von einer Serie blutiger Angriffe auf säkulare Aktivisten, Blogger und Journalisten sowie Angehörige religiöser Minderheiten erschüttert. Geiselnahmen gab es bislang aber nicht.

Zu den meisten Angriffen bekannten sich der IS und der südasiatische Ableger des Al-Kaida-Netzwerks. Die Regierung macht dagegen die einheimische Islamistengruppe Jamayetul Mujahideen Bangladesh (JMB) für die Taten verantwortlich. Kritiker werfen der Regierung vor, durch die Verfolgung der größten islamistischen Partei Jamaat-e-Islami zu der Eskalation beigetragen zu haben.

(dpa)
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