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Erster USA-Besuch des Pontifex
Obama empfängt Papst Franziskus im Weißen Haus

Obama empfängt Papst Franziskus in Washington
Obama empfängt Papst Franziskus in Washington FOTO: afp, VIP
Washington. Das Oberhaupt der katholischen Welt ist in Washington eingetroffen: US-Präsident Barack Obama hat Papst Franziskus am Mittwoch offiziell willkommen geheißen.

Zu dem Zeremoniell mit militärischen Ehren im Garten des Weißen Hauses hatten sich seit den frühen Morgenstunden Tausende Gäste und Zuschauer eingefunden. Der erste Besuch von Franziskus in den USA steht unter anderem mit Blick auf seine Kapitalismuskritik und die im Oktober tagende Familiensynode auch unter politischen Erwartungen.

Franziskus fuhr im Weißen Haus in dem Fiat 500L vor, den er bereits am Vorabend zur Fahrt vom Flughafen in die Stadt benutzt hatte. Als mögliche Themen der privaten Unterredung zwischen dem Papst und Obama gelten Klimapolitik, Einwanderung und Kampf gegen Armut. Auch der Schutz der Religionsfreiheit und die jüngsten außenpolitischen Bemühungen Obamas um eine Annäherung an Kuba und den Iran könnten auf dem Programm stehen. Zuletzt hatten sich Papst und Präsident bei einem Besuch Obamas im März 2014 im Vatikan gesehen.

Franziskus war am Dienstagnachmittag (Ortszeit) von Kuba kommend in Washington eingetroffen. Am Donnerstag soll er dort als erster Papst vor dem Kongress sprechen. Freitag steht eine Rede vor den Vereinten Nationen in New York auf dem Programm. Zum Abschluss besucht er am Samstag und Sonntag das katholische Weltfamilientreffen in Philadelphia mit rund 17.500 Teilnehmern.

Kerry: Papst ist wichtiger Partner

Zuvor hatte US-Außenminister John Kerry Papst Franziskus als wichtigen Partner in der Weltpolitik gewürdigt. Die Außenpolitik der USA und die diplomatische Linie des Heiligen Stuhls überschnitten sich bedeutenden Punkten, sagte er in einem Interview von Radio Vatikan (Mittwoch). Dazu zählten die Flüchtlingskrise, der Klimawandel, der interreligiöse Dialog, die Wahrung der Menschenrechte und der Kampf gegen Menschenhandel, so Kerry. Sein Land werde den Papst bei diesen wichtigen politischen Zukunftsfragen konsultieren, versicherte der Außenminister. Franziskus' Rolle bei der Wiederannäherung zwischen Kuba und den USA bezeichnete er als "ausschlaggebend".

In der Flüchtlingskrise forderte Kerry eine Zusammenarbeit von ganz Europa gemeinsam mit der übrigen internationalen Gemeinschaft, "um sicherzustellen, dass die Menschen sicher sind; dass sie mit Menschlichkeit behandelt werden". Man müsse aber an der Quelle des Problems ansetzen, der Krise in Syrien. Kerry betonte die Absicht, die Terrormiliz "Islamischer Staat" zu bekämpfen und einen politischen Wandel herbeizuführen, der zum Sturz des von Russland unterstützten Assad-Regimes führen müsse. Dieses habe die Ausbreitung von Extremismus befördert. Die USA haben nach Kerrys Worten bisher 4,1 Milliarden Euro für die Versorgung von Syrien-Flüchtlingen zu Verfügung gestellt und wollten im kommenden Jahr mindestens 10.000 von ihnen aufnehmen.

Mit Blick auf die UN-Klimakonferenz im Dezember in Paris erklärte der Minister, eine bindende Vereinbarung wäre ein wichtiger historischer Schritt, allerdings politischen nicht leicht zu erreichen. Jedes Land müsse aber die Emissionen senken, um die vom Klimawandel betroffenen Ärmsten zu schützen wie kleine Inseln und afrikanische Staaten.

(KNA)
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