| 15.23 Uhr

Fälschlich als Terrorist verhaftet
Obama empfängt 14-jährigen Uhrenbauer Ahmed

Ahmed zu Gast bei Barack Obama
Ahmed zu Gast bei Barack Obama FOTO: dpa, jl ms
Washington. Wiedergutmachung und Genugtuung: Fünf Wochen nach seiner Festnahme wegen eines selbstgebastelten Weckers, den seine Lehrer fälschlicherweise für eine Bombe hielten, ist der texanische Schüler Ahmed Mohamed von US-Präsident Barack Obama im Weißen Haus empfangen worden.

Der 14-Jährige nahm am Montag zusammen mit anderen Schülern, Lehrern, Wissenschaftlern, Astronauten und Prominenten an einem Astronomie-Abend in der Präsidentenresidenz in Washington teil. Ahmed hatte Mitte September einen selbstgebastelten Wecker mit in seine Schule in Irving im Bundesstaat Texas gebracht, von seinen Lehrer aner nicht die erhoffte Anerkennung bekommen - stattdessen wurde er in Handschellen abgeführt, nachdem die Alarmfunktion des Weckers im Englischunterricht losgegangen war. Im Kurznachrichtendienst Twitter wurde ein Foto des Jungen in Handschellen innerhalb von Stunden tausendfach weiterverbreitet, Mohameds Schule und der Polizei wurde Islamfeindlichkeit vorgeworfen.

Auch Obama hatte sich in die Debatte eingeschaltet und die selbstgemachte Uhr des Jungen gelobt. "Coole Uhr, Ahmed. Willst du sie ins Weiße Haus mitbringen?", schrieb er auf Twitter. Bei der Veranstaltung am Montagabend erwähnte er den Jungen nicht direkt. Er forderte Lehrer und Eltern aber auf, neugierige Kinder und Jugendliche "zu fördern und zu ermutigen, statt sie zu unterdrücken."

Ein politischer Fall?

Ahmed ist Muslim, im Sudan geboren, hat eine dunkle Hautfarbe. Die Überreaktion an seiner Schule, die harte Hand der texanischen Polizei: Das wurde schnell auch mit Rassismus und Ausgrenzung Andersgläubiger in Verbindung gebracht. Alles zusammen löste eine Welle der Solidarität mit dem 14-Jährigen aus. Es folgten Sympathiebekundungen vieler Prominenter, darunter Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.

Ahmed brachte seine Uhr am Montag nicht mit ins Weiße Haus, auch wenn er sagte: "Ich wollte schon immer einmal den Präsidenten treffen." Die Obama-Administration zeigte sich auffallend schmallippig. Er glaube nicht, dass Obama bei so vielen Menschen im Weißen Haus Gelegenheit haben werde, mit dem Jungen zu reden, kündigte Regierungssprecher Josh Earnest schon am Nachmittag den geordneten Rückzug an. Die Stimmung war ein wenig umgeschlagen in den vergangenen Wochen - auch wenn Obama sich schließlich doch noch zu einer kurzen Begegnung bewegen ließ.

Wurde die Geschichte von dem harmlosen Tüftler, der seinen Lehrern seine tolle Erfindung zeigen wollte, richtig erzählt? Wollen politisch interessierte Kreise von dem Jungen und seinem Schicksal profitieren? Ted Cruz, texanischer Senator und republikanischer Präsidentschaftskandidat, warf Obama gar vor, die Story politisch auszuschlachten. Und tat gleich dasselbe, indem er dem Präsidenten vorwarf, die Arbeit der Polizei in der Sache nicht ausreichend gewürdigt zu haben.

Doch auch Ahmeds Verhalten ist in den US-Medien zunehmend in die Kritik geraten. Warum hat er die in einem Metallkoffer verstaute Uhr mehreren Lehrern gezeigt? Wollte er gar eine Überreaktion provozieren, um auf die Sache der Muslime aufmerksam zu machen? "Es ist hart, als Muslim in den USA aufzuwachsen", beteuerte er am Montag in einem Interview mit Yahoo News. Warum hat Ahmed von "seiner Erfindung" gesprochen, wenn er doch nur eine herkömmliche Uhr auseinander- und dann wieder neu zusammengebaut hat, fragen kritische Blogger.

Mit seinem Vater unternahm Ahmed, der nach eigenen Worten in Texas auf der Suche nach einer neuen Schule ist, eine Reise in die arabische Welt. Katar, Saudi-Arabien, zuletzt das Geburtsland Sudan standen auf dem Programm. Im Sudan wurde die Familie - so zeigen es Bilder in Sozialen Medien - vor wenigen Tagen von Präsident Omar al-Baschir empfangen. Gastgeber Obama dürfte das gar nicht gefallen haben. Baschir, auch als "Schlächter von Darfur" bekannt, wird praktisch in der gesamten westlichen Welt seit Jahren per Haftbefehl des internationalen Gerichtshofes in Den Haag als Kriegsverbrecher gesucht.

(dpa)
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