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Bauboom in New York
Die Himmelsstürmer

Bauboom in New York City – die Himmelsstürmer
Bodenlos: Die Kräne sind sogar zu hoch, um auf unser Bild zu passen. FOTO: ap, bw
New York. Ein Bau-Boom lässt die gewaltigen Hochhauskräne in New York derzeit aus dem Boden schießen. Hoch über Manhattan ist Tommy Gambardella Herr über einen Kran-Giganten.  Von Silvia Vogt

Tommy Gambardella ist ganz oben im New Yorker Bau-Universum. Als Führer eines gewaltigen Hochhauskrans verrichtet er sein Tagwerk in luftiger Höhe, mehr als 50 Stockwerke über der Erde. "Ob es ein Nervenkitzel ist? Ich liebe es. Ich liebe es", schwärmt der 49-Jährige.

Nachdem die schwächelnde Wirtschaft Investitionen für Jahre ausgebremst hatte, erlebt New York derzeit einen Bau-Boom. Allein im vergangenen Jahr wurden Genehmigungen für Bauten im Wert von etwa 35 Milliarden Dollar (rund 31,5 Milliarden Euro) erteilt. Dutzende Hochhauskräne sind in der Stadt zu sehen, deutlich mehr als noch vor zwei Jahren.

Bis zu zwölf Stunden am Tag

Allmorgendlich fährt Tommy Gambardella hoch in den Himmel an den Arbeitsplatz mit atemberaubendem Blick. Von dort sieht er, wie die Sonne Manhattan erhellt - bis zum Hafen und der Freiheitsstatue. Wo Gambardella derzeit im Einsatz ist, soll ein 65-stöckiges Gebäude entstehen. "Man muss etwas bessere Nerven haben als der Durchschnitt und ein bisschen verrückt sein", beschreibt er seine Kriterien für den Job. Und die Ruhe bewahren, das sei wichtig.

Bis zu zwölf Stunden am Tag arbeitet der New Yorker auf der Baustelle in Manhattan West, wo zwei neue Bürotürme, Geschäfte, Restaurants und ein Park geschaffen werden sollen. In seiner Kabine über der Stadt verbringt er schon einmal fünf Stunden ohne Pause.

Das Risiko ist immer dabei

Immer wieder kam es in den vergangenen Jahren zu Unfällen mit den Kran-Giganten. 2008 kollabierte ein rund 80 Meter hoher Koloss und begrub ein Gebäude unter sich. Sieben Menschen kamen ums Leben. Kurz später wurden zwei Arbeiter getötet, als ein Kran umkippte. Im vergangenen Jahr wurden sieben Menschen auf der Madison Avenue verletzt, weil sich eine tonnenschwere Klimaanlagen-Vorrichtung von einem Kran löste und fast 80 Meter in die Tiefe stürzte.

Die Unfälle heizen die Debatte um die Sicherheit immer wieder neu an. Im vergangenen Jahr stockte die Stadt die Zahl ihrer Baukontrolleure um 50 auf rund 450 auf. "Es darf nichts aus dem Himmel fallen", betont Bobby Cipriano, der für die Kran-Sicherheit im Projekt Manhattan West zuständig ist. "Turmkräne sind einschüchternd, und man hat eine riesige Verantwortung."

Bei starkem Wind geht nichts mehr

Bevor Kollege Gambardella seinen Kran in Bewegung setzen darf, checkt Cipriano in den frühen Morgenstunden Kabeln und Elektronik ebenso wie die Funkverbindung zwischen Kranführer und Boden. Beim Hochziehen der Last ist der Mann an der Spitze stark auf seine Mitarbeiter angewiesen, die von oben klein wie Ameisen erscheinen. Die Lasten, die sie anhängen, kann der Kranführer nicht immer sehen, wenn er sie in die Luft hebt.
"Man spürt es. Man spürt, wenn es nach oben kommt und der Signalgeber sagt: 'Prima, das war gut!'", sagt Cipriano. "Es sollte keine Oh-mein-Gott-Momente geben", fügt Gambardella hinzu. Bei starkem Wind geht nichts mehr. Dann ruht die Arbeit.

Cipriano war dabei, als das Gebäude der "New York Times" errichtet wurde. Er hat beim Sitz von Goldman Sachs mitgewirkt und bei der Umgestaltung des Times Square. Besonders stolz ist er aber, dass er auch beim One World Trade Center im Einsatz war, dem 104-stöckigen Wolkenkratzer, der nach den Anschlägen vom 11. September 2001 auf den Trümmern von Ground Zero entstand. "Es ist sehr befriedigend. Man fährt die Straße entlang und kann sagen: 'Ich war da oben. Das ist meins.'", erklärt der 57-Jährige mit leuchtenden Augen. "Ich glaube nicht, dass ich irgendetwas anderes machen möchte."

Fotos: New York: East und Hudson River zugefroren FOTO: afp, TC/ljm
(ap)
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