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Brände am Explosionsort in Tianjin
Behörden: Fischsterben hat mit Unglück nichts zu tun

Behörden von Tianjin: Fischsterben hat mit Unglück nichts zu tun
Tausende tote Fische werden angeschwemmt. FOTO: dpa, htf
Peking. In dem von gewaltigen Explosionen zerstörten Sperrbezirk der chinesischen Hafenstadt Tianjin sind am Freitag erneut Brände ausgebrochen. Insgesamt vier neue Feuer seien registriert worden, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Dies sei aber nichts Ungewöhnliches. Auch ein Massensterben von Fischen in Tianjins Fluss Hai He erklärten die Behörden mit der üblichen schlechten Qualität des Flusswassers.

Laut Xinhua brannte es am Freitag unter anderem in dem Autolager, wo bei den Explosionen und Bränden am Mittwoch vergangener Woche bereits tausende Fahrzeuge zerstört worden waren. Ursache sei vermutlich in den Tanks verbliebener Treibstoff. Immer wieder seien seit dem Unglück neue, kleinere Feuer ausgebrochen, fügte die Staatsagentur hinzu - tatsächlich lag seitdem permanenter Rauch über dem abgeriegelten Gebiet.

Bei der gewaltigen Explosionsserie in einem Gefahrgutlager waren nach jüngsten Angaben der Behörden mindestens 116 Menschen ums Leben gekommen, 60 wurden demnach noch vermisst. Hunderte weitere Opfer erlitten teils schwerste Verletzungen. In dem Lager waren tausende Tonnen gefährlicher Chemikalien zwischengelagert, darunter allein 700 Tonnen des hochgiftigen Natriumcyanids. 200 Tonnen des toxischen Pulvers seien inzwischen eingesammelt worden, teilte Tianjins stellvertretender Bürgermeister Wang Hongjiang mit.

Die Angst der Menschen in Tianjin wächst

Allen Beschwichtigungen der Behörden zum Trotz wächst die Angst der Menschen vor einer Umweltkatastrophe. In den sozialen Netzwerken kursieren Aufnahmen von einem wahren Teppich toter Fische, die rund sechs Kilometer vom Explosionsort entfernt angeschwemmt wurden. Die Behörden verwiesen darauf, dass wegen der schlechten Wasserqualität während der Sommermonate immer wieder in den Flüssen der Region Fische in Massen sterben würden. Sie versicherten, im Hai He seien seit dem Unglück keine höheren Schadstoffwerte gemessen worden.

Dagegen teilte die Umweltschutzorganisation Greenpeace am Freitag mit, sie habe an drei Orten in Tianjin erhöhte Zyanid-Konzentrationen im Oberflächenwasser gemessen, darunter auch im Hai He. Nach Angaben der örtlichen Umweltschutzbehörde überschritt auch die Zyanid-Konzentration in der Luft am Freitag an einem Kontrollpunkt den Grenzwert kurzzeitig um das Fünffache. Dieser Wert sei inzwischen aber wieder gefallen.

Zyanid-Konzentration deutlich erhöht

Am Vortag hatte die Behörde gemeldet, dass in einer Wasserprobe innerhalb des Sperrbezirks eine Zyanid-Konzentration gemessen worden sei, die um das 356-Fache über dem Grenzwert liege. Außerhalb der Zone lägen die Zyanid-Spuren im Wasser hingegen unterhalb der Toleranzschwelle, hatte sie hinzugefügt.

Laut den Behörden ist bis heute unklar, welche Schadstoffe außer dem Natriumcyanid noch in dem Lager aufbewahrt wurden. Mehr als 4460 Soldaten und Polizisten seien mit dem Einsammeln der Chemikalien und Aufräumarbeiten befasst, berichtete Xinhua unter Berufung auf den militärischen Einsatzleiter Liao Kedua.

Die Vereinten Nationen hatten am Mittwoch von der Regierung in Peking größere Transparenz gefordert. Die Berichte über Zensur und mangelnde Aufklärung seien "zutiefst beunruhigend". Es bestehe die Gefahr, dass sich die Zahl der Opfer dadurch weiter erhöhe.

(AFP)
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