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Türkei: Bekannter Journalist in Istanbul erschossen

zuletzt aktualisiert: 19.01.2007 - 16:29

Istanbul (RPO). Der prominente armenisch-türkische Journalist Hrant Dink ist tot. Der 53-Jährige fiel in Istanbul einem Mordanschlag zum Opfer. Dink war einer der bekanntesten Vertreter der armenischen Minderheit in der Türkei. Der türkische Ministerpräsident Erdogan zeigt sich bestürzt.  

Wurde 2007 von einem Rechtsextremisten erschossen: Hrant Dink.  Foto: AP, AP
Wurde 2007 von einem Rechtsextremisten erschossen: Hrant Dink. Foto: AP, AP

Erdogan sprach von einem Angriff auf die Einheit der Türkei und sicherte zu, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Zwei Verdächtige seien festgenommen worden.

Wegen seiner ungeschminkten Äußerungen über die blutige Verfolgung von Armeniern im Osmanischen Reich Anfang des 20. Jahrhunderts war Dink in der Vergangenheit von türkischen Nationalisten bedroht worden und musste sich auch vor Gericht verantworten.

Das Verhältnis zur armenischen Minderheit in der Türkei ist gespannt. Die Verfolgung der Armenier in den Jahren 1915 bis 1923 gilt in einigen Ländern als Völkermord, die Türkei weist dies zurück.

Medienberichten zufolge starb Dink, Redakteur der zweisprachigen Zeitung "Agos", durch zwei Schüsse in den Kopf. Insgesamt seien vier Patronenhülsen gefunden worden, berichtete der private Fernsehsender NTV. Die Polizei fahndete nach einem Jugendlichen mit weißer Mütze und Jeansjacke.

Der "stern" reagierte bestürzt auf das Verbrechen. "Hrant Dink ist beherzt für die Gleichberechtigung der Armenier eingetreten und hat die Mauer des Schweigens und der Angst immer wieder durchbrochen", erklärte Chefredakteur Thomas Osterkorn in einer Pressemitteilung. "Dafür wurde er angefeindet und verurteilt, aber er hat sich nicht einschüchtern lassen." Aufgrund seines Einsatzes für die armenische Minderheit in der Türkei wurde Dink mit dem Henri-Nannen-Preis für Pressefreiheit 2006 ausgezeichnet.

Auch die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth äußerte sich bestürzt über die Ermordung Dinks. Die Tat sei ein bewusster Schlag gegen alle, die für Aussöhnung und die Aufarbeitung von Verbrechen in der Vergangenheit der Türkei einträten, sagte Roth in Berlin. Die Grünen-Politikerin würdigte Dink als liberalen Humanisten, der mit Klugheit, Weltoffenheit und Augenmaß ein schwieriges Kapitel der türkischen Geschichte aufgearbeitet habe.

Quelle: ap

 
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